Formelsammlung

Die Formeln aus Vorlesungen, Klausuren und Aufnahmeprüfungen der Materialwissenschaft, nach Gebieten geordnet. Zu jeder Formel finden Sie die Formelzeichen mit ihrer Bedeutung und SI-Einheit, Gültigkeitsbedingungen und -bereich, typische Fehler und ein Zahlenbeispiel; die Dimensionen beider Seiten wurden durchweg maschinell geprüft. Über die Links zu den Aufgabentypen des Rechentrainers und zu den Rechnern können Sie mit derselben Formel üben und rechnen.

Die Zahlen in den Beispielen stammen aus den Daten der Rechner dieser Website oder entsprechen Beispielaufgaben aus Lehrbüchern (die Quelle ist bei jeder Formel angegeben). Für die Auslegung von Bauteilen verwenden Sie Werte aus Normen und Werkstoffdatenblättern.

Kristallstruktur 14

dhkl = a/√(h² + k² + l²)[m]

SymbolBedeutungSI-Einheit
dhklNetzebenenabstand der (hkl)-Ebenenm
aGitterkonstante (Kantenlänge des Würfels)m
h, k, lMillersche Indizes (ganze Zahlen)1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Nur für kubische Gitter (kubisch primitiv, BCC, FCC, Diamantstruktur, NaCl-Typ usw.). Für tetragonale, hexagonale und andere Gitter gilt die nachfolgende Formel „Netzebenenabstand (tetragonal, orthorhombisch, hexagonal)“. Die Formel gibt den Abstand der Ebenenschar an und gilt rechnerisch auch für (hkl), deren Reflex nach den Auslöschungsregeln fehlt.
Typische Fehler
Die Wurzel vergessen oder durch h + k + l teilen. (100) und (200) verwechseln: Im BCC-Gitter ist der (100)-Reflex ausgelöscht und erscheint als (200) mit d/2. nm und Å verwechseln (1 Å = 0,1 nm).
Beispiel
Cu (FCC, a = 0,36146 nm), (111)-Ebenen: d = 0,36146/√3 = 0,2087 nm. Für BCC-Fe (a = 0,28665 nm), (110): 0,28665/√2 = 0,2027 nm.

Begriffe Millersche Indizes Kubisch-flächenzentriertes Gitter (kfz) Kubisch-raumzentriertes Gitter (krz)

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 3; Cullity (3. Aufl.) Kap. 2

1/d² = h²/a² + k²/b² + l²/c²tetragonal, orthorhombisch[m⁻²]

1/d² = 4(h² + hk + k²)/(3a²) + l²/c²hexagonal[m⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
dNetzebenenabstandm
a, b, cGitterkonstanten (orthorhombisch a ≠ b ≠ c, tetragonal a = b)m
h, k, lMillersche Indizes (hexagonal: h, k, l der vierstelligen Indizes (hkil), i = −(h + k))1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Die erste Form gilt für Gitter mit rechtwinkligen Achsen (kubisch, tetragonal, orthorhombisch), die zweite für hexagonale Gitter (a-Achsen unter 120°, c-Achse senkrecht dazu). Monokline und trikline Gitter erfordern die allgemeine Formel mit den Achsenwinkeln (Metrik des reziproken Gitters). In der hexagonalen Form sind h, k, l die drei Indizes von (hkil) ohne i.
Typische Fehler
Das i der vierstelligen Indizes (10−11) in die Formel einsetzen (i ergibt sich aus h und k). Die kubische Form 1/d² = (h² + k² + l²)/a² auf hexagonale Kristalle anwenden. In einer tetragonalen Zelle a und c vertauschen.
Beispiel
Tetragonales β-Sn (a = 0,58318 nm; c = 0,31818 nm), (101): aus 1/d² = 1/a² + 1/c² folgt d = 0,2793 nm. Hexagonales Mg (a = 0,32094 nm; c = 0,52107 nm), (101) (vierstellig (10−11)): aus 1/d² = 4/(3a²) + 1/c² folgt d = 0,2452 nm.

Begriffe Hexagonal dichteste Packung (hdP) Millersche Indizes

Quelle: Cullity (3. Aufl.) Kap. 2; Callister (10. Aufl.) Kap. 3

Bragg-Gleichung

nλ = 2d sinθ[m]

SymbolBedeutungSI-Einheit
nBeugungsordnung (meist n = 1; die n-te Ordnung wird als erste Ordnung an Ebenen mit d/n behandelt)1
λWellenlänge der Röntgenstrahlungm
dNetzebenenabstandm
θBragg-Winkel (zwischen Strahl und Netzebenen; gemessen wird 2θ)rad

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Bedingung für konstruktive Interferenz der an den Netzebenen gestreuten Wellen (kinematische Beugung). Ein Reflex existiert nur für λ ≤ 2d. Die Gleichung legt nur die Lage der Reflexe fest; die Intensitäten ergeben sich aus Strukturfaktor und LP-Faktor.
Typische Fehler
θ und 2θ verwechseln (Diffraktometer geben 2θ aus). Grad und Bogenmaß verwechseln. Kα1 mit der gemittelten Kα-Wellenlänge verwechseln. Einen Reflex einem nach den Auslöschungsregeln fehlenden (hkl) zuordnen.
Beispiel
Cu-Kα1 (λ = 0,15406 nm) an Cu (111) (d = 0,2087 nm): sinθ = λ/(2d) = 0,3691; θ = 21,66°; Reflexlage 2θ = 43,32°.

Begriffe Bragg-Gleichung XRD (Röntgenbeugung) Auslöschungsregeln

Quelle: Cullity (3. Aufl.) Kap. 3; Callister (10. Aufl.) Kap. 3

ρ = nM/(NA Vc)[kg·m⁻³]

Vc = a³kubisch[m³]

SymbolBedeutungSI-Einheit
ρtheoretische Dichtekg/m³
nZahl der Atome je Elementarzelle (kubisch primitiv 1, BCC 2, FCC 4, Diamant 8, HCP-Sechseckprisma 6)1
Mmolare Masse (Atommasse × 10⁻³ kg/mol)kg/mol
NAAvogadro-Konstantemol⁻¹
VcVolumen der Elementarzellem³
aGitterkonstantem

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Dichte eines fehlerfreien Kristalls; reale Werkstoffe weichen durch Leerstellen, Poren und Verunreinigungen etwas ab. Bei Verbindungen ist n die Zahl der Formeleinheiten und M die Formelmasse (NaCl-Typ: 4 Paare Na⁺ und Cl⁻).
Typische Fehler
a in nm in die dritte Potenz erheben (für g/cm³ nm → cm mit × 10⁻⁷ umrechnen). M in g/mol mit m³ kombinieren (für kg/m³ muss M in kg/mol stehen). n für BCC und FCC vertauschen.
Beispiel
BCC-Fe (n = 2; M = 55,845 g/mol; a = 0,28665 nm = 0,28665 × 10⁻⁷ cm): Vc = a³ = 2,355 × 10⁻²³ cm³; ρ = 2 × 55,845/(6,02214 × 10²³ × 2,355 × 10⁻²³) = 7,874 g/cm³ (Tabellenwert 7,87 g/cm³).

Begriffe Kubisch-raumzentriertes Gitter (krz) Kubisch-flächenzentriertes Gitter (kfz)

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 3

a = 2rSC[m]

√3a = 4rBCC[m]

√2a = 4rFCC[m]

a = 2rHCP[m]

c/a = √(8/3) ≈ 1,633ideales HCP[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
aGitterkonstantem
rAtomradius (harte Kugel)m
cLänge der c-Achse im HCP-Gitterm

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: c/a

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Harte Kugeln berühren sich entlang der Würfelkante (kubisch primitiv), der Raumdiagonalen (BCC), der Flächendiagonalen (FCC) oder in der Basisebene (HCP). Der „Radius“ hängt von der Bindungsart ab (metallische Radien beziehen sich auf die Koordinationszahl 12).
Typische Fehler
Radius und Durchmesser verwechseln (4r in √3a = 4r sind zwei Durchmesser). Die Beziehungen für BCC und FCC vertauschen.
Beispiel
BCC-Fe (a = 0,28665 nm): r = √3a/4 = 0,1241 nm. FCC-Cu (a = 0,36146 nm): r = √2a/4 = 0,1278 nm.

Begriffe Packungsdichte Kubisch-raumzentriertes Gitter (krz) Kubisch-flächenzentriertes Gitter (kfz) Hexagonal dichteste Packung (hdP)

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 3

APF = Σ ni (4/3)πri³/Vc[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
APFPackungsdichte (atomic packing factor)1
niZahl der Atome (Ionen) mit dem Radius ri je Elementarzelle1
riAtom- bzw. Ionenradiusm
VcVolumen der Elementarzellem³

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Modell harter Kugeln. Metalle: kubisch primitiv 0,524; BCC 0,680; FCC und HCP 0,740; Diamant 0,340. In Ionenkristallen ergibt sich a aus der Richtung, in der sich Kation und Anion berühren (NaCl-Typ entlang der Kante, CsCl-Typ entlang der Raumdiagonalen).
Typische Fehler
In Ionenkristallen a aus der Berührung der Anionen untereinander bestimmen (nur bei kleinem Radienverhältnis richtig). Beim NaCl-Typ nur 1 Ionenpaar je Zelle zählen statt 4.
Beispiel
BCC: 2 × (4/3)π(√3a/4)³/a³ = √3π/8 = 0,6802; FCC: π/(3√2) = 0,7405. NaCl-Typ (Na⁺ 0,102 nm; Cl⁻ 0,181 nm; Kation und Anion berühren sich entlang der Würfelkante): a = 2(r₊ + r₋) = 0,5660 nm; Packungsdichte = 4 × (4/3)π(r₊³ + r₋³)/a³ = 0,646.

Begriffe Packungsdichte

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 3; Callister (10. Aufl.) Kap. 12

PD = Np/A[m⁻²]

LD = Nl/L[m⁻¹]

SymbolBedeutungSI-Einheit
PDFlächenbelegung (Atome je Fläche)m⁻²
LDLinienbelegung (Atome je Länge)m⁻¹
Np, NlZahl der Atome mit Mittelpunkt auf der Ebene bzw. Linie (nach dem Anteil innerhalb des Schnitts gezählt)1
AFläche der Ebenem²
LLänge der Liniem

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Gezählt werden nur Atome, deren Mittelpunkt auf der Ebene (Linie) liegt. Zählt man im Schnitt einer Elementarzelle, werden Eck- und Kantenatome mit dem Anteil addiert, der im Schnitt liegt. Gleitebenen sind die am dichtesten belegten Ebenen, Gleitrichtungen die am dichtesten belegten Richtungen (FCC: {111}⟨110⟩; BCC: {110}⟨111⟩).
Typische Fehler
Auch Atome mitzählen, die die Ebene nur anschneiden. Für jede Ebene die Würfelfläche a² verwenden ((110) hat √2a², das (111)-Dreieck (√3/2)a²).
Beispiel
FCC-Al (a = 0,40496 nm), (111): Der Schnitt durch die Elementarzelle ist ein gleichseitiges Dreieck mit der Seitenlänge √2a (Fläche (√3/2)a² = 0,1420 nm²) und enthält 3 × 1/6 + 3 × 1/2 = 2 Atome. Flächenbelegung PD = 14,08 nm⁻². Linienbelegung in [110]: 2/(√2a) = 3,492 nm⁻¹.

Begriffe Millersche Indizes Packungsdichte

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 3

Vc = (3√3/2)a²c[m³]

n = 6Sechseckprisma[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
VcVolumen des Sechseckprismasm³
a, cGitterkonstantenm
nZahl der Atome im Prisma1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Gezählt wird im Sechseckprisma (drei primitive Elementarzellen): 12 Ecken × 1/6; 2 Grundflächen × 1/2; 3 im Inneren, zusammen 6 Atome. Die primitive Elementarzelle (Parallelepiped, (√3/2)a²c) enthält 2. Beides lässt sich direkt in die Formel der theoretischen Dichte einsetzen. Ideales c/a = √(8/3) = 1,633 (Mg 1,624; Zn 1,856; Ti 1,587).
Typische Fehler
Das Volumen des Prismas mit 2 Atomen oder die primitive Zelle mit 6 Atomen kombinieren (die Dichte ist dann um den Faktor 3 falsch).
Beispiel
Mg (a = 0,32094 nm; c = 0,52107 nm): c/a = 1,624 (nahe am Idealwert 1,633). Das Sechseckprisma (3√3/2)a²c = 1,394 × 10⁻²² cm³ enthält 6 Atome; mit M = 24,305 g/mol folgt ρ = 1,737 g/cm³ (Tabellenwert 1,74 g/cm³).

Begriffe Hexagonal dichteste Packung (hdP)

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 3

r/R = √2 − 1 ≈ 0,414Oktaederlücke[1]

r/R = √(3/2) − 1 ≈ 0,225Tetraederlücke[1]

r/R = √3 − 1 ≈ 0,732Würfellücke[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
rRadius der Kugel, die in die Lücke passtm
RRadius der umgebenden Atome (Anionen)m

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: r/R, r/R, r/R

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Oktaeder- und Tetraederlücken dichtester Packungen (FCC, HCP) und die Würfelmitte des kubisch primitiven Gitters. In Ionenkristallen ist es das kleinste Radienverhältnis, bei dem das Kation die Anionen noch berührt, und ein Anhaltspunkt für die Koordinationszahl (0,225–0,414: 4; 0,414–0,732: 6; ab 0,732: 8). Die Lücken im BCC-Gitter sind verzerrt: Oktaederlücke 0,155; Tetraederlücke 0,291.
Typische Fehler
Für die Oktaederlücke im BCC-Gitter den FCC-Wert 0,414 verwenden. Die Radienverhältnisregel ist nur ein Anhaltspunkt und versagt bei Verbindungen mit stark kovalentem Bindungsanteil.
Beispiel
γ-Fe (FCC, a ≈ 0,3647 nm): R = √2a/4 = 0,1289 nm; die Kugel, die in die Oktaederlücke passt, hat r = (√2 − 1)R = 0,0534 nm. Ein Kohlenstoffatom (Radius etwa 0,071 nm) ist größer und drückt die umgebenden Atome auseinander.

Begriffe Kubisch-flächenzentriertes Gitter (kfz)

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 12; Askeland (7. Aufl.) Kap. 3

Fhkl = Σj fj exp[2πi(hxj + kyj + lzj)][1]

I ∝ p|F|² × (1 + cos²2θ)/(sin²θ cosθ)[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
FhklStrukturfaktor (in Einheiten der Streuung eines Elektrons)1
fjAtomformfaktor des Atoms j (nimmt mit sinθ/λ ab)1
h, k, lMillersche Indizes1
xj, yj, zjLage des Atoms j (fraktionelle Koordinaten, Gitterkonstante = 1)1
Iintegrale Intensität (relativ)1
pMultiplizität (Zahl der Ebenen mit gleichem d)1
θBragg-Winkelrad

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Kinematische Intensitäten für ein regellos orientiertes Pulver in Bragg-Brentano-Geometrie mit unendlich dicker Probe, ohne Absorption und Extinktion. Der LP-Faktor (1 + cos²2θ)/(sin²θ cosθ) fasst Polarisations- und Lorentz-Faktor zusammen (mit Monochromator ändert sich seine Form). Der Temperaturfaktor exp(−2B sin²θ/λ²) schwächt hohe Winkel ab. Auslöschungsregeln: BCC bei ungeradem h + k + l, FCC bei gemischt geraden und ungeraden h, k, l ist F = 0.
Typische Fehler
Intensitäten mit F statt mit |F|² vergleichen. Die Multiplizität weglassen. Reflexe mit gleichem d (z. B. BCC (411) und (330)) getrennt zählen.
Beispiel
Für FCC ist F = 4f, wenn h, k, l alle gerade oder alle ungerade sind, sonst 0. Al mit Cu-Kα1: (111) bei 2θ = 38,47°; f = 8,96; F = 35,8; LP = 15,7; Multiplizität 8. (200) bei 2θ = 44,72°; f = 8,51; F = 34,0; LP = 11,2; Multiplizität 6. Intensitätsverhältnis I(200)/I(111) = 0,48 (ohne Temperaturfaktor und anomale Dispersion).

Begriffe Auslöschungsregeln XRD (Röntgenbeugung)

Quelle: Cullity (3. Aufl.) Kap. 4

D = Kλ/(β cosθ)[m]

SymbolBedeutungSI-Einheit
DKristallitgröße (volumengewichtetes Mittel senkrecht zu den Netzebenen)m
KScherrer-Konstante (Formfaktor; 0,89–0,94; meist 0,9)1
λWellenlänge der Röntgenstrahlungm
βVerbreiterung durch die Kristallitgröße (Halbwertsbreite nach Abzug der Gerätebreite)rad
θBragg-Winkelrad

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Wenn die Verbreiterung allein von der Kristallitgröße herrührt (den Beitrag der Dehnung trennt man mit Williamson-Hall). Brauchbar bis etwa 100 nm; darüber geht die Größenverbreiterung in der Gerätebreite unter. Die Gerätebreite βi zieht man bei Gauß-Profilen als β² = βm² − βi², bei Lorentz-Profilen als β = βm − βi ab.
Typische Fehler
β in Grad einsetzen (in Bogenmaß umrechnen). Den 2θ-Wert als θ in den Kosinus einsetzen. Die Gerätebreite nicht abziehen. Das Ergebnis ist die Größe der kohärent streuenden Bereiche (Kristallite), nicht unbedingt die Korngröße.
Beispiel
Cu-Kα1; 2θ = 44,5°; gemessene Halbwertsbreite 0,55°; Gerätebreite 0,08° (Gauß-Profil: β = √(0,55² − 0,08²) = 0,5442° = 0,009497 rad); K = 0,9: D = 0,9 × 0,15406/(0,009497 × cos 22,25°) = 15,8 nm.

Begriffe Scherrer-Gleichung XRD (Röntgenbeugung)

Quelle: Cullity (3. Aufl.) Kap. 5

β cosθ = Kλ/D + 4ε sinθ[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
βReflexbreite (Halbwertsbreite nach Abzug der Gerätebreite)rad
θBragg-Winkelrad
KScherrer-Konstante1
λWellenlängem
DKristallitgrößem
εinhomogene Gitterdehnung (Mikrodehnung)1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Setzt voraus, dass die Verbreiterung durch die Größe (1/cosθ) und durch die Dehnung (tanθ) beide Lorentz-förmig sind und sich einfach addieren. Man trägt β cosθ über 4 sinθ auf: Der Achsenabschnitt liefert D, die Steigung ε. Bei elastisch stark anisotropen Werkstoffen streuen die Punkte; dann verwendet man das modifizierte W-H-Verfahren.
Typische Fehler
Über sinθ auftragen und vergessen, die Steigung durch 4 zu teilen (4ε statt ε). D angeben, obwohl der Achsenabschnitt negativ oder nahe null ist (keine messbare Größenverbreiterung).
Beispiel
Mit den fünf Ni-Reflexen aus dem Beispiel der XRD-Analyse-Werkbank (2θ = 44,5°–98,4°; Gerätebreite 0,08° als Gauß-Profil abgezogen) ergibt die Ausgleichsgerade von β cosθ über 4 sinθ den Achsenabschnitt 6,924 × 10⁻³ rad und die Steigung ε = 1,50 × 10⁻³ (= 0,150 %). D = Kλ/Achsenabschnitt = 0,9 × 0,15406/6,924 × 10⁻³ = 20,0 nm.

Begriffe Scherrer-Gleichung

Quelle: Williamson & Hall 1953; Cullity (3. Aufl.) Kap. 5

Δ(2θ) ≈ −2 tanθ · Δd/d[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
Δ(2θ)Verschiebung der Reflexlagerad
θursprünglicher Bragg-Winkelrad
Δd/drelative Änderung des Netzebenenabstands (Gitterdehnung)1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Differenzierte Bragg-Gleichung, gültig für kleine Δd/d. Gleichmäßige Dehnung (Eigenspannungen, gelöste Atome, Wärmeausdehnung) verschiebt die Reflexe, ungleichmäßige Dehnung verbreitert sie. Bei gleichem Δd/d wächst die Verschiebung mit dem Winkel; genaue Gitterkonstanten bestimmt man daher an Reflexen bei hohen Winkeln.
Typische Fehler
Vorzeichen: Ein aufgeweitetes Gitter verschiebt 2θ zu kleineren Werten. Das Ergebnis ist im Bogenmaß (für Grad × 180/π). 2θ statt θ einsetzen. Auch ein Höhenfehler der Probe (Nullpunktfehler) verschiebt die Reflexe.
Beispiel
Cu (111) (2θ = 43,32°; θ = 21,66°), Gitter um 0,1 % aufgeweitet (Δd/d = 1,0 × 10⁻³): Δ(2θ) ≈ −2 × 1,0 × 10⁻³ × tan 21,66° = −7,94 × 10⁻⁴ rad = −0,0455° (Verschiebung zu kleineren Winkeln).

Begriffe Bragg-Gleichung

Quelle: Cullity (3. Aufl.) Kap. 3

Vegardsche Regel

a = (1 − x)aA + x aB[m]

SymbolBedeutungSI-Einheit
aGitterkonstante des Mischkristallsm
xStoffmengenanteil (Atomanteil) von B1
aA, aBGitterkonstanten der reinen Stoffe A und B (gleiche Struktur)m

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Erfahrungsregel für lückenlose Mischkristallreihen gleicher Kristallstruktur. Viele Legierungen weichen davon ab (nach oben oder unten gekrümmt); für eine genaue Bestimmung der Zusammensetzung verwendet man den gemessenen Zusammenhang des jeweiligen Systems. x ist ein Stoffmengenanteil, nicht wt%.
Typische Fehler
Für x wt% verwenden. Gitterkonstanten von Phasen mit unterschiedlicher Struktur verwenden.
Beispiel
Mischkristall aus Si (a = 0,54306 nm) und Ge (a = 0,56574 nm), gemessen a = 0,5500 nm: xGe = (0,5500 − 0,54306)/(0,56574 − 0,54306) = 0,306. Si–Ge weicht leicht nach unten von der Vegardschen Regel ab; für genaue Zusammensetzungen verwendet man eine korrigierte Beziehung.

Begriffe Mischkristallverfestigung

Quelle: Cullity (3. Aufl.) Kap. 13

Zustandsdiagramme 9

F = C − P + 2[1]

F = C − P + 1konstanter Druck (kondensierte Systeme)[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
FZahl der Freiheitsgrade (intensive Variablen, die sich im Gleichgewicht unabhängig ändern lassen)1
CZahl der Komponenten1
PZahl der koexistierenden Phasen1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Nur im Gleichgewicht. Zustandsdiagramme von Metallen und Keramiken gelten meist für konstanten Druck; dann verwendet man die Form mit +1. Die Mengen der Phasen zählen nicht zu den Freiheitsgraden.
Typische Fehler
Gefügebestandteile (z. B. Perlit) als Phasen zählen. Für ein Diagramm bei konstantem Druck +2 verwenden. Die Regel auf Nichtgleichgewichtsgefüge (Martensit) anwenden.
Beispiel
Eutektischer Punkt von Pb–Sn bei konstantem Druck (C = 2; Phasen α, β und Schmelze, P = 3): F = 2 − 3 + 1 = 0, Temperatur und alle drei Zusammensetzungen liegen fest (183 °C). Im Zweiphasengebiet ist F = 1 (legt man die Temperatur fest, sind beide Zusammensetzungen bestimmt). Tripelpunkt des Wassers (Druck variabel, C = 1, P = 3): F = 1 − 3 + 2 = 0.

Begriffe Gibbssche Phasenregel Eutektische Reaktion

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 9; Porter (3. Aufl.) Kap. 1

Hebelgesetz

Wα = (Cβ − C₀)/(Cβ − Cα)[1]

Wβ = (C₀ − Cα)/(Cβ − Cα) = 1 − Wα[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
Wα, WβMassenanteile der Phasen α und β1
C₀Zusammensetzung der Legierung insgesamt (wt%)1
Cα, CβEnden der Konode (Zusammensetzungen der Phasen bei dieser Temperatur, wt%)1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Innerhalb eines Zweiphasengebiets im Gleichgewicht. Mit wt% erhält man Massenanteile, mit at% Stoffmengenanteile; für Volumenanteile rechnet man mit den Dichten der Phasen um. Auch die Anteile von Eutektikum oder voreutektoiden Gefügebestandteilen ergeben sich aus dem Hebelgesetz knapp über oder unter der Dreiphasenlinie.
Typische Fehler
Im Zähler den Hebelarm auf der Seite der gesuchten Phase verwenden (richtig ist der gegenüberliegende Arm). wt% und at% mischen. Die Zusammensetzung der Legierung statt des Konodenendes als Zusammensetzung einer Phase verwenden.
Beispiel
Cu–35 wt% Ni bei 1250 °C gehalten (Konodenenden CL = 31,5 wt%; Cα = 42,5 wt%): WL = (42,5 − 35)/(42,5 − 31,5) = 0,682; Wα = 0,318.

Begriffe Hebelgesetz

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 9

We = (C₀ − Cα)/(CE − Cα)untereutektisch[1]

Wα′ = (CE − C₀)/(CE − Cα)primäres α[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
WeMassenanteil des Eutektikums (Gefügebestandteil)1
Wα′Massenanteil des primären α1
C₀Zusammensetzung der Legierung (wt%)1
Cαmaximale Löslichkeit in α bei der eutektischen Temperatur (wt%)1
CEeutektische Zusammensetzung (wt%)1

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Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Knapp unter der eutektischen Temperatur nach Erstarrung im Gleichgewicht. Bei übereutektischen Legierungen ersetzt man α durch β und Cα durch Cβ. Auch das Eutektikum selbst enthält α; die Menge der Phase α insgesamt ergibt sich daher aus einem eigenen Hebelgesetz mit Cβ.
Typische Fehler
Anteile der Gefügebestandteile (Primärkristalle, Eutektikum) mit Anteilen der Phasen (α, β) verwechseln. Bei schneller Erstarrung (nahe Scheil) entsteht Eutektikum auch bei Zusammensetzungen, bei denen es im Gleichgewicht fehlt.
Beispiel
Pb–40 wt% Sn (untereutektisch) knapp unter 183 °C: Eutektikum We = (40 − 18,3)/(61,9 − 18,3) = 0,498; primäres α 0,502. Als Phasen gezählt: β = (40 − 18,3)/(97,8 − 18,3) = 0,273; α = 0,727 (einschließlich des α im Eutektikum).

Begriffe Eutektische Reaktion Hebelgesetz

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 9

WP = (C₀ − 0,022)/(0,76 − 0,022)untereutektoid[1]

Wα′ = (0,76 − C₀)/(0,76 − 0,022)untereutektoid[1]

WFe₃C′ = (C₀ − 0,76)/(6,70 − 0,76)übereutektoid[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
WPMassenanteil des Perlits1
Wα′, WFe₃C′Massenanteile von voreutektoidem Ferrit und voreutektoidem Zementit1
C₀Kohlenstoffgehalt des Stahls (wt%)1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
System Fe–Fe₃C, langsam bis knapp unter 727 °C abgekühlt. Werte: eutektoider Punkt 0,76 wt% C; Löslichkeitsgrenze des Ferrits 0,022 wt%; Fe₃C 6,70 wt% (wie im Zustandsdiagramm und in den Fragen dieser Website; manche Lehrbücher verwenden 0,77 und 6,67).
Typische Fehler
Den Anteil des voreutektoiden Ferrits mit dem des gesamten Ferrits (einschließlich des Ferrits im Perlit) verwechseln. Die Formeln für unter- und übereutektoide Stähle vertauschen. Die Formeln auf schnelle Abkühlung wie beim Härten anwenden.
Beispiel
Stahl mit 0,40 wt% C (untereutektoid) knapp unter 727 °C: Perlit WP = (0,40 − 0,022)/(0,76 − 0,022) = 0,512; voreutektoider Ferrit 0,488. Ferrit als Phase (einschließlich des Ferrits im Perlit): (6,70 − 0,40)/(6,70 − 0,022) = 0,943. Bei 1,00 wt% C (übereutektoid) beträgt der voreutektoide Zementit (1,00 − 0,76)/(6,70 − 0,76) = 0,0404.

Begriffe Eutektoide Reaktion Perlit

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 9

xB = (wB/MB)/(wA/MA + wB/MB)[1]

wB = xB MB/(xA MA + xB MB)[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
xA, xBStoffmengenanteile (× 100 ergibt at%)1
wA, wBMassenanteile (× 100 ergibt wt%)1
MA, MBmolare Massen (Atommassen)kg/mol

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Für zwei Komponenten; bei mehr Komponenten steht im Nenner die Summe über alle Komponenten. Eignet sich auch zur Kontrolle der Zusammensetzung von Verbindungen (Fe₃C: 6,70 wt% C = 25 at% C).
Typische Fehler
Die Atommassen von A und B vertauschen. wt% direkt als Verhältnis der Atomzahlen verwenden.
Beispiel
Pb–Sn-Eutektikum mit 61,9 wt% Sn (Pb 207,2 g/mol; Sn 118,71 g/mol): xSn = (61,9/118,71)/(61,9/118,71 + 38,1/207,2) = 73,9 at%.

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 4

Cs = kC₀(1 − fs)k−1[1]

CL = C₀ fLk−1[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
CsZusammensetzung des an der Phasengrenze erstarrenden Festkörpers (wt%)1
CLZusammensetzung der Schmelze (wt%)1
kVerteilungskoeffizient Cs/CL (Verhältnis von Soliduslinie zu Liquiduslinie)1
C₀Zusammensetzung der Legierung (wt%)1
fs, fLAnteile von Festkörper und Schmelze1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Keine Diffusion im Festkörper, vollständige Durchmischung der Schmelze, lokales Gleichgewicht an der Phasengrenze und konstantes k (gerade Solidus- und Liquiduslinie). Damit schätzt man Seigerungen in Gussstücken und die Menge an Eutektikum, das im Gleichgewicht nicht entstünde. Für k < 1 ist die zuletzt erstarrende Schmelze am stärksten angereichert.
Typische Fehler
fs und fL vertauschen. k als Kehrwert (Liquidus zu Solidus) ansetzen. Das Ergebnis des Hebelgesetzes im Gleichgewicht erwarten (das Gleichgewicht setzt einen homogenen Festkörper voraus).
Beispiel
Al–4 wt% Cu (Zustandsdiagramm mit geraden Linien, k = 5,65/33,2 = 0,170): Bei halber Erstarrung (fs = 0,5) hat der Festkörper an der Phasengrenze Cs = 0,170 × 4 × 0,5^(−0,830) = 1,21 wt%. Die Schmelze erreicht die eutektische Zusammensetzung 33,2 wt% bei fL = (33,2/4)^(1/(k − 1)) = 0,0781: Etwa 7,8 % erstarren als Eutektikum, obwohl im Gleichgewicht keines entstünde.

Begriffe Eutektische Reaktion

Quelle: Scheil 1942; Porter (3. Aufl.) Kap. 4

ΔGmix = ΩxA xB + RT(xA ln xA + xB ln xB)[kg·m²·s⁻²·mol⁻¹]

ΔSmix = −R(xA ln xA + xB ln xB)[kg·m²·s⁻²·K⁻¹·mol⁻¹]

Tc = Ω/(2R)obere Grenze der Mischungslücke[K]

SymbolBedeutungSI-Einheit
ΔGmixfreie Mischungsenthalpie je Mol (Gibbs-Energie)J/mol
ΔSmixideale MischungsentropieJ/(mol·K)
ΩWechselwirkungsparameter (0: ideale Lösung; positiv: Neigung zur Entmischung)J/mol
xA, xBStoffmengenanteile1
RGaskonstanteJ/(mol·K)
TTemperaturK
Tckritische TemperaturK

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Statistische Verteilung der Atome, wobei sich nur die Mischungswärme als ΩxA xB schreiben lässt (reguläre Lösung). Für Ω > 2RT hat ΔGmix zwei Minima, und es kommt zur Entmischung in zwei Phasen (Mischungslücke, spinodale Entmischung).
Typische Fehler
log₁₀ statt ln verwenden. T in °C einsetzen. Das Minuszeichen von ΔSmix vergessen (ΔSmix ist positiv).
Beispiel
Ideale Lösung (Ω = 0), xB = 0,5; T = 1000 K: ΔGmix = RT(0,5 ln 0,5 × 2) = −5763 J/mol; ΔSmix = 5,763 J/(mol·K). Mit Ω = 20 kJ/mol beginnt die Entmischung in zwei Phasen unterhalb der kritischen Temperatur Tc = Ω/(2R) = 1203 K.

Begriffe Reguläre Lösung Mischungsentropie Spinodale Entmischung

Quelle: Porter (3. Aufl.) Kap. 1

ΔGv = Lv ΔT/Tm[kg·m⁻¹·s⁻²]

r* = 2γ/ΔGv = 2γTm/(Lv ΔT)[m]

ΔG* = 16πγ³/(3ΔGv²)[kg·m²·s⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
ΔGvTriebkraft je Volumeneinheit (Betrag)J/m³
LvSchmelzwärme je Volumeneinheit (positiver Wert)J/m³
ΔTUnterkühlung Tm − TK
TmSchmelztemperaturK
γGrenzflächenenergie fest–flüssigJ/m²
r*kritischer Keimradiusm
ΔG*Keimbildungsbarriere (Arbeit zur Bildung des kritischen Keims)J

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Kugelförmiger Keim, isotrope Grenzflächenenergie, kleines ΔT (ΔGv nahe Tm linear angenähert). Bei heterogener Keimbildung wird ΔG* mit der Funktion des Benetzungswinkels S(θ) = (2 + cosθ)(1 − cosθ)²/4 multipliziert und damit kleiner.
Typische Fehler
Unterschiedliche Vorzeichenkonventionen (Callister setzt ΔHf negativ an: r* = −2γTm/(ΔHf ΔT)). Die Schmelzwärme je Mol unverändert verwenden (durch das Molvolumen teilen). r* und Durchmesser verwechseln.
Beispiel
Reines Gold (Schmelzwärme Lv = 1,16 × 10⁹ J/m³; γ = 0,132 J/m²; Tm = 1337 K), um ΔT = 230 K unterkühlt: r* = 2 × 0,132 × 1337/(1,16 × 10⁹ × 230) = 1,32 nm; ΔG* = 9,68 × 10⁻¹⁹ J (dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 10 von Callister).

Begriffe Kritischer Keimradius

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 10; Porter (3. Aufl.) Kap. 4

y = 1 − exp(−ktⁿ)[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
yumgewandelter Anteil1
kGeschwindigkeitskonstante (temperaturabhängig; die Einheit hängt von n ab)s⁻ⁿ
tZeits
nAvrami-Exponent (1–4, je nach Art von Keimbildung und Wachstum)1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: ktⁿ

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Isotherme Umwandlungen durch regellose Keimbildung und Wachstum (Rekristallisation, Perlitumwandlung usw.). Trägt man log(ln(1/(1 − y))) über log t auf, ist die Steigung n. Die Umwandlungsgeschwindigkeit wird oft als 1/t₀.₅ angegeben.
Typische Fehler
Für k die Einheit s⁻¹ annehmen (sie hängt von n ab). Die Gleichung unverändert auf eine Abkühlung mit veränderlicher Temperatur anwenden.
Beispiel
Mit n = 3 und der Halbwertszeit der Umwandlung t₀.₅ = 100 s ist k = ln 2/t₀.₅³ = 6,93 × 10⁻⁷ s⁻³. Nach 150 s ist y = 1 − exp(−k × 150³) = 0,904.

Begriffe Rekristallisation Perlit

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 10; Porter (3. Aufl.) Kap. 5

Diffusion und Gitterfehler 10

D = D₀ exp(−Q/(RT))[m²·s⁻¹]

ln D = ln D₀ − (Q/R)(1/T)Arrhenius-Diagramm (Steigung −Q/R)[1]

Q = R ln(D₂/D₁)/(1/T₁ − 1/T₂)aus zwei Messpunkten[kg·m²·s⁻²·mol⁻¹]

SymbolBedeutungSI-Einheit
DDiffusionskoeffizientm²/s
D₀Frequenzfaktor (präexponentieller Faktor; temperaturunabhängige Konstante)m²/s
QAktivierungsenergie je Mol (je Atom: R durch k ersetzen)J/mol
RGaskonstante 8,314J/(mol·K)
Tabsolute TemperaturK

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: Q/RT

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Innerhalb eines Temperaturbereichs, in dem ein einziger Mechanismus (z. B. Volumendiffusion) bestimmend ist. Bei tiefen Temperaturen wirkt Diffusion entlang von Korngrenzen und Versetzungen, und das Arrhenius-Diagramm knickt ab. Über magnetische Umwandlungen oder Phasenumwandlungen hinweg (Fe) ändern sich D₀ und Q.
Typische Fehler
T in °C einsetzen. Q in kJ/mol durch R in J/(mol·K) teilen (Faktor 1000). eV/Atom und kJ/mol verwechseln (1 eV/Atom = 96,49 kJ/mol). Steigungen mit ln und log₁₀ verwechseln (mit log₁₀ ist die Steigung −Q/(2,303R)).
Beispiel
Kohlenstoff in γ-Fe (D₀ = 2,3 × 10⁻⁵ m²/s; Q = 148 kJ/mol) bei 1000 °C = 1273,15 K: Q/RT = 13,98; D = 1,95 × 10⁻¹¹ m²/s. Umgekehrt ergeben D = 5,92 × 10⁻¹² bei 900 °C und 5,39 × 10⁻¹¹ m²/s bei 1100 °C wieder Q = R ln(D₂/D₁)/(1/T₁ − 1/T₂) = 148,0 kJ/mol. Je Atom ist Q/NA = 1,53 eV.

Begriffe Diffusionskoeffizient

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 5; Shewmon (2. Aufl.) Kap. 2

J = −D dC/dx[kg·m⁻²·s⁻¹]

J ≈ D(C₁ − C₂)/(x₂ − x₁)linearer Konzentrationsverlauf[kg·m⁻²·s⁻¹]

SymbolBedeutungSI-Einheit
JDiffusionsstromdichte (Menge je Flächen- und Zeiteinheit)kg/(m²·s)
DDiffusionskoeffizientm²/s
CKonzentration (auch mol/m³ oder Atome/m³ möglich; die Einheit von J ändert sich entsprechend)kg/m³
xOrtm

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Stationärer Zustand, in dem sich das Konzentrationsprofil nicht mit der Zeit ändert (z. B. Permeation von Wasserstoff durch eine Membran), mit konzentrationsunabhängigem D. Der Strom fließt von hoher zu niedriger Konzentration (Minuszeichen).
Typische Fehler
mm nicht in m umrechnen. Mit wt% rechnen (in Menge je Volumen umrechnen). Das Gesetz auf instationäre Aufgaben anwenden.
Beispiel
Stahlplatte bei 700 °C mit 1,2 kg/m³ Kohlenstoff in 5 mm und 0,8 kg/m³ in 10 mm Tiefe, D = 3 × 10⁻¹¹ m²/s (stationär): J = 3 × 10⁻¹¹ × (1,2 − 0,8)/(5 × 10⁻³) = 2,4 × 10⁻⁹ kg/(m²·s) (dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 5 von Callister).

Begriffe Ficksche Gesetze Diffusionskoeffizient

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 5

∂C/∂t = D ∂²C/∂x²[kg·m⁻³·s⁻¹]

∂C/∂t = ∂/∂x(D ∂C/∂x)D abhängig von C[kg·m⁻³·s⁻¹]

∂C/∂t = ∇·(D∇C)dreidimensional[kg·m⁻³·s⁻¹]

SymbolBedeutungSI-Einheit
CKonzentrationkg/m³
tZeits
DDiffusionskoeffizientm²/s
xOrtm

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Allgemeine Gleichung, wenn sich das Konzentrationsprofil mit der Zeit ändert. Die Lösung hängt von den Randbedingungen ab: erfc für einen halbunendlichen Körper mit konstanter Oberflächenkonzentration, Gauß-Verteilung für eine feste Menge an der Oberfläche, erf für ein Diffusionspaar, Fourier-Reihen oder numerische Verfahren für eine Platte endlicher Dicke. Bei konzentrationsabhängigem D (Interdiffusion) braucht man die zweite Form.
Typische Fehler
Die erste Form mit vor die Ableitung gezogenem D verwenden, obwohl sich D stark ändert. Zwischen erfc- und Gauß-Lösung wählen, ohne die Randbedingungen zu prüfen.
Beispiel
Die Zeit, um Konzentrationsunterschiede über L = 50 µm (z. B. den Dendritenarmabstand) mit D = 1 × 10⁻¹³ m²/s auszugleichen, liegt in der Größenordnung L²/D = 2,5 × 10⁴ s (etwa 6,9 h). Nach der Form der Gleichung braucht die doppelte Strecke die vierfache Zeit.

Begriffe Ficksche Gesetze

Quelle: Crank (2. Aufl.) Kap. 2; Callister (10. Aufl.) Kap. 5

(Cx − C₀)/(Cs − C₀) = 1 − erf(x/(2√(Dt)))konstante Oberflächenkonzentration[1]

C(x, t) = (CA + CB)/2 − ((CA − CB)/2) erf(x/(2√(Dt)))Diffusionspaar (Grenzfläche bei x = 0)[kg·m⁻³]

SymbolBedeutungSI-Einheit
CxKonzentration in der Tiefe x zur Zeit tkg/m³
C₀gleichmäßige Anfangskonzentrationkg/m³
CsOberflächenkonzentration (konstant)kg/m³
CA, CBAnfangskonzentrationen links (x < 0) und rechts im Diffusionspaarkg/m³
xAbstand von der Oberfläche (Grenzfläche)m
DDiffusionskoeffizient (konstant)m²/s
tZeits

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: x/(2√(Dt))

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Halbunendlicher Körper (Diffusionslänge √(Dt) viel kleiner als die Dicke), konstantes D, konstante Oberflächenkonzentration (bzw. konstante Konzentrationen weit beiderseits der Grenzfläche eines Diffusionspaars). Da die Gleichung ein Verhältnis enthält, kann man die Kohlenstoffgehalte beim Aufkohlen auch in wt% einsetzen.
Typische Fehler
erf und erfc (= 1 − erf) verwechseln. Die 2 in 2√(Dt) vergessen. Die Zeit in Stunden einsetzen. Cs − Cx als Nenner des Verhältnisses verwenden.
Beispiel
Ein Stahl mit 0,25 wt% C wird bei 950 °C (D = 1,10 × 10⁻¹¹ m²/s; dieselben Daten wie im Simulator für Diffusion und Oberflächenbehandlung) mit 1,20 wt% an der Oberfläche aufgekohlt, bis in 0,5 mm Tiefe 0,80 wt% erreicht sind: (0,80 − 0,25)/(1,20 − 0,25) = 0,5789 = 1 − erf z, also erf z = 0,4211; z = 0,3924; t = x²/(4z²D) = 3,69 × 10⁴ s = 10,2 h. Im Diffusionspaar ist an der Stelle x = √(Dt) (z = 0,5) C = (CA + CB)/2 − (CA − CB)/2 × erf 0,5, also ein Wert, der von CA aus um das 0,760-Fache der Differenz CA − CB in Richtung CB verschoben ist.

Begriffe Aufkohlen Ficksche Gesetze Diffusionskoeffizient

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 5; Crank (2. Aufl.) Kap. 2

x ∝ √(Dt)[m]

D₁t₁ = D₂t₂gleiches Konzentrationsprofil[m²]

t₂ = t₁ exp[(Q/R)(1/T₂ − 1/T₁)]bei geänderter Temperatur[s]

SymbolBedeutungSI-Einheit
xTiefe, in der eine bestimmte Konzentration erreicht wirdm
DDiffusionskoeffizientm²/s
tZeits
QAktivierungsenergieJ/mol
RGaskonstanteJ/(mol·K)
T₁, T₂TemperaturenK

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Bei gleichen Randbedingungen (z. B. gleicher Oberflächenkonzentration), wenn das Konzentrationsprofil wie bei der Fehlerfunktions- oder der Gauß-Lösung nur von x/√(Dt) abhängt. Für die doppelte Tiefe braucht man die vierfache Zeit.
Typische Fehler
Die Tiefe proportional zur Zeit ansetzen (die Wurzel vergessen). Bei der Umrechnung T₁ und T₂ vertauschen (bei höherer Temperatur ist die Zeit kürzer).
Beispiel
Cu in Al (D₀ = 6,5 × 10⁻⁵ m²/s; Q = 136 kJ/mol): D = 4,22 × 10⁻¹⁴ bei 500 °C und 4,75 × 10⁻¹³ m²/s bei 600 °C. Um dieselbe Tiefe wie nach 10 h bei 500 °C zu erreichen, braucht man bei 600 °C t = 10 h × D₅₀₀/D₆₀₀ = 0,887 h. Für 10 h bei 500 °C ist √(Dt) = 39,0 µm.

Begriffe Diffusionskoeffizient

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 5

C(x, t) = M/√(πDt) · exp(−x²/(4Dt))[m⁻³]

xj = √(4Dt ln(C(0, t)/CB))Übergangstiefe[m]

SymbolBedeutungSI-Einheit
CKonzentration (Teilchenzahldichte; auch kg/m³ möglich)m⁻³
Manfangs an der Oberfläche aufgebrachte Menge je Flächeneinheit (bleibt erhalten)m⁻²
DDiffusionskoeffizientm²/s
tZeits
xTiefe unter der Oberflächem
xjTiefe, in der C gleich der Grundkonzentration CB istm
CBGrundkonzentration (Substrat)m⁻³

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: x²/(4Dt)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Eine feste, anfangs dünn an der Oberfläche aufgebrachte Menge M, die weder zu- noch abnimmt (kein Strom durch die Oberfläche) und sich in einen halbunendlichen Körper ausbreitet: Eintreiben (Drive-in) in der Halbleitertechnik, Tracerdiffusion. Für eine dünne Schicht im Inneren eines unendlichen Körpers, die sich nach beiden Seiten ausbreitet, gilt M/(2√(πDt)).
Typische Fehler
Die Vorfaktoren für den halbunendlichen und den unendlichen Körper verwechseln (1/√(πDt) und 1/(2√(πDt))). cm und m verwechseln (10¹⁴ cm⁻² = 10¹⁸ m⁻²; 1 cm²/s = 10⁻⁴ m²/s).
Beispiel
Bor in Si (D₀ = 0,76 cm²/s; Ea = 3,46 eV), 1 h bei 1100 °C eingetrieben (D = 1,52 × 10⁻¹⁷ m²/s), Menge M = 5 × 10¹⁸ m⁻² (5 × 10¹⁴ cm⁻²): Oberflächenkonzentration M/√(πDt) = 1,21 × 10²⁵ m⁻³. Die Tiefe, in der die Konzentration der Grundkonzentration 10²¹ m⁻³ gleich ist (Übergangstiefe), beträgt xj = √(4Dt ln(C(0)/CB)) = 1,43 µm.

Begriffe Ficksche Gesetze

Quelle: Crank (2. Aufl.) Kap. 3; Sze (3. Aufl.)

Cin+1 = Cin + r(Ci+1n − 2Cin + Ci−1n)[kg·m⁻³]

r = DΔt/Δx² ≤ 1/2Stabilitätsbedingung[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
CinKonzentration am Gitterpunkt i zum Zeitschritt nkg/m³
rGitter-Fourier-Zahl1
DDiffusionskoeffizientm²/s
ΔtZeitschritts
ΔxGitterabstandm

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Löst das 2. Ficksche Gesetz in einer Dimension bei konstantem D mit Vorwärtsdifferenz in der Zeit und zentraler Differenz im Ort. Für r > 1/2 schwingt die Lösung und divergiert. Verwendet für Bedingungen ohne analytische Lösung (Platten endlicher Dicke, veränderliche Oberflächenkonzentration usw.).
Typische Fehler
Das Gitter verfeinern, ohne Δt zu verkleinern (bei halbem Δx braucht man ein Viertel von Δt).
Beispiel
D = 1 × 10⁻¹¹ m²/s; Δx = 10 µm: Δt ≤ Δx²/(2D) = 5,0 s. Der Simulator für Diffusion und Oberflächenbehandlung rechnet mit Sicherheitsabstand mit r = 0,4 (Δt = 4,0 s).

Begriffe Ficksche Gesetze

Quelle: Crank (2. Aufl.) Kap. 8

Nv = N exp(−Qv/(kT))[m⁻³]

N = NA ρ/A[m⁻³]

SymbolBedeutungSI-Einheit
NvGleichgewichtszahl der Leerstellen je Volumenm⁻³
NZahl der Atomplätze je Volumenm⁻³
QvBildungsenergie einer Leerstelle (je Leerstelle; oft in eV angegeben)J
kBoltzmann-Konstante (8,617 × 10⁻⁵ eV/K)J/K
Tabsolute TemperaturK
NAAvogadro-Konstantemol⁻¹
ρDichtekg/m³
Amolare Massekg/mol

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: Qv/kT

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Leerstellen im thermischen Gleichgewicht; der Faktor der Bildungsentropie exp(Sv/k) (etwa 1–10) ist weggelassen. In abgeschreckten Proben bleiben die Leerstellen der hohen Temperatur erhalten.
Typische Fehler
Qv in eV durch k in J/K teilen (k in eV/K verwenden). T in °C einsetzen. Den Faktor 10⁶ bei der Umrechnung von ρ in g/cm³ auf m⁻³ vergessen.
Beispiel
Cu bei 1000 °C (ρ = 8,4 g/cm³; A = 63,5 g/mol; Qv = 0,9 eV): N = NA ρ/A = 7,97 × 10²⁸ m⁻³; Qv/kT = 8,203; Nv = 2,2 × 10²⁵ m⁻³ (dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 4 von Callister). Auf 3653 Atome kommt eine Leerstelle.

Begriffe Leerstelle

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 4

|b| = (a/n)√(u² + v² + w²)b = (a/n)[uvw][m]

|b| = a/√2FCC a/2⟨110⟩[m]

|b| = √3a/2BCC a/2⟨111⟩[m]

SymbolBedeutungSI-Einheit
bBetrag des Burgersvektorsm
aGitterkonstantem
nNenner des Vorfaktors (bei vollständigen Versetzungen in FCC und BCC 2)1
u, v, wRichtungsindizes1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Bei vollständigen Versetzungen ist b die kürzeste Gittertranslation zwischen nächsten Nachbaratomen (FCC a/2⟨110⟩, BCC a/2⟨111⟩, HCP a/3⟨11−20⟩ mit |b| = a). Die Shockley-Partialversetzung a/6⟨112⟩ im FCC-Gitter hat |b| = a/√6.
Typische Fehler
Den Faktor 1/2 in a/2⟨110⟩ vergessen und √2a erhalten. Die Richtungen für BCC und FCC vertauschen.
Beispiel
FCC-Cu (a = 0,36146 nm), a/2⟨110⟩: |b| = a/√2 = 0,2556 nm (gleich dem Abstand nächster Nachbarn). BCC-Fe (a = 0,28665 nm), a/2⟨111⟩: |b| = √3a/2 = 0,2482 nm.

Begriffe Burgersvektor Versetzung

Quelle: Hull & Bacon (5. Aufl.) Kap. 1; Callister (10. Aufl.) Kap. 7

NA = N₀ · 2G−1[m⁻²]

ℓ̄ = ℓ₀ · 2−G/2[m]

SymbolBedeutungSI-Einheit
NAZahl der Körner je Flächeneinheit in Originalgrößem⁻²
N₀15,50 mm⁻² (entspricht 1 Korn je Quadratzoll bei 100-facher Vergrößerung)m⁻²
GASTM-Korngrößenkennzahl1
ℓ̄mittlere Sehnenlänge (Linienschnittverfahren)m
ℓ₀0,320 mm (Sehnenlänge bei G = 0)m

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Umrechnungen nach ASTM E112. Die ursprüngliche Definition ist N = 2G−1 (Zahl der Körner je Quadratzoll im Bild bei 100-facher Vergrößerung). JIS G 0551 (ISO 643) verwendet m = 8 × 2G je mm², was für dasselbe Gefüge eine um etwa 0,05 kleinere Kennzahl ergibt. Die Umrechnung der Korngröße in einen Durchmesser (etwa d ≈ ℓ̄) ist eine Konvention.
Typische Fehler
Eine größere Kennzahl bedeutet feinere Körner. Zählungen aus Bildern mit anderer als 100-facher Vergrößerung direkt verwenden (auf Originalgröße umrechnen).
Beispiel
Korngrößenkennzahl G = 6: bei 100-facher Vergrößerung 2⁵ = 32 Körner je Quadratzoll, in Originalgröße NA = 15,50 × 32 = 496 mm⁻². Mittlere Sehnenlänge ℓ̄ = 0,3200 × 2^(−3) = 40,0 µm.

Begriffe Hall-Petch-Beziehung

Quelle: ASTM E112

Mechanische Eigenschaften 10

σ = F/A₀[kg·m⁻¹·s⁻²]

ε = Δl/l₀[1]

σ = Eε[kg·m⁻¹·s⁻²]

Δl = Fl₀/(A₀E)Verlängerung eines Stabs[m]

SymbolBedeutungSI-Einheit
σtechnische Spannung (Nennspannung)Pa
FKraftN
A₀Anfangsquerschnitt (beim Rundstab πd²/4)m²
εtechnische Dehnung1
Δl, l₀Verlängerung und Anfangslängem
EElastizitätsmodulPa

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Linear-elastisches Verhalten (unterhalb der Proportionalitätsgrenze), kleine Dehnungen, einachsiger Zug oder Druck eines Stabs mit gleichbleibendem Querschnitt. Nach dem Fließbeginn gilt die Formel nicht mehr. Bei Stäben mit wechselndem Querschnitt berechnet man die Verlängerung abschnittsweise und addiert sie.
Typische Fehler
Den Durchmesser als Radius verwenden (πd² ist viermal zu groß). MPa und GPa verwechseln (N/mm² und kN/mm²). Die Formel bei Lasten oberhalb der Streckgrenze verwenden.
Beispiel
Ein Cu-Stab wird mit σ = 276 MPa gezogen (l₀ = 305 mm; E = 110 GPa; elastisch): ε = 276/110000 = 2,51 × 10⁻³; Δl = εl₀ = 0,765 mm. Bei einem Stab mit 10 mm Durchmesser ist F = σA = 276 × 78,54 = 21,68 kN.

Begriffe Elastizitätsmodul (E-Modul)

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 6

ν = −εx/εz[1]

Δd = −νεz d₀Durchmesseränderung[m]

SymbolBedeutungSI-Einheit
νQuerkontraktionszahl (Metalle 0,26–0,35; Gummi nahe 0,5)1
εzDehnung in Lastrichtung1
εxQuerdehnung1
d₀, ΔdAnfangsdurchmesser und seine Änderungm

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Isotropes, linear-elastisches Verhalten. Bei plastischer Verformung bleibt das Volumen nahezu konstant, sodass sich das scheinbare Verhältnis 0,5 nähert.
Typische Fehler
Vorzeichen (unter Zug nimmt der Durchmesser ab). Die Durchmesseränderung als Radiusänderung behandeln.
Beispiel
Kraft, die den Durchmesser eines Messingstabs (d₀ = 10 mm; ν = 0,34; E = 97 GPa) um 2,5 µm verringert: εx = −2,5 × 10⁻⁴; εz = −εx/ν = 7,35 × 10⁻⁴; σ = Eεz = 71,3 MPa; F = σπd₀²/4 = 5602 N (dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 6 von Callister).

Begriffe Elastizitätsmodul (E-Modul)

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 6

G = E/(2(1 + ν))[kg·m⁻¹·s⁻²]

K = E/(3(1 − 2ν))[kg·m⁻¹·s⁻²]

εx = [σx − ν(σy + σz)]/Everallgemeinertes Hookesches Gesetz[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
EElastizitätsmodulPa
GSchubmodul (Gleitmodul)Pa
KKompressionsmodulPa
νQuerkontraktionszahl1
σx, σy, σzNormalspannungenPa
εxDehnung in x-Richtung1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Nur für isotrope Körper (zwei unabhängige Konstanten). Gilt nicht für anisotrope Körper wie Einkristalle oder faserverstärkte Werkstoffe. Bei Wärmedehnung addiert man αΔT. Für ν → 0,5 geht K → ∞ (inkompressibel).
Typische Fehler
Die Beziehungen auf anisotrope Werkstoffe anwenden (Si-Wafer, CFK). Weicht ein gemessener Tabellenwert G von E/(2(1 + ν)) ab, liegt das an Textur oder unterschiedlichen Messverfahren.
Beispiel
Al (E = 69 GPa; ν = 0,33): G = 69/(2 × 1,33) = 25,9 GPa; K = 69/(3 × 0,34) = 67,6 GPa. Stahlblech (E = 200 GPa; ν = 0,30) unter gleichmäßig zweiachsigem Zug σx = σy = 100 MPa: εx = (100 − 0,30 × 100)/200000 = 3,5 × 10⁻⁴; εz = −0,30 × 200/200000 = −3,0 × 10⁻⁴.

Begriffe Elastizitätsmodul (E-Modul)

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 6; Dowling (4. Aufl.) Kap. 5

σT = F/Ai = σ(1 + ε)[kg·m⁻¹·s⁻²]

εT = ln(li/l₀) = ln(1 + ε)[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
σTwahre SpannungPa
Aimomentaner Querschnittm²
FKraftN
σtechnische SpannungPa
εtechnische Dehnung1
εTwahre Dehnung (Umformgrad)1
li, l₀momentane Länge und Anfangslängem

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Die Formen mit (1 + ε) setzen konstantes Volumen voraus und gelten nur bis zum Beginn der Einschnürung (Gleichmaßdehnung). Nach der Einschnürung verwendet man σT = F/Ai mit dem tatsächlich gemessenen kleinsten Querschnitt (dazu kommt noch die Korrektur der Mehrachsigkeit nach Bridgman).
Typische Fehler
σ(1 + ε) auch nach der Einschnürung verwenden. Bei Druck ist ε negativ und σT kleiner. Die wahre Dehnung mit log₁₀ berechnen.
Beispiel
Technische Spannung 400 MPa bei einer technischen Dehnung von 0,20 (vor der Einschnürung): σT = 400 × 1,20 = 480 MPa; εT = ln 1,20 = 0,182.

Begriffe Kaltverfestigung

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 6

%EL = (lf − l₀)/l₀ × 100[1]

%RA = (A₀ − Af)/A₀ × 100[1]

εT,f = ln(A₀/Af)wahre Bruchdehnung[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
%ELBruchdehnung (%)1
%RABrucheinschnürung (Querschnittsabnahme, %)1
lf, l₀Messlänge nach dem Bruch und Anfangsmesslängem
Af, A₀Querschnitt an der Bruchstelle und Anfangsquerschnittm²
εT,fwahre Bruchdehnung1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
%EL hängt von der Messlänge ab (der Anteil des Einschnürbereichs ist unterschiedlich); man gibt daher die Probennorm an (z. B. japanische Norm JIS 14A, ASTM mit 50 mm). %RA hängt nicht von der Messlänge ab.
Typische Fehler
Die Brucheinschnürung aus dem Verhältnis der Durchmesser berechnen (die Fläche geht mit dem Quadrat). Die wahre Bruchspannung mit dem Anfangsquerschnitt berechnen.
Beispiel
Eine Stahlprobe mit 12,8 mm Durchmesser bricht bei einer technischen Spannung von 460 MPa; der Durchmesser an der Bruchstelle beträgt 10,7 mm: %RA = (128,7 − 89,9)/128,7 × 100 = 30,1 %; wahre Bruchdehnung ln(A₀/Af) = 0,358; wahre Bruchspannung = 460 × A₀/Af = 658 MPa (dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 6 von Callister).

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 6

σT = KεTⁿ[kg·m⁻¹·s⁻²]

εT = nBeginn der Einschnürung (Considère)[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
σTwahre SpannungPa
KFestigkeitskoeffizientPa
εTwahre (plastische) Dehnung1
nVerfestigungsexponent (0,1–0,5)1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Gleichmäßige plastische Verformung zwischen Fließbeginn und Einschnürung. n und K bestimmt man in dem Bereich, in dem die doppelt logarithmische Auftragung eine Gerade ergibt. Aus der Einschnürbedingung dσT/dεT = σT folgt εT = n.
Typische Fehler
Mit technischer Spannung und Dehnung anpassen. Annehmen, n hänge davon ab, ob man log₁₀ oder ln verwendet (als Verhältnis ist es dasselbe).
Beispiel
Eine Legierung mit K = 1035 MPa zeigt bei einer wahren Dehnung von 0,10 eine wahre Spannung von 415 MPa: n = ln(415/1035)/ln 0,10 = 0,40. Die Einschnürung beginnt bei εT = n ≈ 0,40.

Begriffe Kaltverfestigung

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 6; Dowling (4. Aufl.) Kap. 15

Ur = σy²/(2E)[kg·m⁻¹·s⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
UrResilienzmodul (bis zur Streckgrenze je Volumen gespeicherte elastische Energie)J/m³
σyStreckgrenzePa
EElastizitätsmodulPa

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Linear-elastisch bis zur Streckgrenze. Für Federn wählt man Werkstoffe mit großem Ur (hohe Streckgrenze σy, niedriger E-Modul). Nicht dasselbe wie die Zähigkeit (Fläche bis zum Bruch).
Typische Fehler
Übersehen, dass 1 J/m³ = 1 Pa ist. Mit der Zähigkeit verwechseln.
Beispiel
Stahl mit σy = 350 MPa und E = 207 GPa: Ur = (350 × 10⁶)²/(2 × 207 × 10⁹) = 2,96 × 10⁵ J/m³ (= 296 kJ/m³).

Begriffe 0,2-%-Dehngrenze (Rp0,2) Elastizitätsmodul (E-Modul)

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 6

σy = σ₀ + ky d−1/2[kg·m⁻¹·s⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
σyStreckgrenzePa
σ₀Reibspannung (Wert ohne Korngrenzen)Pa
kyHall-Petch-KonstantePa·√m
dmittlerer Korndurchmesserm

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Vielkristalle mit Korngrößen über etwa 10 nm; feinere Körner können wieder weicher werden (inverse Hall-Petch-Beziehung). Verglichen werden geglühte Zustände mit gleicher Ausscheidung und Textur.
Typische Fehler
d in µm mit ky in MPa·√m kombinieren (in m umrechnen). Über d statt über 1/√d auftragen. Die Korngrößenkennzahl mit dem Korndurchmesser verwechseln.
Beispiel
Stahl mit σ₀ = 70 MPa und ky = 0,74 MPa·√m: Bei d = 20 µm ist σy = 70 + 0,74/√(2 × 10⁻⁵) = 235,5 MPa; bei d = 5 µm 400,9 MPa. Ein Viertel der Korngröße verdoppelt den ky-Term.

Begriffe Hall-Petch-Beziehung

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 7; Hull & Bacon (5. Aufl.) Kap. 10

τR = σ cosφ cosλ[kg·m⁻¹·s⁻²]

σy = τCRSS/(cosφ cosλ)maxFließbeginn[kg·m⁻¹·s⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
τRSchubspannung im Gleitsystem (aufgelöste Schubspannung)Pa
σZugspannungPa
φWinkel zwischen Zugachse und Normale der Gleitebenerad
λWinkel zwischen Zugachse und Gleitrichtungrad
τCRSSkritische SchubspannungPa
σyFließspannungPa

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Einkristalle unter einachsigem Zug oder Druck. Von den Gleitsystemen beginnt dasjenige mit dem größten Schmid-Faktor cosφ cosλ (höchstens 0,5) als erstes zu gleiten. In kubischen Kristallen erhält man den Kosinus aus dem Skalarprodukt der Indizes: cosφ = (Achse · Normale)/(|Achse||Normale|).
Typische Fehler
φ + λ = 90° annehmen (gilt im Allgemeinen nicht). Eine Gleitrichtung wählen, die nicht in der Gleitebene liegt. Den Sinus verwenden.
Beispiel
Ein BCC-Fe-Einkristall wird in [010] mit 52 MPa gezogen; Gleitsystem (110)[−111]: cosφ = 1/√2 = 0,7071 (φ = 45°); cosλ = 1/√3 = 0,5774 (λ = 54,7°); τR = 52 × 0,7071 × 0,5774 = 21,2 MPa. Bei einer kritischen Schubspannung von 30 MPa beträgt die Fließspannung 30/0,4082 = 73,5 MPa (dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 7 von Callister).

Begriffe Versetzung

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 7

M = E/ρsteifer Zugstab[m²·s⁻²]

M = E1/2/ρsteifer Biegebalken[kg⁻¹ᐟ²·m⁵ᐟ²·s⁻¹]

M = E1/3/ρsteife Biegeplatte[kg⁻²ᐟ³·m⁸ᐟ³·s⁻²ᐟ³]

M = σf2/3/ρfester Biegebalken[kg⁻¹ᐟ³·m⁷ᐟ³·s⁻⁴ᐟ³]

SymbolBedeutungSI-Einheit
MMaterialindex (je größer, desto leichter bei gleicher Funktion; die Einheit hängt vom Index ab)—
EElastizitätsmodulPa
σfVersagensfestigkeit (Bruch- bzw. Streckgrenze)Pa
ρDichtekg/m³

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Minimale Masse, wenn die Querschnittsabmessungen frei gewählt werden dürfen. Der Index hängt von Bauteilform, Belastungsart und den festgehaltenen Größen ab. Im Werkstoffschaubild sind die Werkstoffe oberhalb der Geraden konstanten Index (Steigungen 1; 2; 3) die Kandidaten.
Typische Fehler
Für einen Balken E/ρ verwenden (Balken: √E/ρ). Indizes mit uneinheitlichen Einheiten vergleichen.
Beispiel
Leichter, biegesteifer Balken (Index √E/ρ; E in GPa, ρ in g/cm³): Al-Legierung √70/2,70 = 3,10; Stahl √210/7,85 = 1,85. Bei gleicher Biegesteifigkeit wiegt der Al-Balken 1/1,68 des Stahlbalkens. Für einen Zugstab (E/ρ) sind beide fast gleich (25,9 und 26,8).

Begriffe Materialindex (Leistungsindex) Spezifische Steifigkeit Werkstoffschaubild (Ashby-Diagramm)

Quelle: Ashby (5. Aufl.) Kap. 5

Bruch 10

σmax = σ₀(1 + 2√(a/ρt)) ≈ 2σ₀√(a/ρt)[kg·m⁻¹·s⁻²]

Kt = σmax/σ₀[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
σmaxHöchstspannung an der Spitze des Risses (der Kerbe)Pa
σ₀Nennspannung fern vom RissPa
aTiefe eines Oberflächenrisses (bei einem inneren Riss die halbe Länge)m
ρtKrümmungsradius an der Spitzem
KtKerbformzahl (Formzahl)1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: a/ρt

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Elliptisches Loch in einer unendlich ausgedehnten Platte, senkrecht zur großen Achse auf Zug belastet, linear-elastisch. Bei scharfen Rissen (ρt → 0) wird die Spannung unendlich; dann arbeitet man mit dem Spannungsintensitätsfaktor K. Für Kt realer Bauteile verwendet man die Diagramme für die jeweilige Geometrie.
Typische Fehler
Bei einem inneren Riss die ganze Länge für a einsetzen (halbe Länge verwenden). a und ρt nicht in derselben Einheit einsetzen (mm und µm).
Beispiel
Oberflächenriss der Tiefe a = 0,5 mm mit dem Spitzenradius ρt = 5 µm unter σ₀ = 100 MPa: a/ρt = 100; Kt = 1 + 2√100 = 21,0; σmax = 2100 MPa (die Näherung 2σ₀√(a/ρt) ergibt 2000 MPa).

Begriffe Kerbformzahl (Formzahl) Griffith-Theorie

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 8; Anderson (4. Aufl.) Kap. 2

σc = √(2Eγs/(πa))ebener Spannungszustand[kg·m⁻¹·s⁻²]

σc = √(2Eγs/(π(1 − ν²)a))ebener Dehnungszustand[kg·m⁻¹·s⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
σcBruchspannungPa
EElastizitätsmodulPa
γsOberflächenenergieJ/m²
aTiefe eines Oberflächenrisses (bei einem inneren Riss die halbe Länge)m
νQuerkontraktionszahl1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Ideal spröde Werkstoffe wie Glas. In Metallen ist die plastische Arbeit γp tausendfach größer als γs; man verwendet daher die Form, in der 2γs durch Gc (Bruchzähigkeit) ersetzt ist (die Form mit KIC).
Typische Fehler
Bei Metallen nur mit γs rechnen (die Bruchspannung wird viel zu klein). Die 2 in 2γs vergessen.
Beispiel
Glasplatte (E = 69 GPa; Oberflächenenergie γs = 0,3 J/m²) unter 40 MPa Zug: größter zulässiger Oberflächenriss a = 2Eγs/(πσ²) = 8,2 µm.

Begriffe Griffith-Theorie

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 8; Anderson (4. Aufl.) Kap. 2

KI = Yσ√(πa)[kg·m⁻¹ᐟ²·s⁻²]

KI = KICBruchbedingung[kg·m⁻¹ᐟ²·s⁻²]

ac = (1/π)(KIC/(Yσ))²kritische Rissgröße[m]

SymbolBedeutungSI-Einheit
KISpannungsintensitätsfaktor (Modus I)Pa·√m
YGeometriefaktor (Mittenriss in unendlicher Platte 1,0; Oberflächenriss ≈ 1,12)1
σNennspannungPa
aTiefe eines Oberflächenrisses bzw. halbe Länge eines inneren Rissesm
KICBruchzähigkeit im ebenen DehnungszustandPa·√m
ackritische Rissgrößem

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Linear-elastische Bruchmechanik (LEBM): Die plastische Zone an der Rissspitze ist klein gegenüber Riss und Bauteilquerschnitt (Kleinbereichsfließen). Liegt die Bruchspannung nahe der Streckgrenze, fließt das Bauteil zuerst (Fließen vor Bruch). KIC ist der Wert, der bei einer Dicke für den ebenen Dehnungszustand gemessen wurde (E399).
Typische Fehler
Bei einem inneren Riss die ganze Länge für a einsetzen. a in mm unter die Wurzel setzen (für MPa·√m in m). Y stets gleich 1 annehmen.
Beispiel
Oberflächenriss (Y = 1,12) in Stahl mit KIC = 60 MPa·√m: Bei 300 MPa beträgt die kritische Risstiefe ac = (1/π)(60/(1,12 × 300))² = 10,2 mm. Mit einem 5 mm tiefen Riss ist die Bruchspannung σc = 60/(1,12√(π × 0,005)) = 427 MPa.

Begriffe Spannungsintensitätsfaktor Bruchzähigkeit Fließen vor Bruch

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 8; Anderson (4. Aufl.) Kap. 2

G = K²/Eebener Spannungszustand[kg·s⁻²]

G = K²(1 − ν²)/Eebener Dehnungszustand[kg·s⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
GEnergiefreisetzungsrate (frei werdende Energie je Flächeneinheit Rissfortschritt)J/m²
KSpannungsintensitätsfaktorPa·√m
EElastizitätsmodulPa
νQuerkontraktionszahl1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Linear-elastisch, Modus I. Der Riss wächst, wenn G ≥ Gc (die verallgemeinerte Griffith-Bedingung). Bei gemischten Modi gilt G = (KI² + KII²)(1 − ν²)/E + KIII²(1 + ν)/E.
Typische Fehler
Ebenen Spannungs- und ebenen Dehnungszustand verwechseln. K in MPa·√m einsetzen, ohne in Pa·√m umzurechnen.
Beispiel
KIC = 50 MPa·√m; E = 210 GPa; ν = 0,3 (ebener Dehnungszustand): GIC = K²(1 − ν²)/E = 10,8 kJ/m².

Begriffe Energiefreisetzungsrate

Quelle: Anderson (4. Aufl.) Kap. 2

rp = (1/(2π))(K/σy)²plastische Zone im ebenen Spannungszustand (Irwin)[m]

B, a ≥ 2,5(KIC/σy)²Gültigkeit des ebenen Dehnungszustands[m]

SymbolBedeutungSI-Einheit
rpGröße der plastischen Zone an der Rissspitzem
K, KICSpannungsintensitätsfaktor, Bruchzähigkeit im ebenen DehnungszustandPa·√m
σyStreckgrenzePa
B, aProbendicke, Risslängem

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Abschätzung erster Ordnung nach Irwin (im ebenen Dehnungszustand etwa ein Drittel). 2,5(KIC/σy)² ist die Gültigkeitsbedingung nach ASTM E399; dünnere Proben nähern sich dem ebenen Spannungszustand und zeigen eine höhere scheinbare Zähigkeit.
Typische Fehler
rp als Durchmesser behandeln. Einen an dünnem Blech gemessenen Wert als KIC bezeichnen.
Beispiel
K = 50 MPa·√m; σy = 500 MPa: plastische Zone im ebenen Spannungszustand rp = (1/2π)(50/500)² = 1,59 mm (im ebenen Dehnungszustand etwa ein Drittel). Für eine gültige KIC-Messung müssen Dicke und Risslänge mindestens 2,5(KIC/σy)² = 25,0 mm betragen.

Begriffe Bruchzähigkeit Fließen vor Bruch

Quelle: Anderson (4. Aufl.) Kap. 2; ASTM E399

da/dN = C(ΔK)m[m]

ΔK = YΔσ√(πa)[kg·m⁻¹ᐟ²·s⁻²]

Nf = [ac1−m/2 − a₀1−m/2]/[C(YΔσ√π)m(1 − m/2)]Y konstant, m ≠ 2[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
da/dNRissfortschritt je Lastwechselm
CWerkstoffkonstante (die Einheit hängt von m ab)m·(Pa·√m)⁻ᵐ
ΔKSchwingbreite des SpannungsintensitätsfaktorsPa·√m
mParis-Exponent (bei Metallen 2–4)1
ΔσSpannungsschwingbreite (der Druckanteil wird meist nicht gezählt)Pa
YGeometriefaktor1
a, a₀, acRissgröße (Anfangs-, kritische)m
NfLastwechselzahl bis zum Bruch1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Bereich II des Risswachstums: oberhalb des Schwellenwerts von ΔK, mit Kmax deutlich unterhalb von KIC. Diese Form enthält keinen Einfluss der Mittelspannung (R). Ändert sich Y mit der Risslänge, integriert man numerisch.
Typische Fehler
C verwenden, ohne zu prüfen, auf welche Einheiten es sich bezieht (MPa·√m und m?). Kmax statt ΔK einsetzen. Den Fall m = 2 mit derselben Formel integrieren (er ergibt eine logarithmische Form).
Beispiel
Δσ = 100 MPa (Druckanteil nicht gezählt); Anfangsoberflächenriss 2,0 mm; KIC = 25 MPa·√m; Y = 1,0; C = 1,0 × 10⁻¹²; m = 3 (Einheiten MPa·√m und m): kritische Risslänge ac = (1/π)(25/100)² = 19,9 mm; Nf = [ac^(−1/2) − a₀^(−1/2)]/[C(Δσ√π)³(−1/2)] = 5,48 × 10⁶ Lastwechsel (dieselben Bedingungen wie im Beispiel in Kapitel 8 von Callister).

Begriffe Paris-Gesetz Schwingstreifen Spannungsintensitätsfaktor

Quelle: Paris & Erdogan 1963; Callister (10. Aufl.) Kap. 8; Anderson (4. Aufl.) Kap. 10

σa = σf′(2Nf)bBasquin (hohe Lastwechselzahlen)[kg·m⁻¹·s⁻²]

Δε/2 = (σf′/E)(2Nf)b + εf′(2Nf)cmit Coffin-Manson (niedrige Lastwechselzahlen)[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
σaSpannungsamplitudePa
σf′SchwingfestigkeitskoeffizientPa
2NfUmkehrpunkte bis zum Bruch (doppelte Lastwechselzahl)1
bSchwingfestigkeitsexponent (−0,05 bis −0,12)1
Δε/2Dehnungsamplitude1
EElastizitätsmodulPa
εf′zyklischer Duktilitätskoeffizient1
czyklischer Duktilitätsexponent (−0,5 bis −0,7)1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Wechselbeanspruchung ohne Mittelspannung mit konstanter Amplitude an glatten Proben. Bei hohen Lastwechselzahlen überwiegt der elastische Term, unterhalb von etwa 10⁴ Lastwechseln der plastische. Mittelspannungen berücksichtigt man mit Korrekturen wie der nach Morrow, veränderliche Lasten in Kombination mit der Miner-Regel.
Typische Fehler
Umkehrpunkte 2Nf und Lastwechsel Nf verwechseln. Amplitude und Schwingbreite (Faktor 2) verwechseln.
Beispiel
Angenommene Konstanten σf′ = 1000 MPa; b = −0,09; εf′ = 0,6; c = −0,6; E = 200 GPa: Bei Nf = 10⁴ Lastwechseln ist die Dehnungsamplitude elastisch 2,05 × 10⁻³ + plastisch 1,58 × 10⁻³ = 3,63 × 10⁻³. Übergangslebensdauer, bei der elastischer und plastischer Anteil gleich sind: Nt = 5968 Lastwechsel. Eine Spannungsamplitude von 400 MPa (hohe Lastwechselzahl) ergibt nach Basquin Nf = (400/1000)^(1/b)/2 = 1,32 × 10⁴ Lastwechsel.

Begriffe Dauerfestigkeit

Quelle: Dowling (4. Aufl.) Kap. 9; Dowling (4. Aufl.) Kap. 14

σa/σe + σm/σu = 1modifiziertes Goodman-Diagramm[1]

σm = (σmax + σmin)/2Mittelspannung[kg·m⁻¹·s⁻²]

σa = (σmax − σmin)/2Spannungsamplitude[kg·m⁻¹·s⁻²]

R = σmin/σmaxSpannungsverhältnis[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
σaSpannungsamplitudePa
σmMittelspannungPa
σeDauerfestigkeit bei Wechselbeanspruchung (oder Schwingfestigkeit bei N Lastwechseln)Pa
σuZugfestigkeitPa
σmax, σminOber- und UnterspannungPa
RSpannungsverhältnis1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: σa/σe, σm/σu

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Lineare Abschätzung auf der sicheren Seite dafür, wie eine Zugmittelspannung die Schwingfestigkeit senkt. Bei duktilen Werkstoffen passt die Parabel nach Gerber ((σm/σu)²) besser zu Messwerten; ist das Fließen maßgebend, verwendet man Soderberg (σy statt σu). Druckmittelspannungen werden meist nicht angerechnet.
Typische Fehler
Die Schwingbreite als Amplitude einsetzen (halbieren). R = −1 (Wechselbeanspruchung) und R = 0 (Zugschwellbeanspruchung) verwechseln.
Beispiel
Dauerfestigkeit σe = 300 MPa (wechselnd), Zugfestigkeit σu = 800 MPa, Mittelspannung 200 MPa: zulässige Spannungsamplitude σa = 300(1 − 200/800) = 225 MPa; σmax = 200 + 225 = 425 MPa; σmin = −25 MPa; R = −0,059.

Begriffe Modifiziertes Goodman-Diagramm Dauerfestigkeit

Quelle: Dowling (4. Aufl.) Kap. 10; Callister (10. Aufl.) Kap. 8

D = Σ ni/Ni[1]

D = 1Bruch[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
DSchadenssumme1
niZahl der Lastwechsel auf Spannungsniveau i1
NiLebensdauer bei alleiniger Beanspruchung auf Niveau i1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Näherung, die den Einfluss der Lastreihenfolge vernachlässigt. Werden zuerst hohe, dann niedrige Spannungen aufgebracht, tritt der Bruch eher bei D < 1 ein; bei umgekehrter Reihenfolge kann D > 1 werden. In der Auslegung begrenzt man D manchmal auf etwa 0,3–0,5.
Typische Fehler
Lastwechsel unterhalb der Dauerfestigkeit nicht zählen oder Ni = ∞ setzen (wächst ein Riss, schädigen auch niedrige Spannungen).
Beispiel
2 × 10⁴ Lastwechsel auf einem Niveau mit der Lebensdauer 10⁵ (0,2) und 3 × 10⁵ Lastwechsel auf einem Niveau mit 10⁶ (0,3): Schadenssumme D = 0,50. Auf einem Niveau mit der Lebensdauer 10⁷ verbleiben noch (1 − 0,50) × 10⁷ = 5,0 × 10⁶ Lastwechsel.

Begriffe Miner-Regel

Quelle: Dowling (4. Aufl.) Kap. 9

Pf = 1 − exp[−(V/V₀)(σ/σ₀)m][1]

σ₂/σ₁ = (V₁/V₂)1/mGrößeneinfluss[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
PfBruchwahrscheinlichkeit1
V, V₀beanspruchtes Volumen und Bezugsvolumenm³
σSpannungPa
σ₀Skalenparameter (Spannung, bei der im Volumen V₀ 63,2 % brechen)Pa
mWeibull-Modul (je größer, desto geringer die Streuung; Keramik 5–20)1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Spröde Werkstoffe, die an der schwächsten Stelle versagen (Modell des schwächsten Glieds), hier für gleichmäßigen Zug über das Volumen geschrieben; bei ungleichmäßiger Spannung wie unter Biegung verwendet man das effektive Volumen. m ist die Steigung der Geraden von ln ln(1/(1 − Pf)) über ln σ.
Typische Fehler
Biegefestigkeiten unverändert auf zugbeanspruchte Bauteile übertragen (das effektive Volumen ist anders). Pf mit der Überlebenswahrscheinlichkeit Ps = 1 − Pf verwechseln.
Beispiel
Keramik mit dem Weibull-Modul m = 10 und σ₀ = 300 MPa (Probenvolumen V₀) bei 200 MPa: Pf = 1 − exp[−(200/300)¹⁰] = 0,0172. Bei einem Bauteil mit zehnfachem Volumen sinkt die Spannung für dieselbe Bruchwahrscheinlichkeit auf das (1/10)^(1/10) = 0,794-Fache.

Begriffe Weibull-Modul

Quelle: Weibull 1951; Callister (10. Aufl.) Kap. 12

Thermische Eigenschaften 12

Wärmeausdehnung

ΔL/L₀ = αl ΔT[1]

αv ≈ 3αlVolumenausdehnung (isotrop)[K⁻¹]

SymbolBedeutungSI-Einheit
ΔL, L₀Längenänderung und Anfangslängem
αlLängenausdehnungskoeffizientK⁻¹
ΔTTemperaturänderung (T₂ − T₁)K
αvVolumenausdehnungskoeffizientK⁻¹

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Wenn α im betrachteten Temperaturbereich als konstant gelten kann (über einen weiten Bereich α(T) integrieren). Die Beziehung 3α für das Volumen gilt nur für isotrope Werkstoffe (bei anisotropen Kristallen und Faserverbunden je nach Richtung verschieden).
Typische Fehler
Den Faktor 10⁻⁶ in 10⁻⁶ K⁻¹ vergessen. Mit einer absoluten Temperatur statt einer Temperaturdifferenz multiplizieren. Eine Differenz in °C ist gleich einer Differenz in K (ΔT darf in beiden Einheiten stehen).
Beispiel
Messingdraht (α = 20 × 10⁻⁶ K⁻¹), 15 m lang, von 40 °C auf −9 °C abgekühlt: ΔL = 20 × 10⁻⁶ × 15 × (−49) = −1,47 × 10⁻² m = −14,7 mm (Verkürzung). Das Volumen nimmt mit 3α um 0,29 % ab.

Begriffe Längenausdehnungskoeffizient Invar

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 19

σ = −EαΔTeinachsig behindert[kg·m⁻¹·s⁻²]

σ = −EαΔT/(1 − ν)gleichmäßig zweiachsig behindert (Platte)[kg·m⁻¹·s⁻²]

σ = −EαΔT/(1 − 2ν)dreiachsig behindert[kg·m⁻¹·s⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
σWärmespannung (Zug positiv)Pa
EElastizitätsmodulPa
αLängenausdehnungskoeffizientK⁻¹
ΔTTemperaturänderung gegenüber dem spannungsfreien ZustandK
νQuerkontraktionszahl1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Vollständig behinderte Ausdehnung (Gesamtdehnung null), linear-elastisch. Erwärmen erzeugt Druck-, Abkühlen Zugspannungen. Bei teilweiser Behinderung oder ortsabhängiger Temperatur siehe die Formeln im Labor für Wärmeausdehnung und Wärmespannung.
Typische Fehler
Vorzeichen verwechseln. Für eine Platte (zweiachsig) die einachsige Formel verwenden. Werte oberhalb der Streckgrenze unverändert verwenden.
Beispiel
Messingstab, an beiden Enden eingespannt (E = 100 GPa; α = 20 × 10⁻⁶ K⁻¹), von 20 °C aus erwärmt: Damit die Druckspannung höchstens 172 MPa erreicht, darf ΔT = 172/(100000 × 20 × 10⁻⁶) = 86,0 K betragen, also T = 106 °C. In einer zweiachsig behinderten Platte (ν = 0,35) ist die Spannung bei gleichem ΔT um den Faktor 1/(1 − ν) = 1,54 größer.

Begriffe Wärmespannung Längenausdehnungskoeffizient

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 19; Timoshenko & Goodier (3. Aufl.) Kap. 13

σf = [Ef/(1 − νf)](αs − αf)ΔT[kg·m⁻¹·s⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
σfWärmespannung in der Schicht (gleichmäßig zweiachsig, Zug positiv)Pa
Ef/(1 − νf)biaxialer Modul der SchichtPa
αs, αfLängenausdehnungskoeffizienten von Substrat und SchichtK⁻¹
ΔTTemperaturänderung gegenüber der spannungsfreien Temperatur (beim Abkühlen negativ)K

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Schicht viel dünner als das Substrat (das Substrat verformt sich nicht), in der Schichtebene isotrop, linear-elastisch. Die Beschichtungstemperatur gilt als spannungsfrei (Eigenspannungen aus dem Schichtwachstum werden gesondert addiert).
Typische Fehler
Die Reihenfolge in (αf − αs) und (αs − αf) verwechseln. 1 − ν weglassen (einachsige Form). Die Anisotropie einkristalliner Substrate und Schichten vernachlässigen.
Beispiel
Al-Schicht (Ef = 70 GPa; νf = 0,33; αf = 23,1 × 10⁻⁶ K⁻¹) auf einem Si-Substrat (αs = 2,6 × 10⁻⁶ K⁻¹), bei 400 °C spannungsfrei, auf 25 °C abgekühlt: σf = (70000/0,67) × (2,6 − 23,1) × 10⁻⁶ × (−375) = 803 MPa (Zug). Tatsächlich fließt das Al, sodass dieser elastische Wert nicht erreicht wird.

Begriffe Wärmespannung

Quelle: Timoshenko & Goodier (3. Aufl.) Kap. 13

Stoney-Gleichung

σf = Es ts² κ/[6(1 − νs) tf][kg·m⁻¹·s⁻²]

κ = 1/RKrümmung[m⁻¹]

SymbolBedeutungSI-Einheit
σfmittlere Spannung in der SchichtPa
Es/(1 − νs)biaxialer Modul des SubstratsPa
ts, tfDicke von Substrat und Schichtm
κKrümmung (Änderung durch die Beschichtung)m⁻¹
RKrümmungsradiusm

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
tf ≪ ts, Durchbiegung kleiner als die Substratdicke, isotropes Substrat (für Si(100) den biaxialen Modul 180 GPa verwenden). Die elastischen Konstanten der Schicht werden nicht benötigt.
Typische Fehler
ts und tf vertauschen (ts geht quadratisch ein). Die Krümmung vor der Beschichtung nicht abziehen. Durchmesser und Radius verwechseln (Krümmungsradius).
Beispiel
Ein (100)-Si-Wafer (biaxialer Modul Es/(1 − νs) = 180 GPa; Dicke 0,525 mm) mit einer 1 µm dicken Schicht verbiegt sich auf einen Krümmungsradius von 50 m: σf = 180 × 10⁹ × (0,525 × 10⁻³)²/(6 × 10⁻⁶ × 50) = 165 MPa.

Begriffe Wärmespannung

Quelle: Stoney 1909

σ₁A₁ + σ₂A₂ = 0Kräftegleichgewicht[kg·m·s⁻²]

α₁ΔT + σ₁/E₁ = α₂ΔT + σ₂/E₂gleiche Längenänderung[1]

σ₁ = −(α₁ − α₂)ΔT/[1/E₁ + A₁/(A₂E₂)]Lösung[kg·m⁻¹·s⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
σ₁, σ₂Spannung in jedem StabPa
A₁, A₂Querschnittsflächenm²
α₁, α₂LängenausdehnungskoeffizientenK⁻¹
E₁, E₂ElastizitätsmodulnPa
ΔTTemperaturänderungK

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Zwei parallele Stäbe, an beiden Enden verbunden, ohne äußere Kraft, mit gleichmäßiger Temperatur, linear-elastisch und ohne Biegung. Wirkt zusätzlich eine äußere Last, setzt man sie auf die rechte Seite des Kräftegleichgewichts.
Typische Fehler
Für einen der Stäbe einfach den Wert bei vollständiger Behinderung (EαΔT) verwenden. Unterschiedliche Querschnitte vernachlässigen.
Beispiel
Ein Stahlstab (E = 200 GPa; α = 12 × 10⁻⁶) und ein Al-Stab (70 GPa; 23 × 10⁻⁶) mit gleichem Querschnitt (100 mm²), an beiden Enden verbunden und um 100 K erwärmt: Spannung im Stahl σ₁ = −(12 − 23) × 10⁻⁶ × 100/(1/200000 + 1/70000) = 57,0 MPa (Zug), Spannung im Al σ₂ = −57,0 MPa (Druck).

Begriffe Wärmespannung Längenausdehnungskoeffizient

Quelle: Timoshenko & Goodier (3. Aufl.) Kap. 13; Callister (10. Aufl.) Kap. 19

κ = 6Δε(1 + m)²/{h[3(1 + m)² + (1 + mn)(m² + 1/(mn))]}[m⁻¹]

κ = 3Δε/(2h)t₁ = t₂, E₁ = E₂[m⁻¹]

m = t₁/t₂, n = E₁/E₂Bezeichnungen[1]

h = t₁ + t₂Gesamtdicke[m]

SymbolBedeutungSI-Einheit
κKrümmungm⁻¹
ΔεDifferenz der Wärmedehnungen (α₂ − α₁)ΔT1
t₁, t₂, hDicken der Schichten und Gesamtdickem
m, nDickenverhältnis, Verhältnis der E-Moduln1
E₁, E₂E-Moduln der SchichtenPa

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Zweischichtiger Balken ohne Behinderung in Breitenrichtung (Balken im ebenen Spannungszustand), linear-elastisch, gleichmäßige Temperatur. Bei breiten Platten ersetzt man E durch E/(1 − ν).
Typische Fehler
Die Krümmungsrichtung verwechseln (die Schicht mit der größeren Ausdehnung liegt auf der konvexen Seite). Für h die Dicke nur einer Schicht verwenden.
Beispiel
Zwei Schichten zu je 0,5 mm mit gleichem E-Modul, Unterschied der Ausdehnungskoeffizienten 18 × 10⁻⁶ K⁻¹, um 50 K erwärmt (Δε = 9,0 × 10⁻⁴): mit m = n = 1 ist κ = 3Δε/(2h) = 1,35 m⁻¹ (Krümmungsradius 0,741 m).

Begriffe Wärmespannung

Quelle: Timoshenko 1925

R = σf(1 − ν)/(Eα)Thermoschockparameter (Abschrecken)[K]

R′ = κRbei konstantem Wärmestrom[kg·m·s⁻³]

β = ah/κBiot-Zahl[1]

ΔTc = R(1,5 + 3,25/β − 0,5e−16/β)Beziehung nach Manson[K]

SymbolBedeutungSI-Einheit
RTemperaturdifferenz, bei der das Abschrecken Risse erzeugt (β → ∞)K
σfBruchfestigkeitPa
νQuerkontraktionszahl1
EElastizitätsmodulPa
αLängenausdehnungskoeffizientK⁻¹
κWärmeleitfähigkeitW/(m·K)
R′zweiter ThermoschockparameterW/m
βBiot-Zahl1
ahalbe Plattendickem
hWärmeübergangskoeffizientW/(m²·K)
ΔTckritische TemperaturdifferenzK

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Beginn der Rissbildung, wenn eine Platte aus sprödem Werkstoff an der Oberfläche plötzlich abgekühlt (oder erwärmt) wird. Je größer β (scharfes Abschrecken, dicke Platte, geringe Wärmeleitfähigkeit), desto näher liegt der Wert an R. Festigkeitsstreuung und Rissausbreitung (R‴ usw.) werden gesondert betrachtet.
Typische Fehler
Für a die ganze Plattendicke einsetzen (die Hälfte verwenden). Den Faktor 10⁻⁶ in α vergessen. Vergessen, dass sich die Richtung der Oberflächenspannung zwischen Erwärmen und Abkühlen umkehrt.
Beispiel
Aluminiumoxid (Daten aus dem Labor für Wärmeausdehnung und Wärmespannung: σf = 310 MPa; ν = 0,23; E = 360 GPa; α = 7,2 × 10⁻⁶ K⁻¹; κ = 29 W/(m·K)): R = 92,1 K; R′ = κR = 2671 W/m. Eine 10 mm dicke Platte (a = 5 mm) wird in Wasser abgeschreckt (h ≈ 10⁴ W/(m²·K)): β = ah/κ = 1,72; kritische Temperaturdifferenz ΔTc ≈ R × (1,5 + 3,25/β − 0,5e^(−16/β)) = 312 K.

Begriffe Wärmespannung

Quelle: Kingery (2. Aufl.) Kap. 16; Manson 1966

q = −κ dT/dx[kg·s⁻³]

q = κΔT/Lebene Platte (stationär)[kg·s⁻³]

SymbolBedeutungSI-Einheit
qWärmestromdichteW/m²
κWärmeleitfähigkeitW/(m·K)
T, ΔTTemperatur, Temperaturdifferenz zwischen beiden PlattenseitenK
x, LOrt, Plattendickem

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Stationärer Zustand mit temperaturunabhängigem κ. Bei geschichteten Wänden addiert man die Wärmewiderstände L/κ, bei Wärmeübergang an der Oberfläche (Konvektion) zusätzlich 1/h.
Typische Fehler
Die Dicke in mm einsetzen. Wärmeleitfähigkeit und Temperaturleitfähigkeit verwechseln.
Beispiel
Stahlplatte (κ = 50 W/(m·K)), 10 mm dick, Temperaturdifferenz zwischen beiden Seiten 100 K (stationär): q = 50 × 100/0,010 = 5,0 × 10⁵ W/m².

Begriffe Phonon

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 19

a = κ/(ρcp)[m²·s⁻¹]

∂T/∂t = a ∂²T/∂x²instationäre Wärmeleitung[s⁻¹·K]

SymbolBedeutungSI-Einheit
aTemperaturleitfähigkeitm²/s
κWärmeleitfähigkeitW/(m·K)
ρDichtekg/m³
cpspezifische Wärmekapazität (bei konstantem Druck)J/(kg·K)
TTemperaturK
tZeits
xOrtm

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Bestimmt die Geschwindigkeit der instationären Wärmeleitung; die Wärmeleitungsgleichung hat dieselbe Form wie das 2. Ficksche Gesetz, sodass sich z. B. erfc-Lösungen direkt übertragen lassen. Mit dem Laser-Flash-Verfahren misst man a und erhält die Wärmeleitfähigkeit aus κ = aρcp.
Typische Fehler
cp in J/(mol·K) einsetzen (je Masse verwenden). ρ in g/cm³ einsetzen.
Beispiel
Cu (κ = 398 W/(m·K); ρ = 8960 kg/m³; cp = 385 J/(kg·K)): a = 1,15 × 10⁻⁴ m²/s. In 1 s dringt die Wärme größenordnungsmäßig √(at) = 10,7 mm weit ein.

Begriffe Temperaturleitfähigkeit

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 19

Cv = 3RT ≫ θD (Dulong-Petit)[kg·m²·s⁻²·K⁻¹·mol⁻¹]

Cv = (12π⁴/5)R(T/θD)³T ≪ θD (Debyesches T³-Gesetz)[kg·m²·s⁻²·K⁻¹·mol⁻¹]

SymbolBedeutungSI-Einheit
Cvmolare Wärmekapazität bei konstantem Volumen (Gitteranteil)J/(mol·K)
RGaskonstanteJ/(mol·K)
TTemperaturK
θDDebye-TemperaturK

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Je Mol Atome eines Elements; bei Verbindungen mit der Zahl der Atome je Formeleinheit multiplizieren. Bei Metallen kommt bei tiefen Temperaturen der Elektronenanteil (proportional zu T) hinzu. Bei Festkörpern ist der Unterschied zwischen Cp und Cv klein.
Typische Fehler
Werte je Mol und je Masse verwechseln. Bei Verbindungen vergessen, mit der Zahl der Atome je Formeleinheit zu multiplizieren.
Beispiel
Al (Debye-Temperatur θD = 428 K): bei 20 K Cv = (12π⁴/5)R(20/428)³ = 0,198 J/(mol·K). Grenzwert bei hohen Temperaturen 3R = 24,94 J/(mol·K), je Masse 3R/M = 924 J/(kg·K) (gemessenes cp 897 J/(kg·K)).

Begriffe Dulong-Petit-Gesetz Debye-Temperatur Phonon

Quelle: Kittel (8. Aufl.) Kap. 5; Callister (10. Aufl.) Kap. 19

κe/(σT) = L₀[kg²·m⁴·s⁻⁶·K⁻²·A⁻²]

L₀ = (π²/3)(k/e)² = 2,44 × 10⁻⁸ W·Ω/K²Lorenz-Zahl[kg²·m⁴·s⁻⁶·K⁻²·A⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
κeelektronischer Anteil der WärmeleitfähigkeitW/(m·K)
σelektrische LeitfähigkeitS/m
TTemperaturK
L₀Lorenz-ZahlW·Ω/K²
kBoltzmann-KonstanteJ/K
eElementarladungC

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Elektronische Leitung in Metallen; gute Übereinstimmung bei Raumtemperatur und darüber sowie bei sehr tiefen Temperaturen (dazwischen kleiner durch inelastische Streuung). Die Wärmeleitung durch das Gitter (Phononen) ist nicht enthalten; in Legierungen und Halbleitern gilt κ = κe + κph.
Typische Fehler
Spezifischen Widerstand ρ und Leitfähigkeit σ verwechseln. Das Gesetz auf Isolatoren und Keramiken anwenden.
Beispiel
Cu (σ = 5,96 × 10⁷ S/m; 293 K): κe = L₀σT = 2,443 × 10⁻⁸ × 5,96 × 10⁷ × 293 = 427 W/(m·K) (gemessen 401 W/(m·K)).

Begriffe Wiedemann-Franzsches Gesetz

Quelle: Kittel (8. Aufl.) Kap. 6

p = δ/{d[(1/Eo)((D² + d²)/(D² − d²) + νo) + (1/Ei)((d² + di²)/(d² − di²) − νi)]}[kg·m⁻¹·s⁻²]

σθ = p(D² + d²)/(D² − d²)Tangentialspannung an der Bohrung der Nabe[kg·m⁻¹·s⁻²]

ΔT = (δ + c)/(αd)zum Fügen nötige Erwärmung[K]

SymbolBedeutungSI-Einheit
pFugendruckPa
δDurchmesserübermaßm
dFugendurchmesserm
DAußendurchmesser des Außenteils (Nabe)m
diBohrungsdurchmesser des Innenteils (bei Vollwelle 0)m
Eo, EiE-Moduln von Außen- und InnenteilPa
νo, νiQuerkontraktionszahlen von Außen- und Innenteil1
σθTangentialspannungPa
cFügespielm
αLängenausdehnungskoeffizient des AußenteilsK⁻¹
ΔTTemperaturerhöhungK

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Dickwandige Zylinder im ebenen Spannungszustand, linear-elastisch, mit gleichmäßigem Druck über die ganze Fugenlänge. Plastisches Fließen senkt den Druck. Die Tangentialspannung an der Bohrung der Nabe ist am größten.
Typische Fehler
Ein radiales Übermaß in die Formel für das Durchmesserübermaß einsetzen (Faktor 2). Das Vorzeichen von ν im Term des Innenteils (− νi).
Beispiel
Stahlnabe (Außendurchmesser 100 mm) auf eine Stahlvollwelle mit 50 mm Durchmesser aufgeschrumpft, Durchmesserübermaß 0,05 mm (E = 200 GPa; ν = 0,3): p = 75,0 MPa; Tangentialspannung an der Nabenbohrung p(D² + d²)/(D² − d²) = 125 MPa (Zug). Um mit 0,02 mm Fügespiel zu fügen, wird die Nabe um ΔT = (0,05 + 0,02)/(12 × 10⁻⁶ × 50) = 117 K erwärmt.

Begriffe Längenausdehnungskoeffizient

Quelle: Timoshenko & Goodier (3. Aufl.) Kap. 4

Verbundwerkstoffe 9

Ecl = Vf Ef + Vm EmFaserrichtung (gleiche Dehnung, Voigt)[kg·m⁻¹·s⁻²]

Ff/Fm = Vf Ef/(Vm Em)Lastaufteilung[1]

Vf + Vm = 1ohne Poren[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
EclE-Modul des Verbundwerkstoffs in FaserrichtungPa
Ef, EmE-Moduln von Faser und MatrixPa
Vf, VmVolumenanteile von Faser und Matrix1
Ff, Fmvon Faser und Matrix getragene KräfteN

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Ausgerichtete Endlosfasern mit idealer Haftung, sodass Faser und Matrix dieselbe Dehnung erfahren. Obere Schranke des Moduls (Voigt). Volumenanteile einsetzen (Massenanteile vorher umrechnen). Poren zählen als Phase ohne Steifigkeit in V mit.
Typische Fehler
Massenanteile direkt einsetzen. Die Regel auch quer zur Faser verwenden (dort gilt die inverse Mischungsregel). Das Lastverhältnis mit dem Lastanteil Ff/(Ff + Fm) verwechseln.
Beispiel
Unidirektionaler Verbund aus 40 vol% Glasfasern (Ef = 69 GPa) in Polyester (Em = 3,4 GPa), dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 16 von Callister: Ecl = 0,40 × 69 + 0,60 × 3,4 = 29,6 GPa. Lastaufteilung Ff/Fm = (0,40 × 69)/(0,60 × 3,4) = 13,5 (die Fasern tragen 93,1 %).

Begriffe Mischungsregel GFK (glasfaserverstärkter Kunststoff)

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 16; Hull & Clyne (2. Aufl.) Kap. 3

1/Ect = Vf/Ef + Vm/Emquer zur Faser (gleiche Spannung, Reuss)[kg⁻¹·m·s²]

Ect = Ef Em/(Vf Em + Vm Ef)[kg·m⁻¹·s⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
EctE-Modul quer zur FaserPa
Ef, EmE-Moduln von Faser und MatrixPa
Vf, VmVolumenanteile1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Untere Schranke des Moduls (Reuss) unter der Annahme, dass Faser und Matrix dieselbe Spannung tragen. Der tatsächliche Quermodul liegt etwas höher; die Halpin-Tsai-Gleichungen passen besser. Kohlenstofffasern sind in radialer Richtung viel weicher als in Faserrichtung (T300 etwa 15 GPa); für Ef ist daher der radiale Modul einzusetzen.
Typische Fehler
Vergessen, den Kehrwert zu bilden (bei Vf/Ef + Vm/Em stehen bleiben). Für Kohlenstofffasern den Modul in Faserrichtung als Ef einsetzen.
Beispiel
Derselbe Verbund aus 40 vol% Glasfasern und Polyester, quer zur Faser: 1/Ect = 0,40/69 + 0,60/3,4 → Ect = 5,49 GPa (19 % des Werts in Faserrichtung).

Begriffe Mischungsregel

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 16; Hull & Clyne (2. Aufl.) Kap. 3

P/Pm = (1 + ξηVf)/(1 − ηVf)[1]

η = (Pf/Pm − 1)/(Pf/Pm + ξ)[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
PModul des Verbundwerkstoffs (E₂ oder G₁₂)Pa
Pf, Pmentsprechender Modul von Faser und MatrixPa
ξFormfaktor (bei runden Fasern 2 für E₂, 1 für G₁₂)1
ηHilfsgröße1
VfFaservolumenanteil1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Praktische Näherung für den Quermodul E₂ und den Schubmodul in der Ebene G₁₂ unidirektionaler Schichten. ξ = 0 ergibt die inverse Mischungsregel, ξ → ∞ die Mischungsregel. Oberhalb von Vf ≈ 0,6 können die Werte unter den Messwerten liegen.
Typische Fehler
Für E₂ und G₁₂ dasselbe ξ verwenden. Für G₁₂ als Pm Em statt Gm = Em/[2(1 + νm)] einsetzen.
Beispiel
Quermodul desselben Verbunds aus 40 vol% Glasfasern und Polyester mit ξ = 2: η = (69/3,4 − 1)/(69/3,4 + 2) = 0,8654; E₂ = 3,4 × (1 + 2 × 0,8654 × 0,40)/(1 − 0,8654 × 0,40) = 8,80 GPa (größer als 5,49 GPa nach der inversen Mischungsregel).

Begriffe Mischungsregel

Quelle: Halpin & Kardos 1976; Jones (2. Aufl.) Kap. 3

Vf = (wf/ρf)/(wf/ρf + wm/ρm)Massenanteil → Volumenanteil[1]

wf = Vf ρf/ρcVolumenanteil → Massenanteil[1]

ρc = Vf ρf + Vm ρmDichte (Mischungsregel)[kg·m⁻³]

SymbolBedeutungSI-Einheit
Vf, VmVolumenanteile von Faser und Matrix1
wf, wmMassenanteile von Faser und Matrix1
ρf, ρm, ρcDichten von Faser, Matrix und Verbundwerkstoffkg/m³

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Ohne Poren. Mit Poren gilt Vf + Vm + Vv = 1; den Porenanteil Vv erhält man aus der gemessenen Dichte und dem Massenanteil (z. B. aus der Veraschung). Da Verhältnisse gebildet werden, kann die Dichte in g/cm³ stehen bleiben.
Typische Fehler
Massenanteile als Volumenanteile in die Mischungsregel einsetzen. 1 − Vf statt wm = 1 − wf verwenden.
Beispiel
Epoxidharz (ρm = 1,20 g/cm³) mit 65 wt% Kohlenstofffasern (ρf = 1,76 g/cm³): Vf = (0,65/1,76)/(0,65/1,76 + 0,35/1,20) = 0,3693/(0,3693 + 0,2917) = 0,559. ρc = 0,559 × 1,76 + 0,441 × 1,20 = 1,51 g/cm³.

Begriffe CFK (kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff) Mischungsregel

Quelle: Hull & Clyne (2. Aufl.) Kap. 1; Callister (10. Aufl.) Kap. 16

σcl* = Vf σf* + Vm σm′Fasern versagen zuerst (εf* < εm*)[kg·m⁻¹·s⁻²]

σm′ = Em εf*Matrixspannung beim Faserbruch[kg·m⁻¹·s⁻²]

Vmin = (σm* − σm′)/(σf* + σm* − σm′)kleinster Volumenanteil, ab dem die Fasern die Festigkeit bestimmen[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
σcl*Zugfestigkeit in FaserrichtungPa
σf*, σm*Zugfestigkeiten von Faser und MatrixPa
σm′Spannung in der Matrix bei der Bruchdehnung der FaserPa
εf*Bruchdehnung der Faser σf*/Ef1
EmE-Modul der MatrixPa
Vf, VmVolumenanteile1
Vminkleinster Volumenanteil1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Endlosfasern, deren Bruchdehnung kleiner ist als die der Matrix (Kohlenstoff- oder Glasfasern in Epoxidharz). Durch die Streuung der Faserfestigkeit (Weibull) und Fehlausrichtung der Fasern erreichen Messwerte meist 70–90 %. Für Kombinationen, bei denen die Matrix zuerst versagt (keramische Matrix), gilt eine andere Formel.
Typische Fehler
Für σm′ die Zugfestigkeit der Matrix σm* einsetzen. Die Formel auch quer zur Faser verwenden (dort bestimmen Matrix und Grenzfläche die Festigkeit).
Beispiel
T300-Kohlenstofffasern (σf* = 3530 MPa; Ef = 230 GPa) in 8552-Epoxidharz (Em = 4,67 GPa; σm* = 121 MPa; Bruchdehnung 1,7 %), Vf = 0,60 (Werte aus dem Verbundwerkstoff-Designer): Die Bruchdehnung der Faser 3530/230000 = 1,53 % ist kleiner als die der Matrix, die Fasern brechen also zuerst. σm′ = 4670 × 0,0153 = 71,7 MPa; σcl* = 0,60 × 3530 + 0,40 × 71,7 = 2147 MPa. Vmin = 1,4 × 10⁻²; bei üblichen Volumenanteilen bestimmen also die Fasern die Festigkeit.

Begriffe CFK (kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff) Mischungsregel

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 16; Hull & Clyne (2. Aufl.) Kap. 8

lc = σf* d/(2τc)kritische Faserlänge[m]

σcd* = Vf σf*(1 − lc/(2l)) + Vm σm′l > lc[kg·m⁻¹·s⁻²]

σcd* = Vf τc l/d + Vm σm′l < lc[kg·m⁻¹·s⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
lckritische Faserlängem
lFaserlängem
σf*Zugfestigkeit der FaserPa
dFaserdurchmesserm
τcGrenzflächenscherfestigkeit (oder Schubfließspannung der Matrix)Pa
σcd*Festigkeit des Verbunds mit ausgerichteten KurzfasernPa
Vf, VmVolumenanteile1
σm′Spannung in der MatrixPa

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Fasern in Lastrichtung ausgerichtet; die Schubspannung an der Grenzfläche wird ab dem Faserende als konstant angenommen (starr-plastisch). Bei regelloser Faserorientierung multipliziert man mit einem Orientierungsfaktor (Krenchel; 3/8 für ebene regellose Orientierung). Ist l etwa 15-mal so groß wie lc, verhalten sich die Fasern fast wie Endlosfasern.
Typische Fehler
Für d den Radius einsetzen (Faktor 2). µm und mm mischen. Die obere Formel verwenden, obwohl l < lc ist.
Beispiel
Kohlenstofffaser (σf* = 3500 MPa; d = 7 µm) mit der Grenzflächenscherfestigkeit τc = 40 MPa: lc = 3500 × 0,007/(2 × 40) = 0,306 mm. Bei 30 vol% ausgerichteten Fasern mit 3 mm Länge und σm′ = 50 MPa: σcd* = 0,30 × 3500 × (1 − 0,306/6) + 0,70 × 50 = 1031 MPa. Bei 0,2 mm Länge (l < lc): 0,30 × 40 × 0,2/0,007 + 35 = 378 MPa.

Begriffe Kritische Faserlänge

Quelle: Kelly & Tyson 1965; Callister (10. Aufl.) Kap. 16; Hull & Clyne (2. Aufl.) Kap. 7

α₁ = (Ef αf Vf + Em αm Vm)/(Ef Vf + Em Vm)Faserrichtung[K⁻¹]

α₂ = (1 + νf)αf Vf + (1 + νm)αm Vm − α₁ν₁₂quer zur Faser[K⁻¹]

ν₁₂ = Vf νf + Vm νmgroße Querkontraktionszahl[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
α₁, α₂Längenausdehnungskoeffizienten des unidirektionalen Verbunds (in Faserrichtung, quer dazu)K⁻¹
αf, αmLängenausdehnungskoeffizienten von Faser und MatrixK⁻¹
Ef, EmE-Moduln von Faser und MatrixPa
νf, νm, ν₁₂Querkontraktionszahlen1
Vf, VmVolumenanteile1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Isotrope Fasern und Matrix (Glas, Basalt). Kohlenstoff- und Aramidfasern haben in radialer und axialer Richtung unterschiedliche α; dann ersetzt man in α₂ den Ausdruck (1 + νf)αf durch αf2 + νf αf1 (so rechnet der Verbundwerkstoff-Designer). α₁ wird von den steifen Fasern bestimmt und liegt weit unter dem einfachen volumengewichteten Mittel.
Typische Fehler
α₁ als einfaches volumengewichtetes Mittel berechnen. Vergessen, dass α der Kohlenstofffaser in Achsrichtung negativ ist.
Beispiel
E-Glas (Ef = 72,3 GPa; αf = 5,4 × 10⁻⁶ K⁻¹; νf = 0,2) in Epoxidharz (2,73 GPa; 83,4 × 10⁻⁶ K⁻¹; νm = 0,35), Vf = 0,60 (Werte aus dem Verbundwerkstoff-Designer): α₁ = (72,3 × 5,4 × 0,6 + 2,73 × 83,4 × 0,4)/(72,3 × 0,6 + 2,73 × 0,4) = 7,32 × 10⁻⁶ K⁻¹ (das einfache Mittel ergäbe 36,6 × 10⁻⁶). ν₁₂ = 0,260; α₂ = 47,0 × 10⁻⁶ K⁻¹.

Begriffe Längenausdehnungskoeffizient Mischungsregel

Quelle: Schapery 1968; Jones (2. Aufl.) Kap. 3

1/Ex = cos⁴θ/E₁ + (1/G₁₂ − 2ν₁₂/E₁) sin²θ cos²θ + sin⁴θ/E₂[kg⁻¹·m·s²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
ExE-Modul unter dem Winkel θ zur FaserPa
E₁, E₂E-Moduln der Einzelschicht in Faserrichtung und quer dazuPa
G₁₂Schubmodul in der EbenePa
ν₁₂große Querkontraktionszahl1
θWinkel zwischen Last und Faserrad

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Eine orthotrope unidirektionale Einzelschicht im ebenen Spannungszustand, einachsig unter dem Winkel θ zur Faser gezogen. Die Steifigkeit von Laminaten erhält man mit der klassischen Laminattheorie (A-Matrix). Wegen des G₁₂-Terms liegt der Wert bei Werkstoffen mit G₁₂ unter etwa E₂/2 zwischen 45° und 90° unter E₂ (beim Werkstoff im Beispiel bei keinem Winkel unter E₂).
Typische Fehler
E mit cos²θ drehen (nötig sind vierte Potenzen und der Schubterm). Vergessen, den Kehrwert von 1/Ex zu bilden. Grad und Bogenmaß verwechseln.
Beispiel
Einzelschicht T300/5208 (E₁ = 181 GPa; E₂ = 10,3 GPa; G₁₂ = 7,17 GPa; ν₁₂ = 0,28; Werte aus dem Verbundwerkstoff-Designer): Ex = 28,8 GPa bei θ = 30° und 16,7 GPa bei 45°. Schon 30° Abweichung senken die Steifigkeit auf 1/6,3 des Werts in Faserrichtung.

Begriffe Quasiisotropes Laminat CFK (kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff)

Quelle: Jones (2. Aufl.) Kap. 2; Hull & Clyne (2. Aufl.) Kap. 5

(σ₁/X)² − σ₁σ₂/X² + (σ₂/Y)² + (τ₁₂/S)² = 1Bruchbedingung[1]

R = 1/√ITHReservefaktor (proportionale Belastung; ITH ist der Wert der linken Seite)[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
σ₁, σ₂, τ₁₂Spannungen im Achsensystem der SchichtPa
X, YFestigkeiten in Faserrichtung und quer dazu (Zug oder Druck je nach Vorzeichen der Spannung)Pa
SSchubfestigkeit in der EbenePa
ITHWert der linken Seite (Anstrengung)1
RReservefaktor (Faktor, um den die Last bis zum Bruch gesteigert werden kann)1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Spannungen in der Ebene (ebener Spannungszustand) einer unidirektionalen Schicht. Bei Werkstoffen mit unterschiedlicher Zug- und Druckfestigkeit wählt man X und Y nach dem Vorzeichen der Spannung. Wird die Last bei gleichbleibendem Spannungsverhältnis gesteigert, ist der Reservefaktor R der Kehrwert der Quadratwurzel der linken Seite.
Typische Fehler
Spannungen im globalen Koordinatensystem (σx) unverändert einsetzen (in das Achsensystem der Schicht drehen). Den Reservefaktor als Kehrwert der linken Seite ansetzen (die Quadratwurzel ist nötig).
Beispiel
T300/5208 (X = 1500; Y = 40; S = 68 MPa) unter 30° zur Faser mit 100 MPa auf Zug belastet: σ₁ = 75,0; σ₂ = 25,0; τ₁₂ = −43,3 MPa. Die linke Seite ist 0,798 < 1, es tritt also kein Bruch ein. Reservefaktor R = 1/√0,798 = 1,12 (Festigkeit unter 30°: 112 MPa).

Begriffe CFK (kohlenstofffaserverstärkter Kunststoff) Delamination

Quelle: Jones (2. Aufl.) Kap. 2; Hull & Clyne (2. Aufl.) Kap. 8

Elektrische Eigenschaften, Korrosion, Hochtemperatur 11

R = ρL/AWiderstand eines Drahts[kg·m²·s⁻³·A⁻²]

ρ(T) = ρ₂₀[1 + αR(T − T₂₀)]Temperaturabhängigkeit[kg·m³·s⁻³·A⁻²]

σ = 1/ρelektrische Leitfähigkeit[kg⁻¹·m⁻³·s³·A²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
Relektrischer WiderstandΩ
ρ, ρ₂₀spezifischer Widerstand, bei 20 °CΩ·m
LLängem
AQuerschnittsfläche πd²/4m²
αRTemperaturkoeffizient des spezifischen Widerstands (Bezug 20 °C)K⁻¹
T, T₂₀Temperatur, Bezugstemperatur 20 °CK
σelektrische LeitfähigkeitS/m

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Metalle in der Nähe der Raumtemperatur (etwa −50 bis 150 °C), wo sich der spezifische Widerstand linear mit der Temperatur ändert. αR hängt von der Bezugstemperatur ab (Bezug 0 °C oder 20 °C).
Typische Fehler
Den Durchmesser als Radius verwenden (πd²). Die Temperaturkorrektur vergessen. Spezifischen Widerstand und Widerstand verwechseln.
Beispiel
Weichgeglühtes Kupfer (IEC 60028: ρ₂₀ = 1,7241 × 10⁻⁸ Ω·m; αR = 0,00393 K⁻¹), Draht mit 1 mm Durchmesser und 100 m Länge bei 75 °C: ρ = 1,7241 × 10⁻⁸ × (1 + 0,00393 × 55) = 2,097 × 10⁻⁸ Ω·m; A = π(0,001)²/4 = 7,854 × 10⁻⁷ m²; R = 2,67 Ω (bei 20 °C 2,20 Ω).

Begriffe Matthiessensche Regel

Quelle: IEC 60028; Callister (10. Aufl.) Kap. 18

ρ = ρt + ρi + ρdMatthiessensche Regel[kg·m³·s⁻³·A⁻²]

ρi = A ci(1 − ci)Anteil gelöster Atome (Nordheim)[kg·m³·s⁻³·A⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
ρgesamter spezifischer WiderstandΩ·m
ρt, ρi, ρdAnteile durch Gitterschwingungen, Fremdatome und Gitterfehler (Verformung)Ω·m
AKonstante für das Paar aus gelöstem Element und GrundmetallΩ·m
ciAtomanteil des gelösten Elements1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Metalle, bei denen die Streumechanismen als unabhängig gelten können. Nur ρt hängt von der Temperatur ab; ρi und ρd sind temperaturunabhängig (Restwiderstand bei tiefen Temperaturen). Die Nordheim-Beziehung gilt für Legierungen mit lückenloser Mischkristallbildung bei niedrigen bis mittleren Konzentrationen.
Typische Fehler
Leitfähigkeiten (σ) statt spezifischer Widerstände addieren. Die Konzentration in at% statt als Anteil einsetzen.
Beispiel
Cu mit 3 at% Ni im Mischkristall (ρt von Cu bei Raumtemperatur 1,72 × 10⁻⁸ Ω·m; A für Cu–Ni nach dem Diagramm bei Callister etwa 1,2 × 10⁻⁶ Ω·m): ρi = 1,2 × 10⁻⁶ × 0,03 × 0,97 = 3,49 × 10⁻⁸ Ω·m; ρ ≈ 5,21 × 10⁻⁸ Ω·m (das 3,03-Fache von reinem Kupfer).

Begriffe Matthiessensche Regel Mischkristallverfestigung

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 18

σ = n e μe + p e μh[kg⁻¹·m⁻³·s³·A²]

σ ≈ ND e μen-leitend (alle Donatoren ionisiert)[kg⁻¹·m⁻³·s³·A²]

ρ = 1/σspezifischer Widerstand[kg·m³·s⁻³·A⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
σelektrische LeitfähigkeitS/m
n, pElektronen- und Löcherkonzentrationm⁻³
NDDonatorkonzentrationm⁻³
eElementarladungC
μe, μhBeweglichkeit der Elektronen und Löcherm²/(V·s)
ρspezifischer WiderstandΩ·m

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
In der Nähe der Raumtemperatur, wenn alle Donatoren und Akzeptoren ionisiert sind (Störstellenerschöpfung). Die Beweglichkeit nimmt mit der Dotierung ab; man verwendet daher den Wert für die jeweilige Konzentration (empirische Formeln unterscheiden sich um einige Prozent: Der Rechentrainer dieser Website verwendet die Form nach Caughey-Thomas, der Simulator für Diffusion und Oberflächenbehandlung die Formel nach Arora; für Elektronen in n-Si bei 10¹⁷–10¹⁸ cm⁻³ weichen sie um bis zu etwa 8 % voneinander ab).
Typische Fehler
cm⁻³ und cm²/(V·s) nicht in SI-Einheiten umrechnen (oder nur eines von beiden). Leitfähigkeit und spezifischen Widerstand verwechseln.
Beispiel
n-Si mit einer Donatorkonzentration von 10¹⁶ cm⁻³ (= 10²² m⁻³), Elektronenbeweglichkeit 1200 cm²/(V·s) = 0,12 m²/(V·s): σ = 10²² × 1,602 × 10⁻¹⁹ × 0,12 = 192 S/m; ρ = 1/σ = 5,20 × 10⁻³ Ω·m = 0,520 Ω·cm.

Begriffe Indirekter Halbleiter

Quelle: Sze (3. Aufl.) Kap. 1; Callister (10. Aufl.) Kap. 18

ni = √(Nc Nv) exp(−Eg/(2kT))[m⁻³]

ni ∝ T3/2 exp(−Eg/(2kT))Temperaturabhängigkeit[m⁻³]

np = ni²Massenwirkungsgesetz[m⁻⁶]

SymbolBedeutungSI-Einheit
niintrinsische Ladungsträgerdichtem⁻³
Nc, Nveffektive Zustandsdichten von Leitungs- und Valenzbandm⁻³
EgBandlücke (in eV mit k in eV/K)J
kBoltzmann-KonstanteJ/K
TTemperaturK
n, pElektronen- und Löcherkonzentrationm⁻³

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: Eg/2kT

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Nichtentartete Halbleiter (Fermi-Niveau mehrere kT von den Bandkanten entfernt). Nc und Nv sind proportional zu T3/2. Auch Eg ändert sich etwas mit der Temperatur (Si bei 300 K: 1,12 eV).
Typische Fehler
Den Faktor 2 im Exponenten vergessen (Eg/kT). eV und J verwechseln.
Beispiel
Si (Eg = 1,12 eV; Temperaturabhängigkeit von Eg vernachlässigt) von 300 K auf 350 K: ni(350)/ni(300) = (350/300)^(1,5) × exp[−1,12/(2 × 8,617 × 10⁻⁵) × (1/350 − 1/300)] = 27,8-fach. ni bei 300 K beträgt etwa 10¹⁰ cm⁻³ (Sze).

Begriffe Indirekter Halbleiter

Quelle: Sze (3. Aufl.) Kap. 1; Kittel (8. Aufl.) Kap. 8

Rs = ρ/xjSchichtwiderstand[kg·m²·s⁻³·A⁻²]

Rs = 1/(q∫₀xj μ(N) N(x) dx)mit Dotierprofil[kg·m²·s⁻³·A⁻²]

Rs ≈ 1/(qμN xj)gleichmäßig dotierte Schicht[kg·m²·s⁻³·A⁻²]

SymbolBedeutungSI-Einheit
RsSchichtwiderstand (Ω/□)Ω
ρspezifischer Widerstand der SchichtΩ·m
xjÜbergangstiefe (Schichtdicke)m
qElementarladungC
μBeweglichkeit der Ladungsträger (abhängig von N)m²/(V·s)
NNetto-Dotierstoffkonzentrationm⁻³
xTiefem

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Dünne Schichten, in denen der Strom parallel zur Oberfläche fließt. Der Wert der Vierspitzenmessung Rs = 4,53 V/I gilt, wenn die Probe viel breiter als der Spitzenabstand und dünn ist. Bei einer Schicht vom entgegengesetzten Leitungstyp wie das Substrat ist N die Nettokonzentration (N − NB).
Typische Fehler
Unabhängig von der Dotierung eine einzige Beweglichkeit verwenden (bei hoher Konzentration ist sie kleiner). xj in µm einsetzen.
Beispiel
n-Schicht, bis 0,5 µm Tiefe gleichmäßig mit 10¹⁹ cm⁻³ (= 10²⁵ m⁻³) Donatoren dotiert (Elektronenbeweglichkeit nach Arora 114 cm²/(V·s), wie im Simulator für Diffusion und Oberflächenbehandlung): Rs = 1/(qμNxj) = 1/(1,602 × 10⁻¹⁹ × 0,0114 × 10²⁵ × 0,5 × 10⁻⁶) = 109 Ω/□.

Begriffe Diffusionskoeffizient

Quelle: Sze (3. Aufl.) Kap. 1

m = ItM/(nF)gelöste Masse[kg]

v = iM/(nFρ)Abtragsgeschwindigkeit der Oberfläche[m·s⁻¹]

SymbolBedeutungSI-Einheit
mMasse des gelösten Metallskg
IStromstärkeA
tZeits
Mmolare Masse (Atommasse)kg/mol
nWertigkeit der Ionen (Zahl der Elektronen je Atom)1
FFaraday-KonstanteC/mol
vKorrosionsgeschwindigkeit (Dickenabtrag)m/s
iKorrosionsstromdichteA/m²
ρDichte des Metallskg/m³

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Die gesamte Ladung dient der Auflösung des Metalls (Stromausbeute 100 %), und der Angriff ist gleichmäßig. Bei örtlicher Korrosion wie Lochkorrosion entstehen viel tiefere Löcher, als es der mittleren Geschwindigkeit entspricht.
Typische Fehler
Die Wertigkeit n vergessen. µA/cm² und A/m² umrechnen (1 µA/cm² = 10⁻² A/m²). Mit g/cm³ rechnen und dabei cm und µm mischen.
Beispiel
Eisen (M = 55,845 g/mol; ρ = 7,87 g/cm³) löst sich gleichmäßig als Fe²⁺ bei einer Korrosionsstromdichte von 1 µA/cm²: je cm² und Sekunde 10⁻⁶ × 55,845/(2 × 96485) = 2,89 × 10⁻¹⁰ g, geteilt durch die Dichte 3,68 × 10⁻¹¹ cm/s, also 11,6 µm in einem Jahr (365 Tage). Bei 0,5 A über 30 Tage ist m = 0,5 × 2,592 × 10⁶ × 55,845/(2 × 96485) = 375 g.

Begriffe Faradaysches Gesetz Lokalelement

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 17

Nernst-Gleichung

E = E° − (RT/(nF)) ln Q[kg·m²·s⁻³·A⁻¹]

E = E° − (0,0592/n) log₁₀Q25 °C (V)[kg·m²·s⁻³·A⁻¹]

SymbolBedeutungSI-Einheit
E, E°Zellspannung, StandardzellspannungV
RGaskonstanteJ/(mol·K)
TTemperaturK
nZahl der übertragenen Elektronen1
FFaraday-KonstanteC/mol
QReaktionsquotient (Produkt der Aktivitäten der Produkte / Produkt der Aktivitäten der Edukte)1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Gleichgewichtspotential (kein Nettostrom). In verdünnten Lösungen nähert man die Aktivitäten durch Konzentrationen (mol/L) an. 0,0592 ist (RT/F) ln 10 bei 25 °C.
Typische Fehler
Zähler und Nenner von Q gegenüber der Reaktionsrichtung vertauschen. log₁₀ und ln verwechseln. n vergessen.
Beispiel
Zelle aus einer Ni-Elektrode (Ni²⁺ 10⁻³ M) und einer Cd-Elektrode (Cd²⁺ 0,5 M) bei 25 °C, dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 17 von Callister: Für Ni²⁺ + Cd → Ni + Cd²⁺ ist E° = −0,250 − (−0,403) = 0,153 V. E = 0,153 − (RT/2F) ln(0,5/10⁻³) = 0,153 − 0,01285 × 6,215 = 0,073 V. Der Wert ist positiv, die Reaktion läuft also in derselben Richtung wie im Standardzustand (Cd löst sich auf).

Begriffe Standardelektrodenpotential Kontaktkorrosion

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 17

PBR = Mox ρm/(n Mm ρox)[1]

SymbolBedeutungSI-Einheit
PBRPilling-Bedworth-Verhältnis (Volumenverhältnis von Oxid zu Metall)1
Mox, MmFormelmasse des Oxids, Atommasse des Metallskg/mol
ρox, ρmDichten von Oxid und Metallkg/m³
nZahl der Metallatome je Formeleinheit des Oxids1

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Grober Anhaltspunkt dafür, ob eine Oxidschicht bei der Hochtemperaturoxidation schützt. Unter 1 ist die Schicht porös, zwischen 1 und 2 wirkt sie meist schützend, deutlich über 2 platzt sie durch Druckspannungen leicht ab. Es gibt viele Ausnahmen (Haftung der Schicht, Diffusionsgeschwindigkeit); der Wert ist nur ein Anhaltspunkt.
Typische Fehler
n vergessen (bei Al₂O₃ 2). Formelmasse des Oxids und Atommasse des Metalls vertauschen.
Beispiel
Al₂O₃ (M = 101,96 g/mol; ρ = 3,95 g/cm³) auf Al (26,982; 2,70): PBR = 101,96 × 2,70/(2 × 26,982 × 3,95) = 1,29 (zwischen 1 und 2, schützend). MgO (40,304; 3,58) auf Mg (24,305; 1,74): 0,81 (unter 1, porös und nicht schützend).

Begriffe Pilling-Bedworth-Verhältnis Passivität

Quelle: Pilling & Bedworth 1923; Callister (10. Aufl.) Kap. 17

x² = kp tparabolisch (diffusionskontrolliert)[m²]

x = kl tlinear (nicht schützende Schicht)[m]

kp = k₀ exp(−Q/(RT))Temperaturabhängigkeit[m²·s⁻¹]

SymbolBedeutungSI-Einheit
xSchichtdicke (oder Massenzunahme je Fläche)m
tZeits
kpparabolische Geschwindigkeitskonstantem²/s
kllineare Geschwindigkeitskonstantem/s
k₀präexponentieller Faktorm²/s
QAktivierungsenergieJ/mol
RGaskonstanteJ/(mol·K)
TTemperaturK

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Das parabolische Zeitgesetz gilt für Hochtemperaturoxidation, die durch Ionendiffusion durch eine dichte Schicht fortschreitet. Es passt nicht für die Anfangsphase mit sehr dünnen Schichten oder für Schichten, die reißen oder abplatzen. Schreibt man es mit der Massenzunahme, wird x zu Δm/A, und auch die Einheit von kp ändert sich.
Typische Fehler
Annehmen, die doppelte Zeit ergebe die doppelte Dicke (beim parabolischen Gesetz das √2-Fache). kp für die Dicke und für die Massenzunahme mischen.
Beispiel
Parabolische Oxidation, die in 10 h eine 2,0 µm dicke Schicht ergibt: kp = 2,0²/10 = 0,40 µm²/h. Nach 100 h ist x = √(0,40 × 100) = 6,32 µm (zehnfache Zeit, aber nur √10-fache Dicke).

Begriffe Parabolisches Zeitgesetz Pilling-Bedworth-Verhältnis

Quelle: Birks u. a. (2. Aufl.) Kap. 4; Callister (10. Aufl.) Kap. 17

P = T(C + log₁₀tr)[K]

T₁(C + log₁₀t₁) = T₂(C + log₁₀t₂)zwei Bedingungen bei gleicher Spannung[K]

SymbolBedeutungSI-Einheit
PLarson-Miller-Parameter (abhängig von der Spannung)K
Tabsolute TemperaturK
CWerkstoffkonstante (bei vielen Metallen etwa 20)1
trBruchzeit (die Zahl in Stunden geht in den Logarithmus ein)h
t₀1 h (log₁₀tr bedeutet log₁₀(tr/t₀))h

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Austausch von Temperatur und Zeit beim Zeitstandbruch unter gleicher Spannung (Abschätzung langer Lebensdauern bei tieferer Temperatur aus kurzen Versuchen bei hoher Temperatur). C bezieht sich auf die Zeit in Stunden; 20 ist ein Richtwert (15–25). Extrapolationen sollten etwa das Zehnfache der Versuchsdauer nicht überschreiten.
Typische Fehler
°C einsetzen. ln statt log₁₀ verwenden. Die Zeit in Sekunden einsetzen (C = 20 gilt für Stunden).
Beispiel
Eine Legierung, die unter einer bestimmten Spannung bei 900 °C nach 50 h gebrochen ist, wird unter derselben Spannung bei 800 °C eingesetzt (C = 20): P = 1173,15 × (20 + log₁₀50) = 25456 K; tr = 10^(25456/1073,15 − 20) = 5260 h. Eine um 100 K tiefere Temperatur verlängert die Lebensdauer etwa auf das 105-Fache.

Begriffe Larson-Miller-Parameter Kriechen

Quelle: Larson & Miller 1952; Callister (10. Aufl.) Kap. 8

ε̇s = Aσⁿ exp(−Qc/(RT))[s⁻¹]

SymbolBedeutungSI-Einheit
ε̇sstationäre Kriechgeschwindigkeit (Dehnrate)s⁻¹
AWerkstoffkonstantes⁻¹·Pa⁻ⁿ
σSpannungPa
nSpannungsexponent (beim Versetzungskriechen 3–8)1
QcAktivierungsenergie des KriechensJ/mol
RGaskonstanteJ/(mol·K)
TTemperaturK

Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: Qc/RT

Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Oberhalb von etwa dem 0,4-Fachen der Schmelztemperatur, wenn Versetzungskriechen überwiegt. Bei niedriger Spannung und feinem Korn übernimmt Diffusionskriechen (n ≈ 1), bei hoher Spannung bricht das Potenzgesetz zusammen. Welcher Mechanismus vorliegt, zeigt die Verformungsmechanismuskarte.
Typische Fehler
Annehmen, die doppelte Spannung ergebe die doppelte Geschwindigkeit (das 2ⁿ-Fache). Q in eV und J/mol mischen.
Beispiel
Werkstoff mit n = 5 und Q = 300 kJ/mol: Bei 1,2-facher Spannung steigt die Dehnrate um den Faktor 1,2⁵ = 2,49. Von 900 K auf 950 K steigt sie um den Faktor exp[(300000/8,314)(1/900 − 1/950)] = 8,25.

Begriffe Potenzgesetz-Kriechen Kriechen Verformungsmechanismuskarte Diffusionskriechen

Quelle: Callister (10. Aufl.) Kap. 8; Dowling (4. Aufl.) Kap. 15

Bedienung

Geben Sie oben in das Suchfeld den Namen einer Formel, ein Formelzeichen oder einen Begriff ein (etwa „Bragg“, „KIC“ oder „Diffusionslänge“); dann bleiben nur die passenden Formeln stehen. Mit den Schaltflächen der Gebiete können Sie ebenfalls eingrenzen. Über den Link in der Überschrift einer Formel (#f-…) gelangen Sie direkt zu dieser Formel.

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Die passende Formel wählen

Diffusion: Ändert sich das Konzentrationsprofil nicht mit der Zeit (stationärer Strom durch eine Membran), gilt das 1. Ficksche Gesetz; die Diffusionsstromdichte J ist konstant und die Konzentration verläuft über die Dicke linear. Beim Aufkohlen und bei der Dotierstoffdiffusion ändert sich die Konzentration mit der Zeit, hier gilt das 2. Ficksche Gesetz: bei konstanter Oberflächenkonzentration die erfc-Lösung, bei konstanter eingebrachter Gesamtmenge (Eintreiben nach kurzer Vorbelegung) die Gauß-Lösung. Beide setzen voraus, dass die Diffusionslänge √(Dt) klein gegenüber der Probendicke ist (halbunendlicher Körper).

Spannung und Dehnung: Technische Spannung F/A₀ und technische Dehnung Δl/l₀ aus dem Zugversuch dienen der Auslegung (Streckgrenze, Zugfestigkeit). Für die Verfestigungsgleichung (Hollomon) und große Verformungen braucht man die wahre Spannung σ(1 + ε) und die wahre Dehnung ln(1 + ε). Diese Umrechnung setzt konstantes Volumen und gleichmäßige Verformung voraus und gilt daher nur bis zur Einschnürung (Höchstkraft); danach muss der Querschnitt gemessen werden.

Mischungsregel: Der E-Modul in Faserrichtung folgt näherungsweise der Mischungsregel für gleiche Dehnung (obere Schranke, Voigt), der E-Modul quer zur Faser der inversen Mischungsregel für gleiche Spannung (untere Schranke, Reuss). Der tatsächliche Quermodul liegt etwas über der unteren Schranke; das erfassen die Halpin-Tsai-Gleichungen. Bei teilchengefüllten Werkstoffen liegt der tatsächliche Wert zwischen oberer und unterer Schranke.

Bruch: Die Spannung am Rand von Bohrungen und Kerben erhält man mit der Kerbformzahl Kt; bei einem scharfen Riss wird Kt jedoch unbegrenzt groß und ist nicht mehr brauchbar. Für Risse verwendet man den Spannungsintensitätsfaktor K = Yσ√(πa) und vergleicht ihn mit der Bruchzähigkeit KIC. Das Risswachstum unter wiederholter Belastung beschreibt das Paris-Gesetz; die Ermüdung rissfreier Bauteile behandelt man mit Wöhlerlinie und Miner-Regel.

Wärmespannung: Ein in einer Richtung eingespannter Stab ergibt EαΔT, eine in beiden Richtungen der Ebene behinderte Platte oder dünne Schicht EαΔT/(1 − ν). Bei unvollständiger Behinderung (zwei verbundene Stäbe, Bimetall) löst man aus dem Kräftegleichgewicht und der Verträglichkeit der Längenänderungen.

So wurden die Dimensionen geprüft

Für alle 85 Formeln wurden die SI-Einheiten der Symboltabellen auf Basiseinheiten (kg, m, s, K, mol, A) zurückgeführt, und ein Programm hat geprüft, dass beide Seiten jeder Gleichung dieselbe Dimension haben und dass die Argumente von exp, ln, erf und Winkelfunktionen sowie Exponenten aus Formelzeichen dimensionslos sind. Die [ ] rechts neben jeder Zeile zeigen die Dimension beider Seiten dieser Zeile.

Bei Formeln, in die Zahlen in einer festgelegten Einheit einzusetzen sind, etwa log₁₀tr (Larson-Miller), die ASTM-Korngrößenkennzahl oder die Konstante C des Paris-Gesetzes, ist diese Einheit in der Symboltabelle angegeben. Mit einer anderen Einheit ändern sich die Werte der Konstanten.

Einheitenumrechnung

Umrechnungen, um Werte vor dem Einsetzen in eine Formel in SI-Einheiten umzuwandeln (nach NIST SP 811).

Einheitin SIVerwendung
1 MPa10⁶ Pa = 1 N/mm²Spannung
1 ksi6,8948 MPaSpannung (1000 lbf/in²)
1 ksi√in1,0988 MPa√mBruchzähigkeit
1 Å0,1 nm = 10⁻¹⁰ mLänge (Gitterkonstante, Wellenlänge)
1 eV1,602176634 × 10⁻¹⁹ JEnergie
1 eV/Atom96,485 kJ/molAktivierungsenergie
1 cal4,184 JWärme (thermochemische Kalorie)
T [K]t [°C] + 273,15Temperatur (eine Temperaturdifferenz von 1 K entspricht 1 °C)
1 g/cm³10³ kg/m³Dichte
1 cm²/s10⁻⁴ m²/sDiffusionskoeffizient
1 cm⁻³10⁶ m⁻³Ladungsträger- oder Dotierstoffkonzentration
1 cm²/(V·s)10⁻⁴ m²/(V·s)Beweglichkeit
1 Ω·cm10⁻² Ω·mspezifischer Widerstand (1 µΩ·cm = 10⁻⁸ Ω·m)
1 µA/cm²10⁻² A/m²Stromdichte
1 atm101325 PaDruck (1 bar = 10⁵ Pa; 1 Torr = 133,322 Pa)
1 in25,4 mmLänge
1 lbf4,448222 NKraft
1 Jahr (365 d)3,1536 × 10⁷ sZeit (Korrosionsgeschwindigkeit)

Physikalische Konstanten

Empfohlene Werte nach CODATA 2022 (Mohr u. a., Rev. Mod. Phys. 97, 025002 (2025); physics.nist.gov/cuu). „Exakt“ kennzeichnet Konstanten, deren Wert im SI von 2019 festgelegt ist, und daraus berechnete Konstanten; sie haben keine Unsicherheit. Die Zahlen in Klammern sind die Standardunsicherheit in den letzten Stellen. Die Beispiele rechnen mit diesen Werten (der Rechentrainer verwendet gerundete Werte wie R = 8,314).

SymbolKonstanteWertEinheitExakt
NAAvogadro-Konstante6,022 140 76 × 10²³mol⁻¹✓
kBoltzmann-Konstante1,380 649 × 10⁻²³J/K✓
kBoltzmann-Konstante (eV)8,617 333 262… × 10⁻⁵eV/K✓
Rmolare Gaskonstante NA k8,314 462 618…J/(mol·K)✓
eElementarladung1,602 176 634 × 10⁻¹⁹C✓
FFaraday-Konstante NA e96 485,332 12…C/mol✓
hPlanck-Konstante6,626 070 15 × 10⁻³⁴J·s✓
cLichtgeschwindigkeit im Vakuum299 792 458m/s✓
σSBStefan-Boltzmann-Konstante5,670 374 419… × 10⁻⁸W/(m²·K⁴)✓
ε₀elektrische Feldkonstante8,854 187 8188(14) × 10⁻¹²F/m
μ₀magnetische Feldkonstante1,256 637 061 27(20) × 10⁻⁶N/A²
meElektronenmasse9,109 383 7139(28) × 10⁻³¹kg
muatomare Massenkonstante (1 u)1,660 539 068 92(52) × 10⁻²⁷kg

Wichtige Quellen

Häufige Fragen

Was bedeuten die [ ] rechts neben jeder Formel?

Die Dimension beider Seiten der Gleichung in dieser Zeile, ausgedrückt in SI-Basiseinheiten (kg, m, s, K, mol, A). Eine Spannung ist zum Beispiel kg·m⁻¹·s⁻² (= Pa), dimensionslose Größen zeigen 1. So können Sie prüfen, ob die Einheit Ihres Ergebnisses stimmt. Bei allen Formeln hat ein Programm geprüft, dass beide Seiten dieselbe Dimension haben.

Wie viele Seiten ergibt der Druck der ausgewählten Formeln?

Nur mit Formeln und Symboltabellen passen 10–15 Formeln zweispaltig auf etwa ein bis zwei A4-Seiten. Mit „Auch Bedingungen und Beispiele drucken“ wird es länger. Kopfzeile, Anzeigen und Suchfeld werden nicht gedruckt, und die Seite bleibt auch lesbar, wenn in den Druckeinstellungen des Browsers die Hintergrundgrafiken ausgeschaltet sind.

Die Zahlen in den Beispielen weichen manchmal leicht vom Rechentrainer oder von den Rechnern ab.

Das liegt an unterschiedlich gerundeten Konstanten. Die Beispiele dieser Formelsammlung verwenden die Werte nach CODATA 2022 (R = 8,314462618 J/(mol·K) usw.), die Aufgaben des Rechentrainers nennen gerundete Werte wie R = 8,314. Der Unterschied liegt in der vierten Stelle oder dahinter. Die Stoffwerte sind dieselben wie in den Daten der Rechner.

Kann ich das als Formelblatt für eine Prüfung verwenden?

Ja. Wählen Sie die benötigten Formeln aus und drucken Sie sie mit „Nur Ausgewählte drucken“. Was Sie mitbringen dürfen (etwa ob Beispiele und Erklärungen erlaubt sind), hängt von der Prüfung ab; prüfen Sie daher die Regeln.

Fehlen Formeln?

Diese Sammlung enthält die Formeln der Aufgabentypen des Rechentrainers und der Rechner sowie häufig verwendete Lehrbuchformeln. Für Kristallsymmetrie, die Elastizitätstheorie der Versetzungen oder ausführliche Formeln zur Kinetik von Phasenumwandlungen ziehen Sie ein Lehrbuch heran.

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