Erstarrung und Gussgefüge

Bei der Erstarrung von Legierungen heißt das Verhältnis k = Cs/CL der Konzentrationen des gelösten Elements in fester und flüssiger Phase an der Phasengrenze fest–flüssig Gleichgewichtsverteilungskoeffizient. Welche Aussage trifft für einen Fall wie Al-Cu-Legierungen zu, bei dem k etwa 0,17 beträgt?

  1. ADer Festkörper nimmt mehr gelöstes Element auf als die Schmelze, daher sind die zuerst erstarrten Bereiche am reichsten daran und die zuletzt erstarrenden Bereiche am ärmsten
  2. BDer Festkörper nimmt nur etwa das 0,17-Fache des gelösten Elements der Schmelze auf, daher wird es in die Schmelze vor der Front abgegeben, und die zuletzt erstarrenden Bereiche sind am reichsten daran
  3. CEs ist das Verhältnis der Diffusionskoeffizienten in fester und flüssiger Phase; bei 0,17 diffundiert es im Festkörper langsamer als in der Schmelze, doch die Zusammensetzung gleicht sich nach der Erstarrung von selbst aus
Lösung und Erläuterung anzeigen

Lösung: B. Der Festkörper nimmt nur etwa das 0,17-Fache des gelösten Elements der Schmelze auf, daher wird es in die Schmelze vor der Front abgegeben, und die zuletzt erstarrenden Bereiche sind am reichsten daran

k ist das Verhältnis der Zusammensetzungen von Solidus- und Liquiduslinie bei derselben Temperatur im Zustandsdiagramm; in Systemen, in denen Liquidus- und Soliduslinie beide zur Seite mit mehr gelöstem Element hin abfallen, ist k < 1. Der erste Mischkristall einer Al-4 % Cu-Legierung enthält nur etwa 0,17 × 4 = 0,68 % Cu; das überschüssige gelöste Element wird an die Schmelze abgegeben, die sich allmählich anreichert. Daher sind die Dendritenkerne verarmt, und die zuletzt erstarrenden interdendritischen Bereiche und Korngrenzen sind angereichert. Dass die zuerst erstarrten Bereiche am reichsten sind, gilt für k > 1. k ist kein Verhältnis von Diffusionskoeffizienten, und weil die Diffusion im Festkörper langsam ist, verschwinden die Konzentrationsunterschiede nach der Erstarrung nicht von selbst; zum Homogenisieren ist eine Wärmebehandlung nötig. Je weiter k von 1 entfernt ist, desto stärker ist die Seigerung; das Zonenschmelzen nutzt diese Eigenschaft.

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  1. Die meisten reinen Metalle wachsen mit einer glatten, abgerundeten Phasengrenze fest–flüssig, Si und Bi dagegen bevorzugt von ebenen Kristallflächen (Facetten) begrenzt. Welche Faustregel erklärt diesen Unterschied richtig?
  2. Welche Aussage über die konstitutionelle Unterkühlung, die bei der gerichteten Erstarrung einer Legierung eine anfangs ebene Phasengrenze fest–flüssig uneben werden lässt, ist richtig? Betrachtet wird eine Legierung mit k < 1.
  3. Die Bedingung für eine Erstarrung mit ebener Grenzfläche ohne konstitutionelle Unterkühlung lautet G/V ≥ ΔT₀/D_L (G ist der Temperaturgradient in der Schmelze an der Grenzfläche, V die Wachstumsgeschwindigkeit, D_L der Diffusionskoeffizient des gelösten Elements in der Schmelze und ΔT₀ = mC₀(1 − k)/k das Erstarrungsintervall). Eine Al-2,0 wt% Cu-Legierung (Betrag der Liquidussteigung m = 3,4 K/wt%, k = 0,17, D_L = 3,0×10⁻⁹ m²/s) wächst mit V = 1,0×10⁻⁵ m/s. Welcher Wert liegt dem kleinsten Temperaturgradienten, der die Grenzfläche eben hält, am nächsten?
  4. Welche Aussage darüber, wie sich die Form der Phasengrenze fest–flüssig und die Feinheit des Gefüges bei der Erstarrung von Legierungen mit dem Temperaturgradienten G und der Wachstumsgeschwindigkeit V ändern, ist richtig?
  5. Welche Aussage über die Kristallrichtung, in der Stämme und Äste von Dendriten in kubischen Metallen (kfz oder krz) wachsen, und über ihre Wirkung auf die Stängelkristalle eines Gussstücks ist richtig?