Die Formeln aus Vorlesungen, Klausuren und Aufnahmeprüfungen der Materialwissenschaft, nach Gebieten geordnet. Zu jeder Formel finden Sie die Formelzeichen mit ihrer Bedeutung und SI-Einheit, Gültigkeitsbedingungen und -bereich, typische Fehler und ein Zahlenbeispiel; die Dimensionen beider Seiten wurden durchweg maschinell geprüft. Über die Links zu den Aufgabentypen des Rechentrainers und zu den Rechnern können Sie mit derselben Formel üben und rechnen.
Die Zahlen in den Beispielen stammen aus den Daten der Rechner dieser Website oder entsprechen Beispielaufgaben aus Lehrbüchern (die Quelle ist bei jeder Formel angegeben). Für die Auslegung von Bauteilen verwenden Sie Werte aus Normen und Werkstoffdatenblättern.
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Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Nur für kubische Gitter (kubisch primitiv, BCC, FCC, Diamantstruktur, NaCl-Typ usw.). Für tetragonale, hexagonale und andere Gitter gilt die nachfolgende Formel „Netzebenenabstand (tetragonal, orthorhombisch, hexagonal)“. Die Formel gibt den Abstand der Ebenenschar an und gilt rechnerisch auch für (hkl), deren Reflex nach den Auslöschungsregeln fehlt.
Typische Fehler
Die Wurzel vergessen oder durch h + k + l teilen. (100) und (200) verwechseln: Im BCC-Gitter ist der (100)-Reflex ausgelöscht und erscheint als (200) mit d/2. nm und Å verwechseln (1 Å = 0,1 nm).
Beispiel
Cu (FCC, a = 0,36146 nm), (111)-Ebenen: d = 0,36146/√3 = 0,2087 nm. Für BCC-Fe (a = 0,28665 nm), (110): 0,28665/√2 = 0,2027 nm.
1/d² = 4(h² + hk + k²)/(3a²) + l²/c²hexagonal[m⁻²]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
d
Netzebenenabstand
m
a, b, c
Gitterkonstanten (orthorhombisch a ≠ b ≠ c, tetragonal a = b)
m
h, k, l
Millersche Indizes (hexagonal: h, k, l der vierstelligen Indizes (hkil), i = −(h + k))
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Die erste Form gilt für Gitter mit rechtwinkligen Achsen (kubisch, tetragonal, orthorhombisch), die zweite für hexagonale Gitter (a-Achsen unter 120°, c-Achse senkrecht dazu). Monokline und trikline Gitter erfordern die allgemeine Formel mit den Achsenwinkeln (Metrik des reziproken Gitters). In der hexagonalen Form sind h, k, l die drei Indizes von (hkil) ohne i.
Typische Fehler
Das i der vierstelligen Indizes (10−11) in die Formel einsetzen (i ergibt sich aus h und k). Die kubische Form 1/d² = (h² + k² + l²)/a² auf hexagonale Kristalle anwenden. In einer tetragonalen Zelle a und c vertauschen.
Beispiel
Tetragonales β-Sn (a = 0,58318 nm; c = 0,31818 nm), (101): aus 1/d² = 1/a² + 1/c² folgt d = 0,2793 nm. Hexagonales Mg (a = 0,32094 nm; c = 0,52107 nm), (101) (vierstellig (10−11)): aus 1/d² = 4/(3a²) + 1/c² folgt d = 0,2452 nm.
Beugungsordnung (meist n = 1; die n-te Ordnung wird als erste Ordnung an Ebenen mit d/n behandelt)
1
λ
Wellenlänge der Röntgenstrahlung
m
d
Netzebenenabstand
m
θ
Bragg-Winkel (zwischen Strahl und Netzebenen; gemessen wird 2θ)
rad
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Bedingung für konstruktive Interferenz der an den Netzebenen gestreuten Wellen (kinematische Beugung). Ein Reflex existiert nur für λ ≤ 2d. Die Gleichung legt nur die Lage der Reflexe fest; die Intensitäten ergeben sich aus Strukturfaktor und LP-Faktor.
Typische Fehler
θ und 2θ verwechseln (Diffraktometer geben 2θ aus). Grad und Bogenmaß verwechseln. Kα1 mit der gemittelten Kα-Wellenlänge verwechseln. Einen Reflex einem nach den Auslöschungsregeln fehlenden (hkl) zuordnen.
Zahl der Atome je Elementarzelle (kubisch primitiv 1, BCC 2, FCC 4, Diamant 8, HCP-Sechseckprisma 6)
1
M
molare Masse (Atommasse × 10⁻³ kg/mol)
kg/mol
NA
Avogadro-Konstante
mol⁻¹
Vc
Volumen der Elementarzelle
m³
a
Gitterkonstante
m
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Dichte eines fehlerfreien Kristalls; reale Werkstoffe weichen durch Leerstellen, Poren und Verunreinigungen etwas ab. Bei Verbindungen ist n die Zahl der Formeleinheiten und M die Formelmasse (NaCl-Typ: 4 Paare Na⁺ und Cl⁻).
Typische Fehler
a in nm in die dritte Potenz erheben (für g/cm³ nm → cm mit × 10⁻⁷ umrechnen). M in g/mol mit m³ kombinieren (für kg/m³ muss M in kg/mol stehen). n für BCC und FCC vertauschen.
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: c/a
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Harte Kugeln berühren sich entlang der Würfelkante (kubisch primitiv), der Raumdiagonalen (BCC), der Flächendiagonalen (FCC) oder in der Basisebene (HCP). Der „Radius“ hängt von der Bindungsart ab (metallische Radien beziehen sich auf die Koordinationszahl 12).
Typische Fehler
Radius und Durchmesser verwechseln (4r in √3a = 4r sind zwei Durchmesser). Die Beziehungen für BCC und FCC vertauschen.
Beispiel
BCC-Fe (a = 0,28665 nm): r = √3a/4 = 0,1241 nm. FCC-Cu (a = 0,36146 nm): r = √2a/4 = 0,1278 nm.
Zahl der Atome (Ionen) mit dem Radius ri je Elementarzelle
1
ri
Atom- bzw. Ionenradius
m
Vc
Volumen der Elementarzelle
m³
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Modell harter Kugeln. Metalle: kubisch primitiv 0,524; BCC 0,680; FCC und HCP 0,740; Diamant 0,340. In Ionenkristallen ergibt sich a aus der Richtung, in der sich Kation und Anion berühren (NaCl-Typ entlang der Kante, CsCl-Typ entlang der Raumdiagonalen).
Typische Fehler
In Ionenkristallen a aus der Berührung der Anionen untereinander bestimmen (nur bei kleinem Radienverhältnis richtig). Beim NaCl-Typ nur 1 Ionenpaar je Zelle zählen statt 4.
Zahl der Atome mit Mittelpunkt auf der Ebene bzw. Linie (nach dem Anteil innerhalb des Schnitts gezählt)
1
A
Fläche der Ebene
m²
L
Länge der Linie
m
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Gezählt werden nur Atome, deren Mittelpunkt auf der Ebene (Linie) liegt. Zählt man im Schnitt einer Elementarzelle, werden Eck- und Kantenatome mit dem Anteil addiert, der im Schnitt liegt. Gleitebenen sind die am dichtesten belegten Ebenen, Gleitrichtungen die am dichtesten belegten Richtungen (FCC: {111}⟨110⟩; BCC: {110}⟨111⟩).
Typische Fehler
Auch Atome mitzählen, die die Ebene nur anschneiden. Für jede Ebene die Würfelfläche a² verwenden ((110) hat √2a², das (111)-Dreieck (√3/2)a²).
Beispiel
FCC-Al (a = 0,40496 nm), (111): Der Schnitt durch die Elementarzelle ist ein gleichseitiges Dreieck mit der Seitenlänge √2a (Fläche (√3/2)a² = 0,1420 nm²) und enthält 3 × 1/6 + 3 × 1/2 = 2 Atome. Flächenbelegung PD = 14,08 nm⁻². Linienbelegung in [110]: 2/(√2a) = 3,492 nm⁻¹.
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Gezählt wird im Sechseckprisma (drei primitive Elementarzellen): 12 Ecken × 1/6; 2 Grundflächen × 1/2; 3 im Inneren, zusammen 6 Atome. Die primitive Elementarzelle (Parallelepiped, (√3/2)a²c) enthält 2. Beides lässt sich direkt in die Formel der theoretischen Dichte einsetzen. Ideales c/a = √(8/3) = 1,633 (Mg 1,624; Zn 1,856; Ti 1,587).
Typische Fehler
Das Volumen des Prismas mit 2 Atomen oder die primitive Zelle mit 6 Atomen kombinieren (die Dichte ist dann um den Faktor 3 falsch).
Beispiel
Mg (a = 0,32094 nm; c = 0,52107 nm): c/a = 1,624 (nahe am Idealwert 1,633). Das Sechseckprisma (3√3/2)a²c = 1,394 × 10⁻²² cm³ enthält 6 Atome; mit M = 24,305 g/mol folgt ρ = 1,737 g/cm³ (Tabellenwert 1,74 g/cm³).
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: r/R, r/R, r/R
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Oktaeder- und Tetraederlücken dichtester Packungen (FCC, HCP) und die Würfelmitte des kubisch primitiven Gitters. In Ionenkristallen ist es das kleinste Radienverhältnis, bei dem das Kation die Anionen noch berührt, und ein Anhaltspunkt für die Koordinationszahl (0,225–0,414: 4; 0,414–0,732: 6; ab 0,732: 8). Die Lücken im BCC-Gitter sind verzerrt: Oktaederlücke 0,155; Tetraederlücke 0,291.
Typische Fehler
Für die Oktaederlücke im BCC-Gitter den FCC-Wert 0,414 verwenden. Die Radienverhältnisregel ist nur ein Anhaltspunkt und versagt bei Verbindungen mit stark kovalentem Bindungsanteil.
Beispiel
γ-Fe (FCC, a ≈ 0,3647 nm): R = √2a/4 = 0,1289 nm; die Kugel, die in die Oktaederlücke passt, hat r = (√2 − 1)R = 0,0534 nm. Ein Kohlenstoffatom (Radius etwa 0,071 nm) ist größer und drückt die umgebenden Atome auseinander.
Strukturfaktor (in Einheiten der Streuung eines Elektrons)
1
fj
Atomformfaktor des Atoms j (nimmt mit sinθ/λ ab)
1
h, k, l
Millersche Indizes
1
xj, yj, zj
Lage des Atoms j (fraktionelle Koordinaten, Gitterkonstante = 1)
1
I
integrale Intensität (relativ)
1
p
Multiplizität (Zahl der Ebenen mit gleichem d)
1
θ
Bragg-Winkel
rad
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Kinematische Intensitäten für ein regellos orientiertes Pulver in Bragg-Brentano-Geometrie mit unendlich dicker Probe, ohne Absorption und Extinktion. Der LP-Faktor (1 + cos²2θ)/(sin²θ cosθ) fasst Polarisations- und Lorentz-Faktor zusammen (mit Monochromator ändert sich seine Form). Der Temperaturfaktor exp(−2B sin²θ/λ²) schwächt hohe Winkel ab. Auslöschungsregeln: BCC bei ungeradem h + k + l, FCC bei gemischt geraden und ungeraden h, k, l ist F = 0.
Typische Fehler
Intensitäten mit F statt mit |F|² vergleichen. Die Multiplizität weglassen. Reflexe mit gleichem d (z. B. BCC (411) und (330)) getrennt zählen.
Beispiel
Für FCC ist F = 4f, wenn h, k, l alle gerade oder alle ungerade sind, sonst 0. Al mit Cu-Kα1: (111) bei 2θ = 38,47°; f = 8,96; F = 35,8; LP = 15,7; Multiplizität 8. (200) bei 2θ = 44,72°; f = 8,51; F = 34,0; LP = 11,2; Multiplizität 6. Intensitätsverhältnis I(200)/I(111) = 0,48 (ohne Temperaturfaktor und anomale Dispersion).
Kristallitgröße (volumengewichtetes Mittel senkrecht zu den Netzebenen)
m
K
Scherrer-Konstante (Formfaktor; 0,89–0,94; meist 0,9)
1
λ
Wellenlänge der Röntgenstrahlung
m
β
Verbreiterung durch die Kristallitgröße (Halbwertsbreite nach Abzug der Gerätebreite)
rad
θ
Bragg-Winkel
rad
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Wenn die Verbreiterung allein von der Kristallitgröße herrührt (den Beitrag der Dehnung trennt man mit Williamson-Hall). Brauchbar bis etwa 100 nm; darüber geht die Größenverbreiterung in der Gerätebreite unter. Die Gerätebreite βi zieht man bei Gauß-Profilen als β² = βm² − βi², bei Lorentz-Profilen als β = βm − βi ab.
Typische Fehler
β in Grad einsetzen (in Bogenmaß umrechnen). Den 2θ-Wert als θ in den Kosinus einsetzen. Die Gerätebreite nicht abziehen. Das Ergebnis ist die Größe der kohärent streuenden Bereiche (Kristallite), nicht unbedingt die Korngröße.
Reflexbreite (Halbwertsbreite nach Abzug der Gerätebreite)
rad
θ
Bragg-Winkel
rad
K
Scherrer-Konstante
1
λ
Wellenlänge
m
D
Kristallitgröße
m
ε
inhomogene Gitterdehnung (Mikrodehnung)
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Setzt voraus, dass die Verbreiterung durch die Größe (1/cosθ) und durch die Dehnung (tanθ) beide Lorentz-förmig sind und sich einfach addieren. Man trägt β cosθ über 4 sinθ auf: Der Achsenabschnitt liefert D, die Steigung ε. Bei elastisch stark anisotropen Werkstoffen streuen die Punkte; dann verwendet man das modifizierte W-H-Verfahren.
Typische Fehler
Über sinθ auftragen und vergessen, die Steigung durch 4 zu teilen (4ε statt ε). D angeben, obwohl der Achsenabschnitt negativ oder nahe null ist (keine messbare Größenverbreiterung).
Beispiel
Mit den fünf Ni-Reflexen aus dem Beispiel der XRD-Analyse-Werkbank (2θ = 44,5°–98,4°; Gerätebreite 0,08° als Gauß-Profil abgezogen) ergibt die Ausgleichsgerade von β cosθ über 4 sinθ den Achsenabschnitt 6,924 × 10⁻³ rad und die Steigung ε = 1,50 × 10⁻³ (= 0,150 %). D = Kλ/Achsenabschnitt = 0,9 × 0,15406/6,924 × 10⁻³ = 20,0 nm.
relative Änderung des Netzebenenabstands (Gitterdehnung)
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Differenzierte Bragg-Gleichung, gültig für kleine Δd/d. Gleichmäßige Dehnung (Eigenspannungen, gelöste Atome, Wärmeausdehnung) verschiebt die Reflexe, ungleichmäßige Dehnung verbreitert sie. Bei gleichem Δd/d wächst die Verschiebung mit dem Winkel; genaue Gitterkonstanten bestimmt man daher an Reflexen bei hohen Winkeln.
Typische Fehler
Vorzeichen: Ein aufgeweitetes Gitter verschiebt 2θ zu kleineren Werten. Das Ergebnis ist im Bogenmaß (für Grad × 180/π). 2θ statt θ einsetzen. Auch ein Höhenfehler der Probe (Nullpunktfehler) verschiebt die Reflexe.
Beispiel
Cu (111) (2θ = 43,32°; θ = 21,66°), Gitter um 0,1 % aufgeweitet (Δd/d = 1,0 × 10⁻³): Δ(2θ) ≈ −2 × 1,0 × 10⁻³ × tan 21,66° = −7,94 × 10⁻⁴ rad = −0,0455° (Verschiebung zu kleineren Winkeln).
Gitterkonstanten der reinen Stoffe A und B (gleiche Struktur)
m
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Erfahrungsregel für lückenlose Mischkristallreihen gleicher Kristallstruktur. Viele Legierungen weichen davon ab (nach oben oder unten gekrümmt); für eine genaue Bestimmung der Zusammensetzung verwendet man den gemessenen Zusammenhang des jeweiligen Systems. x ist ein Stoffmengenanteil, nicht wt%.
Typische Fehler
Für x wt% verwenden. Gitterkonstanten von Phasen mit unterschiedlicher Struktur verwenden.
Beispiel
Mischkristall aus Si (a = 0,54306 nm) und Ge (a = 0,56574 nm), gemessen a = 0,5500 nm: xGe = (0,5500 − 0,54306)/(0,56574 − 0,54306) = 0,306. Si–Ge weicht leicht nach unten von der Vegardschen Regel ab; für genaue Zusammensetzungen verwendet man eine korrigierte Beziehung.
F = C − P + 1konstanter Druck (kondensierte Systeme)[1]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
F
Zahl der Freiheitsgrade (intensive Variablen, die sich im Gleichgewicht unabhängig ändern lassen)
1
C
Zahl der Komponenten
1
P
Zahl der koexistierenden Phasen
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Nur im Gleichgewicht. Zustandsdiagramme von Metallen und Keramiken gelten meist für konstanten Druck; dann verwendet man die Form mit +1. Die Mengen der Phasen zählen nicht zu den Freiheitsgraden.
Typische Fehler
Gefügebestandteile (z. B. Perlit) als Phasen zählen. Für ein Diagramm bei konstantem Druck +2 verwenden. Die Regel auf Nichtgleichgewichtsgefüge (Martensit) anwenden.
Beispiel
Eutektischer Punkt von Pb–Sn bei konstantem Druck (C = 2; Phasen α, β und Schmelze, P = 3): F = 2 − 3 + 1 = 0, Temperatur und alle drei Zusammensetzungen liegen fest (183 °C). Im Zweiphasengebiet ist F = 1 (legt man die Temperatur fest, sind beide Zusammensetzungen bestimmt). Tripelpunkt des Wassers (Druck variabel, C = 1, P = 3): F = 1 − 3 + 2 = 0.
Enden der Konode (Zusammensetzungen der Phasen bei dieser Temperatur, wt%)
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Innerhalb eines Zweiphasengebiets im Gleichgewicht. Mit wt% erhält man Massenanteile, mit at% Stoffmengenanteile; für Volumenanteile rechnet man mit den Dichten der Phasen um. Auch die Anteile von Eutektikum oder voreutektoiden Gefügebestandteilen ergeben sich aus dem Hebelgesetz knapp über oder unter der Dreiphasenlinie.
Typische Fehler
Im Zähler den Hebelarm auf der Seite der gesuchten Phase verwenden (richtig ist der gegenüberliegende Arm). wt% und at% mischen. Die Zusammensetzung der Legierung statt des Konodenendes als Zusammensetzung einer Phase verwenden.
Beispiel
Cu–35 wt% Ni bei 1250 °C gehalten (Konodenenden CL = 31,5 wt%; Cα = 42,5 wt%): WL = (42,5 − 35)/(42,5 − 31,5) = 0,682; Wα = 0,318.
maximale Löslichkeit in α bei der eutektischen Temperatur (wt%)
1
CE
eutektische Zusammensetzung (wt%)
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Knapp unter der eutektischen Temperatur nach Erstarrung im Gleichgewicht. Bei übereutektischen Legierungen ersetzt man α durch β und Cα durch Cβ. Auch das Eutektikum selbst enthält α; die Menge der Phase α insgesamt ergibt sich daher aus einem eigenen Hebelgesetz mit Cβ.
Typische Fehler
Anteile der Gefügebestandteile (Primärkristalle, Eutektikum) mit Anteilen der Phasen (α, β) verwechseln. Bei schneller Erstarrung (nahe Scheil) entsteht Eutektikum auch bei Zusammensetzungen, bei denen es im Gleichgewicht fehlt.
Beispiel
Pb–40 wt% Sn (untereutektisch) knapp unter 183 °C: Eutektikum We = (40 − 18,3)/(61,9 − 18,3) = 0,498; primäres α 0,502. Als Phasen gezählt: β = (40 − 18,3)/(97,8 − 18,3) = 0,273; α = 0,727 (einschließlich des α im Eutektikum).
Massenanteile von voreutektoidem Ferrit und voreutektoidem Zementit
1
C₀
Kohlenstoffgehalt des Stahls (wt%)
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
System Fe–Fe₃C, langsam bis knapp unter 727 °C abgekühlt. Werte: eutektoider Punkt 0,76 wt% C; Löslichkeitsgrenze des Ferrits 0,022 wt%; Fe₃C 6,70 wt% (wie im Zustandsdiagramm und in den Fragen dieser Website; manche Lehrbücher verwenden 0,77 und 6,67).
Typische Fehler
Den Anteil des voreutektoiden Ferrits mit dem des gesamten Ferrits (einschließlich des Ferrits im Perlit) verwechseln. Die Formeln für unter- und übereutektoide Stähle vertauschen. Die Formeln auf schnelle Abkühlung wie beim Härten anwenden.
Beispiel
Stahl mit 0,40 wt% C (untereutektoid) knapp unter 727 °C: Perlit WP = (0,40 − 0,022)/(0,76 − 0,022) = 0,512; voreutektoider Ferrit 0,488. Ferrit als Phase (einschließlich des Ferrits im Perlit): (6,70 − 0,40)/(6,70 − 0,022) = 0,943. Bei 1,00 wt% C (übereutektoid) beträgt der voreutektoide Zementit (1,00 − 0,76)/(6,70 − 0,76) = 0,0404.
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Für zwei Komponenten; bei mehr Komponenten steht im Nenner die Summe über alle Komponenten. Eignet sich auch zur Kontrolle der Zusammensetzung von Verbindungen (Fe₃C: 6,70 wt% C = 25 at% C).
Typische Fehler
Die Atommassen von A und B vertauschen. wt% direkt als Verhältnis der Atomzahlen verwenden.
Beispiel
Pb–Sn-Eutektikum mit 61,9 wt% Sn (Pb 207,2 g/mol; Sn 118,71 g/mol): xSn = (61,9/118,71)/(61,9/118,71 + 38,1/207,2) = 73,9 at%.
Zusammensetzung des an der Phasengrenze erstarrenden Festkörpers (wt%)
1
CL
Zusammensetzung der Schmelze (wt%)
1
k
Verteilungskoeffizient Cs/CL (Verhältnis von Soliduslinie zu Liquiduslinie)
1
C₀
Zusammensetzung der Legierung (wt%)
1
fs, fL
Anteile von Festkörper und Schmelze
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Keine Diffusion im Festkörper, vollständige Durchmischung der Schmelze, lokales Gleichgewicht an der Phasengrenze und konstantes k (gerade Solidus- und Liquiduslinie). Damit schätzt man Seigerungen in Gussstücken und die Menge an Eutektikum, das im Gleichgewicht nicht entstünde. Für k < 1 ist die zuletzt erstarrende Schmelze am stärksten angereichert.
Typische Fehler
fs und fL vertauschen. k als Kehrwert (Liquidus zu Solidus) ansetzen. Das Ergebnis des Hebelgesetzes im Gleichgewicht erwarten (das Gleichgewicht setzt einen homogenen Festkörper voraus).
Beispiel
Al–4 wt% Cu (Zustandsdiagramm mit geraden Linien, k = 5,65/33,2 = 0,170): Bei halber Erstarrung (fs = 0,5) hat der Festkörper an der Phasengrenze Cs = 0,170 × 4 × 0,5^(−0,830) = 1,21 wt%. Die Schmelze erreicht die eutektische Zusammensetzung 33,2 wt% bei fL = (33,2/4)^(1/(k − 1)) = 0,0781: Etwa 7,8 % erstarren als Eutektikum, obwohl im Gleichgewicht keines entstünde.
ΔSmix = −R(xA ln xA + xB ln xB)[kg·m²·s⁻²·K⁻¹·mol⁻¹]
Tc = Ω/(2R)obere Grenze der Mischungslücke[K]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
ΔGmix
freie Mischungsenthalpie je Mol (Gibbs-Energie)
J/mol
ΔSmix
ideale Mischungsentropie
J/(mol·K)
Ω
Wechselwirkungsparameter (0: ideale Lösung; positiv: Neigung zur Entmischung)
J/mol
xA, xB
Stoffmengenanteile
1
R
Gaskonstante
J/(mol·K)
T
Temperatur
K
Tc
kritische Temperatur
K
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Statistische Verteilung der Atome, wobei sich nur die Mischungswärme als ΩxA xB schreiben lässt (reguläre Lösung). Für Ω > 2RT hat ΔGmix zwei Minima, und es kommt zur Entmischung in zwei Phasen (Mischungslücke, spinodale Entmischung).
Typische Fehler
log₁₀ statt ln verwenden. T in °C einsetzen. Das Minuszeichen von ΔSmix vergessen (ΔSmix ist positiv).
Beispiel
Ideale Lösung (Ω = 0), xB = 0,5; T = 1000 K: ΔGmix = RT(0,5 ln 0,5 × 2) = −5763 J/mol; ΔSmix = 5,763 J/(mol·K). Mit Ω = 20 kJ/mol beginnt die Entmischung in zwei Phasen unterhalb der kritischen Temperatur Tc = Ω/(2R) = 1203 K.
Keimbildungsbarriere (Arbeit zur Bildung des kritischen Keims)
J
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Kugelförmiger Keim, isotrope Grenzflächenenergie, kleines ΔT (ΔGv nahe Tm linear angenähert). Bei heterogener Keimbildung wird ΔG* mit der Funktion des Benetzungswinkels S(θ) = (2 + cosθ)(1 − cosθ)²/4 multipliziert und damit kleiner.
Typische Fehler
Unterschiedliche Vorzeichenkonventionen (Callister setzt ΔHf negativ an: r* = −2γTm/(ΔHf ΔT)). Die Schmelzwärme je Mol unverändert verwenden (durch das Molvolumen teilen). r* und Durchmesser verwechseln.
Beispiel
Reines Gold (Schmelzwärme Lv = 1,16 × 10⁹ J/m³; γ = 0,132 J/m²; Tm = 1337 K), um ΔT = 230 K unterkühlt: r* = 2 × 0,132 × 1337/(1,16 × 10⁹ × 230) = 1,32 nm; ΔG* = 9,68 × 10⁻¹⁹ J (dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 10 von Callister).
Geschwindigkeitskonstante (temperaturabhängig; die Einheit hängt von n ab)
s⁻ⁿ
t
Zeit
s
n
Avrami-Exponent (1–4, je nach Art von Keimbildung und Wachstum)
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: ktⁿ
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Isotherme Umwandlungen durch regellose Keimbildung und Wachstum (Rekristallisation, Perlitumwandlung usw.). Trägt man log(ln(1/(1 − y))) über log t auf, ist die Steigung n. Die Umwandlungsgeschwindigkeit wird oft als 1/t₀.₅ angegeben.
Typische Fehler
Für k die Einheit s⁻¹ annehmen (sie hängt von n ab). Die Gleichung unverändert auf eine Abkühlung mit veränderlicher Temperatur anwenden.
Beispiel
Mit n = 3 und der Halbwertszeit der Umwandlung t₀.₅ = 100 s ist k = ln 2/t₀.₅³ = 6,93 × 10⁻⁷ s⁻³. Nach 150 s ist y = 1 − exp(−k × 150³) = 0,904.
Aktivierungsenergie je Mol (je Atom: R durch k ersetzen)
J/mol
R
Gaskonstante 8,314
J/(mol·K)
T
absolute Temperatur
K
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: Q/RT
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Innerhalb eines Temperaturbereichs, in dem ein einziger Mechanismus (z. B. Volumendiffusion) bestimmend ist. Bei tiefen Temperaturen wirkt Diffusion entlang von Korngrenzen und Versetzungen, und das Arrhenius-Diagramm knickt ab. Über magnetische Umwandlungen oder Phasenumwandlungen hinweg (Fe) ändern sich D₀ und Q.
Typische Fehler
T in °C einsetzen. Q in kJ/mol durch R in J/(mol·K) teilen (Faktor 1000). eV/Atom und kJ/mol verwechseln (1 eV/Atom = 96,49 kJ/mol). Steigungen mit ln und log₁₀ verwechseln (mit log₁₀ ist die Steigung −Q/(2,303R)).
Beispiel
Kohlenstoff in γ-Fe (D₀ = 2,3 × 10⁻⁵ m²/s; Q = 148 kJ/mol) bei 1000 °C = 1273,15 K: Q/RT = 13,98; D = 1,95 × 10⁻¹¹ m²/s. Umgekehrt ergeben D = 5,92 × 10⁻¹² bei 900 °C und 5,39 × 10⁻¹¹ m²/s bei 1100 °C wieder Q = R ln(D₂/D₁)/(1/T₁ − 1/T₂) = 148,0 kJ/mol. Je Atom ist Q/NA = 1,53 eV.
Diffusionsstromdichte (Menge je Flächen- und Zeiteinheit)
kg/(m²·s)
D
Diffusionskoeffizient
m²/s
C
Konzentration (auch mol/m³ oder Atome/m³ möglich; die Einheit von J ändert sich entsprechend)
kg/m³
x
Ort
m
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Stationärer Zustand, in dem sich das Konzentrationsprofil nicht mit der Zeit ändert (z. B. Permeation von Wasserstoff durch eine Membran), mit konzentrationsunabhängigem D. Der Strom fließt von hoher zu niedriger Konzentration (Minuszeichen).
Typische Fehler
mm nicht in m umrechnen. Mit wt% rechnen (in Menge je Volumen umrechnen). Das Gesetz auf instationäre Aufgaben anwenden.
Beispiel
Stahlplatte bei 700 °C mit 1,2 kg/m³ Kohlenstoff in 5 mm und 0,8 kg/m³ in 10 mm Tiefe, D = 3 × 10⁻¹¹ m²/s (stationär): J = 3 × 10⁻¹¹ × (1,2 − 0,8)/(5 × 10⁻³) = 2,4 × 10⁻⁹ kg/(m²·s) (dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 5 von Callister).
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Allgemeine Gleichung, wenn sich das Konzentrationsprofil mit der Zeit ändert. Die Lösung hängt von den Randbedingungen ab: erfc für einen halbunendlichen Körper mit konstanter Oberflächenkonzentration, Gauß-Verteilung für eine feste Menge an der Oberfläche, erf für ein Diffusionspaar, Fourier-Reihen oder numerische Verfahren für eine Platte endlicher Dicke. Bei konzentrationsabhängigem D (Interdiffusion) braucht man die zweite Form.
Typische Fehler
Die erste Form mit vor die Ableitung gezogenem D verwenden, obwohl sich D stark ändert. Zwischen erfc- und Gauß-Lösung wählen, ohne die Randbedingungen zu prüfen.
Beispiel
Die Zeit, um Konzentrationsunterschiede über L = 50 µm (z. B. den Dendritenarmabstand) mit D = 1 × 10⁻¹³ m²/s auszugleichen, liegt in der Größenordnung L²/D = 2,5 × 10⁴ s (etwa 6,9 h). Nach der Form der Gleichung braucht die doppelte Strecke die vierfache Zeit.
C(x, t) = (CA + CB)/2 − ((CA − CB)/2) erf(x/(2√(Dt)))Diffusionspaar (Grenzfläche bei x = 0)[kg·m⁻³]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
Cx
Konzentration in der Tiefe x zur Zeit t
kg/m³
C₀
gleichmäßige Anfangskonzentration
kg/m³
Cs
Oberflächenkonzentration (konstant)
kg/m³
CA, CB
Anfangskonzentrationen links (x < 0) und rechts im Diffusionspaar
kg/m³
x
Abstand von der Oberfläche (Grenzfläche)
m
D
Diffusionskoeffizient (konstant)
m²/s
t
Zeit
s
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: x/(2√(Dt))
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Halbunendlicher Körper (Diffusionslänge √(Dt) viel kleiner als die Dicke), konstantes D, konstante Oberflächenkonzentration (bzw. konstante Konzentrationen weit beiderseits der Grenzfläche eines Diffusionspaars). Da die Gleichung ein Verhältnis enthält, kann man die Kohlenstoffgehalte beim Aufkohlen auch in wt% einsetzen.
Typische Fehler
erf und erfc (= 1 − erf) verwechseln. Die 2 in 2√(Dt) vergessen. Die Zeit in Stunden einsetzen. Cs − Cx als Nenner des Verhältnisses verwenden.
Beispiel
Ein Stahl mit 0,25 wt% C wird bei 950 °C (D = 1,10 × 10⁻¹¹ m²/s; dieselben Daten wie im Simulator für Diffusion und Oberflächenbehandlung) mit 1,20 wt% an der Oberfläche aufgekohlt, bis in 0,5 mm Tiefe 0,80 wt% erreicht sind: (0,80 − 0,25)/(1,20 − 0,25) = 0,5789 = 1 − erf z, also erf z = 0,4211; z = 0,3924; t = x²/(4z²D) = 3,69 × 10⁴ s = 10,2 h. Im Diffusionspaar ist an der Stelle x = √(Dt) (z = 0,5) C = (CA + CB)/2 − (CA − CB)/2 × erf 0,5, also ein Wert, der von CA aus um das 0,760-Fache der Differenz CA − CB in Richtung CB verschoben ist.
Tiefe, in der eine bestimmte Konzentration erreicht wird
m
D
Diffusionskoeffizient
m²/s
t
Zeit
s
Q
Aktivierungsenergie
J/mol
R
Gaskonstante
J/(mol·K)
T₁, T₂
Temperaturen
K
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Bei gleichen Randbedingungen (z. B. gleicher Oberflächenkonzentration), wenn das Konzentrationsprofil wie bei der Fehlerfunktions- oder der Gauß-Lösung nur von x/√(Dt) abhängt. Für die doppelte Tiefe braucht man die vierfache Zeit.
Typische Fehler
Die Tiefe proportional zur Zeit ansetzen (die Wurzel vergessen). Bei der Umrechnung T₁ und T₂ vertauschen (bei höherer Temperatur ist die Zeit kürzer).
Beispiel
Cu in Al (D₀ = 6,5 × 10⁻⁵ m²/s; Q = 136 kJ/mol): D = 4,22 × 10⁻¹⁴ bei 500 °C und 4,75 × 10⁻¹³ m²/s bei 600 °C. Um dieselbe Tiefe wie nach 10 h bei 500 °C zu erreichen, braucht man bei 600 °C t = 10 h × D₅₀₀/D₆₀₀ = 0,887 h. Für 10 h bei 500 °C ist √(Dt) = 39,0 µm.
Konzentration (Teilchenzahldichte; auch kg/m³ möglich)
m⁻³
M
anfangs an der Oberfläche aufgebrachte Menge je Flächeneinheit (bleibt erhalten)
m⁻²
D
Diffusionskoeffizient
m²/s
t
Zeit
s
x
Tiefe unter der Oberfläche
m
xj
Tiefe, in der C gleich der Grundkonzentration CB ist
m
CB
Grundkonzentration (Substrat)
m⁻³
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: x²/(4Dt)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Eine feste, anfangs dünn an der Oberfläche aufgebrachte Menge M, die weder zu- noch abnimmt (kein Strom durch die Oberfläche) und sich in einen halbunendlichen Körper ausbreitet: Eintreiben (Drive-in) in der Halbleitertechnik, Tracerdiffusion. Für eine dünne Schicht im Inneren eines unendlichen Körpers, die sich nach beiden Seiten ausbreitet, gilt M/(2√(πDt)).
Typische Fehler
Die Vorfaktoren für den halbunendlichen und den unendlichen Körper verwechseln (1/√(πDt) und 1/(2√(πDt))). cm und m verwechseln (10¹⁴ cm⁻² = 10¹⁸ m⁻²; 1 cm²/s = 10⁻⁴ m²/s).
Beispiel
Bor in Si (D₀ = 0,76 cm²/s; Ea = 3,46 eV), 1 h bei 1100 °C eingetrieben (D = 1,52 × 10⁻¹⁷ m²/s), Menge M = 5 × 10¹⁸ m⁻² (5 × 10¹⁴ cm⁻²): Oberflächenkonzentration M/√(πDt) = 1,21 × 10²⁵ m⁻³. Die Tiefe, in der die Konzentration der Grundkonzentration 10²¹ m⁻³ gleich ist (Übergangstiefe), beträgt xj = √(4Dt ln(C(0)/CB)) = 1,43 µm.
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Löst das 2. Ficksche Gesetz in einer Dimension bei konstantem D mit Vorwärtsdifferenz in der Zeit und zentraler Differenz im Ort. Für r > 1/2 schwingt die Lösung und divergiert. Verwendet für Bedingungen ohne analytische Lösung (Platten endlicher Dicke, veränderliche Oberflächenkonzentration usw.).
Typische Fehler
Das Gitter verfeinern, ohne Δt zu verkleinern (bei halbem Δx braucht man ein Viertel von Δt).
Beispiel
D = 1 × 10⁻¹¹ m²/s; Δx = 10 µm: Δt ≤ Δx²/(2D) = 5,0 s. Der Simulator für Diffusion und Oberflächenbehandlung rechnet mit Sicherheitsabstand mit r = 0,4 (Δt = 4,0 s).
Bildungsenergie einer Leerstelle (je Leerstelle; oft in eV angegeben)
J
k
Boltzmann-Konstante (8,617 × 10⁻⁵ eV/K)
J/K
T
absolute Temperatur
K
NA
Avogadro-Konstante
mol⁻¹
ρ
Dichte
kg/m³
A
molare Masse
kg/mol
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: Qv/kT
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Leerstellen im thermischen Gleichgewicht; der Faktor der Bildungsentropie exp(Sv/k) (etwa 1–10) ist weggelassen. In abgeschreckten Proben bleiben die Leerstellen der hohen Temperatur erhalten.
Typische Fehler
Qv in eV durch k in J/K teilen (k in eV/K verwenden). T in °C einsetzen. Den Faktor 10⁶ bei der Umrechnung von ρ in g/cm³ auf m⁻³ vergessen.
Beispiel
Cu bei 1000 °C (ρ = 8,4 g/cm³; A = 63,5 g/mol; Qv = 0,9 eV): N = NA ρ/A = 7,97 × 10²⁸ m⁻³; Qv/kT = 8,203; Nv = 2,2 × 10²⁵ m⁻³ (dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 4 von Callister). Auf 3653 Atome kommt eine Leerstelle.
Nenner des Vorfaktors (bei vollständigen Versetzungen in FCC und BCC 2)
1
u, v, w
Richtungsindizes
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Bei vollständigen Versetzungen ist b die kürzeste Gittertranslation zwischen nächsten Nachbaratomen (FCC a/2⟨110⟩, BCC a/2⟨111⟩, HCP a/3⟨11−20⟩ mit |b| = a). Die Shockley-Partialversetzung a/6⟨112⟩ im FCC-Gitter hat |b| = a/√6.
Typische Fehler
Den Faktor 1/2 in a/2⟨110⟩ vergessen und √2a erhalten. Die Richtungen für BCC und FCC vertauschen.
Beispiel
FCC-Cu (a = 0,36146 nm), a/2⟨110⟩: |b| = a/√2 = 0,2556 nm (gleich dem Abstand nächster Nachbarn). BCC-Fe (a = 0,28665 nm), a/2⟨111⟩: |b| = √3a/2 = 0,2482 nm.
Zahl der Körner je Flächeneinheit in Originalgröße
m⁻²
N₀
15,50 mm⁻² (entspricht 1 Korn je Quadratzoll bei 100-facher Vergrößerung)
m⁻²
G
ASTM-Korngrößenkennzahl
1
ℓ̄
mittlere Sehnenlänge (Linienschnittverfahren)
m
ℓ₀
0,320 mm (Sehnenlänge bei G = 0)
m
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Umrechnungen nach ASTM E112. Die ursprüngliche Definition ist N = 2G−1 (Zahl der Körner je Quadratzoll im Bild bei 100-facher Vergrößerung). JIS G 0551 (ISO 643) verwendet m = 8 × 2G je mm², was für dasselbe Gefüge eine um etwa 0,05 kleinere Kennzahl ergibt. Die Umrechnung der Korngröße in einen Durchmesser (etwa d ≈ ℓ̄) ist eine Konvention.
Typische Fehler
Eine größere Kennzahl bedeutet feinere Körner. Zählungen aus Bildern mit anderer als 100-facher Vergrößerung direkt verwenden (auf Originalgröße umrechnen).
Beispiel
Korngrößenkennzahl G = 6: bei 100-facher Vergrößerung 2⁵ = 32 Körner je Quadratzoll, in Originalgröße NA = 15,50 × 32 = 496 mm⁻². Mittlere Sehnenlänge ℓ̄ = 0,3200 × 2^(−3) = 40,0 µm.
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Linear-elastisches Verhalten (unterhalb der Proportionalitätsgrenze), kleine Dehnungen, einachsiger Zug oder Druck eines Stabs mit gleichbleibendem Querschnitt. Nach dem Fließbeginn gilt die Formel nicht mehr. Bei Stäben mit wechselndem Querschnitt berechnet man die Verlängerung abschnittsweise und addiert sie.
Typische Fehler
Den Durchmesser als Radius verwenden (πd² ist viermal zu groß). MPa und GPa verwechseln (N/mm² und kN/mm²). Die Formel bei Lasten oberhalb der Streckgrenze verwenden.
Beispiel
Ein Cu-Stab wird mit σ = 276 MPa gezogen (l₀ = 305 mm; E = 110 GPa; elastisch): ε = 276/110000 = 2,51 × 10⁻³; Δl = εl₀ = 0,765 mm. Bei einem Stab mit 10 mm Durchmesser ist F = σA = 276 × 78,54 = 21,68 kN.
Querkontraktionszahl (Metalle 0,26–0,35; Gummi nahe 0,5)
1
εz
Dehnung in Lastrichtung
1
εx
Querdehnung
1
d₀, Δd
Anfangsdurchmesser und seine Änderung
m
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Isotropes, linear-elastisches Verhalten. Bei plastischer Verformung bleibt das Volumen nahezu konstant, sodass sich das scheinbare Verhältnis 0,5 nähert.
Typische Fehler
Vorzeichen (unter Zug nimmt der Durchmesser ab). Die Durchmesseränderung als Radiusänderung behandeln.
Beispiel
Kraft, die den Durchmesser eines Messingstabs (d₀ = 10 mm; ν = 0,34; E = 97 GPa) um 2,5 µm verringert: εx = −2,5 × 10⁻⁴; εz = −εx/ν = 7,35 × 10⁻⁴; σ = Eεz = 71,3 MPa; F = σπd₀²/4 = 5602 N (dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 6 von Callister).
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Nur für isotrope Körper (zwei unabhängige Konstanten). Gilt nicht für anisotrope Körper wie Einkristalle oder faserverstärkte Werkstoffe. Bei Wärmedehnung addiert man αΔT. Für ν → 0,5 geht K → ∞ (inkompressibel).
Typische Fehler
Die Beziehungen auf anisotrope Werkstoffe anwenden (Si-Wafer, CFK). Weicht ein gemessener Tabellenwert G von E/(2(1 + ν)) ab, liegt das an Textur oder unterschiedlichen Messverfahren.
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Die Formen mit (1 + ε) setzen konstantes Volumen voraus und gelten nur bis zum Beginn der Einschnürung (Gleichmaßdehnung). Nach der Einschnürung verwendet man σT = F/Ai mit dem tatsächlich gemessenen kleinsten Querschnitt (dazu kommt noch die Korrektur der Mehrachsigkeit nach Bridgman).
Typische Fehler
σ(1 + ε) auch nach der Einschnürung verwenden. Bei Druck ist ε negativ und σT kleiner. Die wahre Dehnung mit log₁₀ berechnen.
Beispiel
Technische Spannung 400 MPa bei einer technischen Dehnung von 0,20 (vor der Einschnürung): σT = 400 × 1,20 = 480 MPa; εT = ln 1,20 = 0,182.
Querschnitt an der Bruchstelle und Anfangsquerschnitt
m²
εT,f
wahre Bruchdehnung
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
%EL hängt von der Messlänge ab (der Anteil des Einschnürbereichs ist unterschiedlich); man gibt daher die Probennorm an (z. B. japanische Norm JIS 14A, ASTM mit 50 mm). %RA hängt nicht von der Messlänge ab.
Typische Fehler
Die Brucheinschnürung aus dem Verhältnis der Durchmesser berechnen (die Fläche geht mit dem Quadrat). Die wahre Bruchspannung mit dem Anfangsquerschnitt berechnen.
Beispiel
Eine Stahlprobe mit 12,8 mm Durchmesser bricht bei einer technischen Spannung von 460 MPa; der Durchmesser an der Bruchstelle beträgt 10,7 mm: %RA = (128,7 − 89,9)/128,7 × 100 = 30,1 %; wahre Bruchdehnung ln(A₀/Af) = 0,358; wahre Bruchspannung = 460 × A₀/Af = 658 MPa (dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 6 von Callister).
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Gleichmäßige plastische Verformung zwischen Fließbeginn und Einschnürung. n und K bestimmt man in dem Bereich, in dem die doppelt logarithmische Auftragung eine Gerade ergibt. Aus der Einschnürbedingung dσT/dεT = σT folgt εT = n.
Typische Fehler
Mit technischer Spannung und Dehnung anpassen. Annehmen, n hänge davon ab, ob man log₁₀ oder ln verwendet (als Verhältnis ist es dasselbe).
Beispiel
Eine Legierung mit K = 1035 MPa zeigt bei einer wahren Dehnung von 0,10 eine wahre Spannung von 415 MPa: n = ln(415/1035)/ln 0,10 = 0,40. Die Einschnürung beginnt bei εT = n ≈ 0,40.
Resilienzmodul (bis zur Streckgrenze je Volumen gespeicherte elastische Energie)
J/m³
σy
Streckgrenze
Pa
E
Elastizitätsmodul
Pa
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Linear-elastisch bis zur Streckgrenze. Für Federn wählt man Werkstoffe mit großem Ur (hohe Streckgrenze σy, niedriger E-Modul). Nicht dasselbe wie die Zähigkeit (Fläche bis zum Bruch).
Typische Fehler
Übersehen, dass 1 J/m³ = 1 Pa ist. Mit der Zähigkeit verwechseln.
Beispiel
Stahl mit σy = 350 MPa und E = 207 GPa: Ur = (350 × 10⁶)²/(2 × 207 × 10⁹) = 2,96 × 10⁵ J/m³ (= 296 kJ/m³).
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Vielkristalle mit Korngrößen über etwa 10 nm; feinere Körner können wieder weicher werden (inverse Hall-Petch-Beziehung). Verglichen werden geglühte Zustände mit gleicher Ausscheidung und Textur.
Typische Fehler
d in µm mit ky in MPa·√m kombinieren (in m umrechnen). Über d statt über 1/√d auftragen. Die Korngrößenkennzahl mit dem Korndurchmesser verwechseln.
Beispiel
Stahl mit σ₀ = 70 MPa und ky = 0,74 MPa·√m: Bei d = 20 µm ist σy = 70 + 0,74/√(2 × 10⁻⁵) = 235,5 MPa; bei d = 5 µm 400,9 MPa. Ein Viertel der Korngröße verdoppelt den ky-Term.
Schubspannung im Gleitsystem (aufgelöste Schubspannung)
Pa
σ
Zugspannung
Pa
φ
Winkel zwischen Zugachse und Normale der Gleitebene
rad
λ
Winkel zwischen Zugachse und Gleitrichtung
rad
τCRSS
kritische Schubspannung
Pa
σy
Fließspannung
Pa
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Einkristalle unter einachsigem Zug oder Druck. Von den Gleitsystemen beginnt dasjenige mit dem größten Schmid-Faktor cosφ cosλ (höchstens 0,5) als erstes zu gleiten. In kubischen Kristallen erhält man den Kosinus aus dem Skalarprodukt der Indizes: cosφ = (Achse · Normale)/(|Achse||Normale|).
Typische Fehler
φ + λ = 90° annehmen (gilt im Allgemeinen nicht). Eine Gleitrichtung wählen, die nicht in der Gleitebene liegt. Den Sinus verwenden.
Beispiel
Ein BCC-Fe-Einkristall wird in [010] mit 52 MPa gezogen; Gleitsystem (110)[−111]: cosφ = 1/√2 = 0,7071 (φ = 45°); cosλ = 1/√3 = 0,5774 (λ = 54,7°); τR = 52 × 0,7071 × 0,5774 = 21,2 MPa. Bei einer kritischen Schubspannung von 30 MPa beträgt die Fließspannung 30/0,4082 = 73,5 MPa (dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 7 von Callister).
Materialindex (je größer, desto leichter bei gleicher Funktion; die Einheit hängt vom Index ab)
—
E
Elastizitätsmodul
Pa
σf
Versagensfestigkeit (Bruch- bzw. Streckgrenze)
Pa
ρ
Dichte
kg/m³
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Minimale Masse, wenn die Querschnittsabmessungen frei gewählt werden dürfen. Der Index hängt von Bauteilform, Belastungsart und den festgehaltenen Größen ab. Im Werkstoffschaubild sind die Werkstoffe oberhalb der Geraden konstanten Index (Steigungen 1; 2; 3) die Kandidaten.
Typische Fehler
Für einen Balken E/ρ verwenden (Balken: √E/ρ). Indizes mit uneinheitlichen Einheiten vergleichen.
Beispiel
Leichter, biegesteifer Balken (Index √E/ρ; E in GPa, ρ in g/cm³): Al-Legierung √70/2,70 = 3,10; Stahl √210/7,85 = 1,85. Bei gleicher Biegesteifigkeit wiegt der Al-Balken 1/1,68 des Stahlbalkens. Für einen Zugstab (E/ρ) sind beide fast gleich (25,9 und 26,8).
Höchstspannung an der Spitze des Risses (der Kerbe)
Pa
σ₀
Nennspannung fern vom Riss
Pa
a
Tiefe eines Oberflächenrisses (bei einem inneren Riss die halbe Länge)
m
ρt
Krümmungsradius an der Spitze
m
Kt
Kerbformzahl (Formzahl)
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: a/ρt
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Elliptisches Loch in einer unendlich ausgedehnten Platte, senkrecht zur großen Achse auf Zug belastet, linear-elastisch. Bei scharfen Rissen (ρt → 0) wird die Spannung unendlich; dann arbeitet man mit dem Spannungsintensitätsfaktor K. Für Kt realer Bauteile verwendet man die Diagramme für die jeweilige Geometrie.
Typische Fehler
Bei einem inneren Riss die ganze Länge für a einsetzen (halbe Länge verwenden). a und ρt nicht in derselben Einheit einsetzen (mm und µm).
Beispiel
Oberflächenriss der Tiefe a = 0,5 mm mit dem Spitzenradius ρt = 5 µm unter σ₀ = 100 MPa: a/ρt = 100; Kt = 1 + 2√100 = 21,0; σmax = 2100 MPa (die Näherung 2σ₀√(a/ρt) ergibt 2000 MPa).
Tiefe eines Oberflächenrisses (bei einem inneren Riss die halbe Länge)
m
ν
Querkontraktionszahl
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Ideal spröde Werkstoffe wie Glas. In Metallen ist die plastische Arbeit γp tausendfach größer als γs; man verwendet daher die Form, in der 2γs durch Gc (Bruchzähigkeit) ersetzt ist (die Form mit KIC).
Typische Fehler
Bei Metallen nur mit γs rechnen (die Bruchspannung wird viel zu klein). Die 2 in 2γs vergessen.
Beispiel
Glasplatte (E = 69 GPa; Oberflächenenergie γs = 0,3 J/m²) unter 40 MPa Zug: größter zulässiger Oberflächenriss a = 2Eγs/(πσ²) = 8,2 µm.
Geometriefaktor (Mittenriss in unendlicher Platte 1,0; Oberflächenriss ≈ 1,12)
1
σ
Nennspannung
Pa
a
Tiefe eines Oberflächenrisses bzw. halbe Länge eines inneren Risses
m
KIC
Bruchzähigkeit im ebenen Dehnungszustand
Pa·√m
ac
kritische Rissgröße
m
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Linear-elastische Bruchmechanik (LEBM): Die plastische Zone an der Rissspitze ist klein gegenüber Riss und Bauteilquerschnitt (Kleinbereichsfließen). Liegt die Bruchspannung nahe der Streckgrenze, fließt das Bauteil zuerst (Fließen vor Bruch). KIC ist der Wert, der bei einer Dicke für den ebenen Dehnungszustand gemessen wurde (E399).
Typische Fehler
Bei einem inneren Riss die ganze Länge für a einsetzen. a in mm unter die Wurzel setzen (für MPa·√m in m). Y stets gleich 1 annehmen.
Beispiel
Oberflächenriss (Y = 1,12) in Stahl mit KIC = 60 MPa·√m: Bei 300 MPa beträgt die kritische Risstiefe ac = (1/π)(60/(1,12 × 300))² = 10,2 mm. Mit einem 5 mm tiefen Riss ist die Bruchspannung σc = 60/(1,12√(π × 0,005)) = 427 MPa.
Energiefreisetzungsrate (frei werdende Energie je Flächeneinheit Rissfortschritt)
J/m²
K
Spannungsintensitätsfaktor
Pa·√m
E
Elastizitätsmodul
Pa
ν
Querkontraktionszahl
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Linear-elastisch, Modus I. Der Riss wächst, wenn G ≥ Gc (die verallgemeinerte Griffith-Bedingung). Bei gemischten Modi gilt G = (KI² + KII²)(1 − ν²)/E + KIII²(1 + ν)/E.
Typische Fehler
Ebenen Spannungs- und ebenen Dehnungszustand verwechseln. K in MPa·√m einsetzen, ohne in Pa·√m umzurechnen.
rp = (1/(2π))(K/σy)²plastische Zone im ebenen Spannungszustand (Irwin)[m]
B, a ≥ 2,5(KIC/σy)²Gültigkeit des ebenen Dehnungszustands[m]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
rp
Größe der plastischen Zone an der Rissspitze
m
K, KIC
Spannungsintensitätsfaktor, Bruchzähigkeit im ebenen Dehnungszustand
Pa·√m
σy
Streckgrenze
Pa
B, a
Probendicke, Risslänge
m
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Abschätzung erster Ordnung nach Irwin (im ebenen Dehnungszustand etwa ein Drittel). 2,5(KIC/σy)² ist die Gültigkeitsbedingung nach ASTM E399; dünnere Proben nähern sich dem ebenen Spannungszustand und zeigen eine höhere scheinbare Zähigkeit.
Typische Fehler
rp als Durchmesser behandeln. Einen an dünnem Blech gemessenen Wert als KIC bezeichnen.
Beispiel
K = 50 MPa·√m; σy = 500 MPa: plastische Zone im ebenen Spannungszustand rp = (1/2π)(50/500)² = 1,59 mm (im ebenen Dehnungszustand etwa ein Drittel). Für eine gültige KIC-Messung müssen Dicke und Risslänge mindestens 2,5(KIC/σy)² = 25,0 mm betragen.
Spannungsschwingbreite (der Druckanteil wird meist nicht gezählt)
Pa
Y
Geometriefaktor
1
a, a₀, ac
Rissgröße (Anfangs-, kritische)
m
Nf
Lastwechselzahl bis zum Bruch
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Bereich II des Risswachstums: oberhalb des Schwellenwerts von ΔK, mit Kmax deutlich unterhalb von KIC. Diese Form enthält keinen Einfluss der Mittelspannung (R). Ändert sich Y mit der Risslänge, integriert man numerisch.
Typische Fehler
C verwenden, ohne zu prüfen, auf welche Einheiten es sich bezieht (MPa·√m und m?). Kmax statt ΔK einsetzen. Den Fall m = 2 mit derselben Formel integrieren (er ergibt eine logarithmische Form).
Beispiel
Δσ = 100 MPa (Druckanteil nicht gezählt); Anfangsoberflächenriss 2,0 mm; KIC = 25 MPa·√m; Y = 1,0; C = 1,0 × 10⁻¹²; m = 3 (Einheiten MPa·√m und m): kritische Risslänge ac = (1/π)(25/100)² = 19,9 mm; Nf = [ac^(−1/2) − a₀^(−1/2)]/[C(Δσ√π)³(−1/2)] = 5,48 × 10⁶ Lastwechsel (dieselben Bedingungen wie im Beispiel in Kapitel 8 von Callister).
Umkehrpunkte bis zum Bruch (doppelte Lastwechselzahl)
1
b
Schwingfestigkeitsexponent (−0,05 bis −0,12)
1
Δε/2
Dehnungsamplitude
1
E
Elastizitätsmodul
Pa
εf′
zyklischer Duktilitätskoeffizient
1
c
zyklischer Duktilitätsexponent (−0,5 bis −0,7)
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Wechselbeanspruchung ohne Mittelspannung mit konstanter Amplitude an glatten Proben. Bei hohen Lastwechselzahlen überwiegt der elastische Term, unterhalb von etwa 10⁴ Lastwechseln der plastische. Mittelspannungen berücksichtigt man mit Korrekturen wie der nach Morrow, veränderliche Lasten in Kombination mit der Miner-Regel.
Typische Fehler
Umkehrpunkte 2Nf und Lastwechsel Nf verwechseln. Amplitude und Schwingbreite (Faktor 2) verwechseln.
Beispiel
Angenommene Konstanten σf′ = 1000 MPa; b = −0,09; εf′ = 0,6; c = −0,6; E = 200 GPa: Bei Nf = 10⁴ Lastwechseln ist die Dehnungsamplitude elastisch 2,05 × 10⁻³ + plastisch 1,58 × 10⁻³ = 3,63 × 10⁻³. Übergangslebensdauer, bei der elastischer und plastischer Anteil gleich sind: Nt = 5968 Lastwechsel. Eine Spannungsamplitude von 400 MPa (hohe Lastwechselzahl) ergibt nach Basquin Nf = (400/1000)^(1/b)/2 = 1,32 × 10⁴ Lastwechsel.
Dauerfestigkeit bei Wechselbeanspruchung (oder Schwingfestigkeit bei N Lastwechseln)
Pa
σu
Zugfestigkeit
Pa
σmax, σmin
Ober- und Unterspannung
Pa
R
Spannungsverhältnis
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: σa/σe, σm/σu
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Lineare Abschätzung auf der sicheren Seite dafür, wie eine Zugmittelspannung die Schwingfestigkeit senkt. Bei duktilen Werkstoffen passt die Parabel nach Gerber ((σm/σu)²) besser zu Messwerten; ist das Fließen maßgebend, verwendet man Soderberg (σy statt σu). Druckmittelspannungen werden meist nicht angerechnet.
Typische Fehler
Die Schwingbreite als Amplitude einsetzen (halbieren). R = −1 (Wechselbeanspruchung) und R = 0 (Zugschwellbeanspruchung) verwechseln.
Lebensdauer bei alleiniger Beanspruchung auf Niveau i
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Näherung, die den Einfluss der Lastreihenfolge vernachlässigt. Werden zuerst hohe, dann niedrige Spannungen aufgebracht, tritt der Bruch eher bei D < 1 ein; bei umgekehrter Reihenfolge kann D > 1 werden. In der Auslegung begrenzt man D manchmal auf etwa 0,3–0,5.
Typische Fehler
Lastwechsel unterhalb der Dauerfestigkeit nicht zählen oder Ni = ∞ setzen (wächst ein Riss, schädigen auch niedrige Spannungen).
Beispiel
2 × 10⁴ Lastwechsel auf einem Niveau mit der Lebensdauer 10⁵ (0,2) und 3 × 10⁵ Lastwechsel auf einem Niveau mit 10⁶ (0,3): Schadenssumme D = 0,50. Auf einem Niveau mit der Lebensdauer 10⁷ verbleiben noch (1 − 0,50) × 10⁷ = 5,0 × 10⁶ Lastwechsel.
Skalenparameter (Spannung, bei der im Volumen V₀ 63,2 % brechen)
Pa
m
Weibull-Modul (je größer, desto geringer die Streuung; Keramik 5–20)
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Spröde Werkstoffe, die an der schwächsten Stelle versagen (Modell des schwächsten Glieds), hier für gleichmäßigen Zug über das Volumen geschrieben; bei ungleichmäßiger Spannung wie unter Biegung verwendet man das effektive Volumen. m ist die Steigung der Geraden von ln ln(1/(1 − Pf)) über ln σ.
Typische Fehler
Biegefestigkeiten unverändert auf zugbeanspruchte Bauteile übertragen (das effektive Volumen ist anders). Pf mit der Überlebenswahrscheinlichkeit Ps = 1 − Pf verwechseln.
Beispiel
Keramik mit dem Weibull-Modul m = 10 und σ₀ = 300 MPa (Probenvolumen V₀) bei 200 MPa: Pf = 1 − exp[−(200/300)¹⁰] = 0,0172. Bei einem Bauteil mit zehnfachem Volumen sinkt die Spannung für dieselbe Bruchwahrscheinlichkeit auf das (1/10)^(1/10) = 0,794-Fache.
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Wenn α im betrachteten Temperaturbereich als konstant gelten kann (über einen weiten Bereich α(T) integrieren). Die Beziehung 3α für das Volumen gilt nur für isotrope Werkstoffe (bei anisotropen Kristallen und Faserverbunden je nach Richtung verschieden).
Typische Fehler
Den Faktor 10⁻⁶ in 10⁻⁶ K⁻¹ vergessen. Mit einer absoluten Temperatur statt einer Temperaturdifferenz multiplizieren. Eine Differenz in °C ist gleich einer Differenz in K (ΔT darf in beiden Einheiten stehen).
Beispiel
Messingdraht (α = 20 × 10⁻⁶ K⁻¹), 15 m lang, von 40 °C auf −9 °C abgekühlt: ΔL = 20 × 10⁻⁶ × 15 × (−49) = −1,47 × 10⁻² m = −14,7 mm (Verkürzung). Das Volumen nimmt mit 3α um 0,29 % ab.
Temperaturänderung gegenüber dem spannungsfreien Zustand
K
ν
Querkontraktionszahl
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Vollständig behinderte Ausdehnung (Gesamtdehnung null), linear-elastisch. Erwärmen erzeugt Druck-, Abkühlen Zugspannungen. Bei teilweiser Behinderung oder ortsabhängiger Temperatur siehe die Formeln im Labor für Wärmeausdehnung und Wärmespannung.
Typische Fehler
Vorzeichen verwechseln. Für eine Platte (zweiachsig) die einachsige Formel verwenden. Werte oberhalb der Streckgrenze unverändert verwenden.
Beispiel
Messingstab, an beiden Enden eingespannt (E = 100 GPa; α = 20 × 10⁻⁶ K⁻¹), von 20 °C aus erwärmt: Damit die Druckspannung höchstens 172 MPa erreicht, darf ΔT = 172/(100000 × 20 × 10⁻⁶) = 86,0 K betragen, also T = 106 °C. In einer zweiachsig behinderten Platte (ν = 0,35) ist die Spannung bei gleichem ΔT um den Faktor 1/(1 − ν) = 1,54 größer.
Wärmespannung in der Schicht (gleichmäßig zweiachsig, Zug positiv)
Pa
Ef/(1 − νf)
biaxialer Modul der Schicht
Pa
αs, αf
Längenausdehnungskoeffizienten von Substrat und Schicht
K⁻¹
ΔT
Temperaturänderung gegenüber der spannungsfreien Temperatur (beim Abkühlen negativ)
K
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Schicht viel dünner als das Substrat (das Substrat verformt sich nicht), in der Schichtebene isotrop, linear-elastisch. Die Beschichtungstemperatur gilt als spannungsfrei (Eigenspannungen aus dem Schichtwachstum werden gesondert addiert).
Typische Fehler
Die Reihenfolge in (αf − αs) und (αs − αf) verwechseln. 1 − ν weglassen (einachsige Form). Die Anisotropie einkristalliner Substrate und Schichten vernachlässigen.
Beispiel
Al-Schicht (Ef = 70 GPa; νf = 0,33; αf = 23,1 × 10⁻⁶ K⁻¹) auf einem Si-Substrat (αs = 2,6 × 10⁻⁶ K⁻¹), bei 400 °C spannungsfrei, auf 25 °C abgekühlt: σf = (70000/0,67) × (2,6 − 23,1) × 10⁻⁶ × (−375) = 803 MPa (Zug). Tatsächlich fließt das Al, sodass dieser elastische Wert nicht erreicht wird.
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
tf ≪ ts, Durchbiegung kleiner als die Substratdicke, isotropes Substrat (für Si(100) den biaxialen Modul 180 GPa verwenden). Die elastischen Konstanten der Schicht werden nicht benötigt.
Typische Fehler
ts und tf vertauschen (ts geht quadratisch ein). Die Krümmung vor der Beschichtung nicht abziehen. Durchmesser und Radius verwechseln (Krümmungsradius).
Beispiel
Ein (100)-Si-Wafer (biaxialer Modul Es/(1 − νs) = 180 GPa; Dicke 0,525 mm) mit einer 1 µm dicken Schicht verbiegt sich auf einen Krümmungsradius von 50 m: σf = 180 × 10⁹ × (0,525 × 10⁻³)²/(6 × 10⁻⁶ × 50) = 165 MPa.
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Zwei parallele Stäbe, an beiden Enden verbunden, ohne äußere Kraft, mit gleichmäßiger Temperatur, linear-elastisch und ohne Biegung. Wirkt zusätzlich eine äußere Last, setzt man sie auf die rechte Seite des Kräftegleichgewichts.
Typische Fehler
Für einen der Stäbe einfach den Wert bei vollständiger Behinderung (EαΔT) verwenden. Unterschiedliche Querschnitte vernachlässigen.
Beispiel
Ein Stahlstab (E = 200 GPa; α = 12 × 10⁻⁶) und ein Al-Stab (70 GPa; 23 × 10⁻⁶) mit gleichem Querschnitt (100 mm²), an beiden Enden verbunden und um 100 K erwärmt: Spannung im Stahl σ₁ = −(12 − 23) × 10⁻⁶ × 100/(1/200000 + 1/70000) = 57,0 MPa (Zug), Spannung im Al σ₂ = −57,0 MPa (Druck).
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Zweischichtiger Balken ohne Behinderung in Breitenrichtung (Balken im ebenen Spannungszustand), linear-elastisch, gleichmäßige Temperatur. Bei breiten Platten ersetzt man E durch E/(1 − ν).
Typische Fehler
Die Krümmungsrichtung verwechseln (die Schicht mit der größeren Ausdehnung liegt auf der konvexen Seite). Für h die Dicke nur einer Schicht verwenden.
Beispiel
Zwei Schichten zu je 0,5 mm mit gleichem E-Modul, Unterschied der Ausdehnungskoeffizienten 18 × 10⁻⁶ K⁻¹, um 50 K erwärmt (Δε = 9,0 × 10⁻⁴): mit m = n = 1 ist κ = 3Δε/(2h) = 1,35 m⁻¹ (Krümmungsradius 0,741 m).
R = σf(1 − ν)/(Eα)Thermoschockparameter (Abschrecken)[K]
R′ = κRbei konstantem Wärmestrom[kg·m·s⁻³]
β = ah/κBiot-Zahl[1]
ΔTc = R(1,5 + 3,25/β − 0,5e−16/β)Beziehung nach Manson[K]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
R
Temperaturdifferenz, bei der das Abschrecken Risse erzeugt (β → ∞)
K
σf
Bruchfestigkeit
Pa
ν
Querkontraktionszahl
1
E
Elastizitätsmodul
Pa
α
Längenausdehnungskoeffizient
K⁻¹
κ
Wärmeleitfähigkeit
W/(m·K)
R′
zweiter Thermoschockparameter
W/m
β
Biot-Zahl
1
a
halbe Plattendicke
m
h
Wärmeübergangskoeffizient
W/(m²·K)
ΔTc
kritische Temperaturdifferenz
K
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Beginn der Rissbildung, wenn eine Platte aus sprödem Werkstoff an der Oberfläche plötzlich abgekühlt (oder erwärmt) wird. Je größer β (scharfes Abschrecken, dicke Platte, geringe Wärmeleitfähigkeit), desto näher liegt der Wert an R. Festigkeitsstreuung und Rissausbreitung (R‴ usw.) werden gesondert betrachtet.
Typische Fehler
Für a die ganze Plattendicke einsetzen (die Hälfte verwenden). Den Faktor 10⁻⁶ in α vergessen. Vergessen, dass sich die Richtung der Oberflächenspannung zwischen Erwärmen und Abkühlen umkehrt.
Beispiel
Aluminiumoxid (Daten aus dem Labor für Wärmeausdehnung und Wärmespannung: σf = 310 MPa; ν = 0,23; E = 360 GPa; α = 7,2 × 10⁻⁶ K⁻¹; κ = 29 W/(m·K)): R = 92,1 K; R′ = κR = 2671 W/m. Eine 10 mm dicke Platte (a = 5 mm) wird in Wasser abgeschreckt (h ≈ 10⁴ W/(m²·K)): β = ah/κ = 1,72; kritische Temperaturdifferenz ΔTc ≈ R × (1,5 + 3,25/β − 0,5e^(−16/β)) = 312 K.
Temperatur, Temperaturdifferenz zwischen beiden Plattenseiten
K
x, L
Ort, Plattendicke
m
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Stationärer Zustand mit temperaturunabhängigem κ. Bei geschichteten Wänden addiert man die Wärmewiderstände L/κ, bei Wärmeübergang an der Oberfläche (Konvektion) zusätzlich 1/h.
Typische Fehler
Die Dicke in mm einsetzen. Wärmeleitfähigkeit und Temperaturleitfähigkeit verwechseln.
Beispiel
Stahlplatte (κ = 50 W/(m·K)), 10 mm dick, Temperaturdifferenz zwischen beiden Seiten 100 K (stationär): q = 50 × 100/0,010 = 5,0 × 10⁵ W/m².
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Bestimmt die Geschwindigkeit der instationären Wärmeleitung; die Wärmeleitungsgleichung hat dieselbe Form wie das 2. Ficksche Gesetz, sodass sich z. B. erfc-Lösungen direkt übertragen lassen. Mit dem Laser-Flash-Verfahren misst man a und erhält die Wärmeleitfähigkeit aus κ = aρcp.
Typische Fehler
cp in J/(mol·K) einsetzen (je Masse verwenden). ρ in g/cm³ einsetzen.
Beispiel
Cu (κ = 398 W/(m·K); ρ = 8960 kg/m³; cp = 385 J/(kg·K)): a = 1,15 × 10⁻⁴ m²/s. In 1 s dringt die Wärme größenordnungsmäßig √(at) = 10,7 mm weit ein.
molare Wärmekapazität bei konstantem Volumen (Gitteranteil)
J/(mol·K)
R
Gaskonstante
J/(mol·K)
T
Temperatur
K
θD
Debye-Temperatur
K
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Je Mol Atome eines Elements; bei Verbindungen mit der Zahl der Atome je Formeleinheit multiplizieren. Bei Metallen kommt bei tiefen Temperaturen der Elektronenanteil (proportional zu T) hinzu. Bei Festkörpern ist der Unterschied zwischen Cp und Cv klein.
Typische Fehler
Werte je Mol und je Masse verwechseln. Bei Verbindungen vergessen, mit der Zahl der Atome je Formeleinheit zu multiplizieren.
Beispiel
Al (Debye-Temperatur θD = 428 K): bei 20 K Cv = (12π⁴/5)R(20/428)³ = 0,198 J/(mol·K). Grenzwert bei hohen Temperaturen 3R = 24,94 J/(mol·K), je Masse 3R/M = 924 J/(kg·K) (gemessenes cp 897 J/(kg·K)).
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Elektronische Leitung in Metallen; gute Übereinstimmung bei Raumtemperatur und darüber sowie bei sehr tiefen Temperaturen (dazwischen kleiner durch inelastische Streuung). Die Wärmeleitung durch das Gitter (Phononen) ist nicht enthalten; in Legierungen und Halbleitern gilt κ = κe + κph.
Typische Fehler
Spezifischen Widerstand ρ und Leitfähigkeit σ verwechseln. Das Gesetz auf Isolatoren und Keramiken anwenden.
σθ = p(D² + d²)/(D² − d²)Tangentialspannung an der Bohrung der Nabe[kg·m⁻¹·s⁻²]
ΔT = (δ + c)/(αd)zum Fügen nötige Erwärmung[K]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
p
Fugendruck
Pa
δ
Durchmesserübermaß
m
d
Fugendurchmesser
m
D
Außendurchmesser des Außenteils (Nabe)
m
di
Bohrungsdurchmesser des Innenteils (bei Vollwelle 0)
m
Eo, Ei
E-Moduln von Außen- und Innenteil
Pa
νo, νi
Querkontraktionszahlen von Außen- und Innenteil
1
σθ
Tangentialspannung
Pa
c
Fügespiel
m
α
Längenausdehnungskoeffizient des Außenteils
K⁻¹
ΔT
Temperaturerhöhung
K
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Dickwandige Zylinder im ebenen Spannungszustand, linear-elastisch, mit gleichmäßigem Druck über die ganze Fugenlänge. Plastisches Fließen senkt den Druck. Die Tangentialspannung an der Bohrung der Nabe ist am größten.
Typische Fehler
Ein radiales Übermaß in die Formel für das Durchmesserübermaß einsetzen (Faktor 2). Das Vorzeichen von ν im Term des Innenteils (− νi).
Beispiel
Stahlnabe (Außendurchmesser 100 mm) auf eine Stahlvollwelle mit 50 mm Durchmesser aufgeschrumpft, Durchmesserübermaß 0,05 mm (E = 200 GPa; ν = 0,3): p = 75,0 MPa; Tangentialspannung an der Nabenbohrung p(D² + d²)/(D² − d²) = 125 MPa (Zug). Um mit 0,02 mm Fügespiel zu fügen, wird die Nabe um ΔT = (0,05 + 0,02)/(12 × 10⁻⁶ × 50) = 117 K erwärmt.
Ecl = Vf Ef + Vm EmFaserrichtung (gleiche Dehnung, Voigt)[kg·m⁻¹·s⁻²]
Ff/Fm = Vf Ef/(Vm Em)Lastaufteilung[1]
Vf + Vm = 1ohne Poren[1]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
Ecl
E-Modul des Verbundwerkstoffs in Faserrichtung
Pa
Ef, Em
E-Moduln von Faser und Matrix
Pa
Vf, Vm
Volumenanteile von Faser und Matrix
1
Ff, Fm
von Faser und Matrix getragene Kräfte
N
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Ausgerichtete Endlosfasern mit idealer Haftung, sodass Faser und Matrix dieselbe Dehnung erfahren. Obere Schranke des Moduls (Voigt). Volumenanteile einsetzen (Massenanteile vorher umrechnen). Poren zählen als Phase ohne Steifigkeit in V mit.
Typische Fehler
Massenanteile direkt einsetzen. Die Regel auch quer zur Faser verwenden (dort gilt die inverse Mischungsregel). Das Lastverhältnis mit dem Lastanteil Ff/(Ff + Fm) verwechseln.
Beispiel
Unidirektionaler Verbund aus 40 vol% Glasfasern (Ef = 69 GPa) in Polyester (Em = 3,4 GPa), dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 16 von Callister: Ecl = 0,40 × 69 + 0,60 × 3,4 = 29,6 GPa. Lastaufteilung Ff/Fm = (0,40 × 69)/(0,60 × 3,4) = 13,5 (die Fasern tragen 93,1 %).
1/Ect = Vf/Ef + Vm/Emquer zur Faser (gleiche Spannung, Reuss)[kg⁻¹·m·s²]
Ect = Ef Em/(Vf Em + Vm Ef)[kg·m⁻¹·s⁻²]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
Ect
E-Modul quer zur Faser
Pa
Ef, Em
E-Moduln von Faser und Matrix
Pa
Vf, Vm
Volumenanteile
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Untere Schranke des Moduls (Reuss) unter der Annahme, dass Faser und Matrix dieselbe Spannung tragen. Der tatsächliche Quermodul liegt etwas höher; die Halpin-Tsai-Gleichungen passen besser. Kohlenstofffasern sind in radialer Richtung viel weicher als in Faserrichtung (T300 etwa 15 GPa); für Ef ist daher der radiale Modul einzusetzen.
Typische Fehler
Vergessen, den Kehrwert zu bilden (bei Vf/Ef + Vm/Em stehen bleiben). Für Kohlenstofffasern den Modul in Faserrichtung als Ef einsetzen.
Beispiel
Derselbe Verbund aus 40 vol% Glasfasern und Polyester, quer zur Faser: 1/Ect = 0,40/69 + 0,60/3,4 → Ect = 5,49 GPa (19 % des Werts in Faserrichtung).
Formfaktor (bei runden Fasern 2 für E₂, 1 für G₁₂)
1
η
Hilfsgröße
1
Vf
Faservolumenanteil
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Praktische Näherung für den Quermodul E₂ und den Schubmodul in der Ebene G₁₂ unidirektionaler Schichten. ξ = 0 ergibt die inverse Mischungsregel, ξ → ∞ die Mischungsregel. Oberhalb von Vf ≈ 0,6 können die Werte unter den Messwerten liegen.
Typische Fehler
Für E₂ und G₁₂ dasselbe ξ verwenden. Für G₁₂ als Pm Em statt Gm = Em/[2(1 + νm)] einsetzen.
Beispiel
Quermodul desselben Verbunds aus 40 vol% Glasfasern und Polyester mit ξ = 2: η = (69/3,4 − 1)/(69/3,4 + 2) = 0,8654; E₂ = 3,4 × (1 + 2 × 0,8654 × 0,40)/(1 − 0,8654 × 0,40) = 8,80 GPa (größer als 5,49 GPa nach der inversen Mischungsregel).
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Ohne Poren. Mit Poren gilt Vf + Vm + Vv = 1; den Porenanteil Vv erhält man aus der gemessenen Dichte und dem Massenanteil (z. B. aus der Veraschung). Da Verhältnisse gebildet werden, kann die Dichte in g/cm³ stehen bleiben.
Typische Fehler
Massenanteile als Volumenanteile in die Mischungsregel einsetzen. 1 − Vf statt wm = 1 − wf verwenden.
σm′ = Em εf*Matrixspannung beim Faserbruch[kg·m⁻¹·s⁻²]
Vmin = (σm* − σm′)/(σf* + σm* − σm′)kleinster Volumenanteil, ab dem die Fasern die Festigkeit bestimmen[1]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
σcl*
Zugfestigkeit in Faserrichtung
Pa
σf*, σm*
Zugfestigkeiten von Faser und Matrix
Pa
σm′
Spannung in der Matrix bei der Bruchdehnung der Faser
Pa
εf*
Bruchdehnung der Faser σf*/Ef
1
Em
E-Modul der Matrix
Pa
Vf, Vm
Volumenanteile
1
Vmin
kleinster Volumenanteil
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Endlosfasern, deren Bruchdehnung kleiner ist als die der Matrix (Kohlenstoff- oder Glasfasern in Epoxidharz). Durch die Streuung der Faserfestigkeit (Weibull) und Fehlausrichtung der Fasern erreichen Messwerte meist 70–90 %. Für Kombinationen, bei denen die Matrix zuerst versagt (keramische Matrix), gilt eine andere Formel.
Typische Fehler
Für σm′ die Zugfestigkeit der Matrix σm* einsetzen. Die Formel auch quer zur Faser verwenden (dort bestimmen Matrix und Grenzfläche die Festigkeit).
Beispiel
T300-Kohlenstofffasern (σf* = 3530 MPa; Ef = 230 GPa) in 8552-Epoxidharz (Em = 4,67 GPa; σm* = 121 MPa; Bruchdehnung 1,7 %), Vf = 0,60 (Werte aus dem Verbundwerkstoff-Designer): Die Bruchdehnung der Faser 3530/230000 = 1,53 % ist kleiner als die der Matrix, die Fasern brechen also zuerst. σm′ = 4670 × 0,0153 = 71,7 MPa; σcl* = 0,60 × 3530 + 0,40 × 71,7 = 2147 MPa. Vmin = 1,4 × 10⁻²; bei üblichen Volumenanteilen bestimmen also die Fasern die Festigkeit.
Grenzflächenscherfestigkeit (oder Schubfließspannung der Matrix)
Pa
σcd*
Festigkeit des Verbunds mit ausgerichteten Kurzfasern
Pa
Vf, Vm
Volumenanteile
1
σm′
Spannung in der Matrix
Pa
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Fasern in Lastrichtung ausgerichtet; die Schubspannung an der Grenzfläche wird ab dem Faserende als konstant angenommen (starr-plastisch). Bei regelloser Faserorientierung multipliziert man mit einem Orientierungsfaktor (Krenchel; 3/8 für ebene regellose Orientierung). Ist l etwa 15-mal so groß wie lc, verhalten sich die Fasern fast wie Endlosfasern.
Typische Fehler
Für d den Radius einsetzen (Faktor 2). µm und mm mischen. Die obere Formel verwenden, obwohl l < lc ist.
Beispiel
Kohlenstofffaser (σf* = 3500 MPa; d = 7 µm) mit der Grenzflächenscherfestigkeit τc = 40 MPa: lc = 3500 × 0,007/(2 × 40) = 0,306 mm. Bei 30 vol% ausgerichteten Fasern mit 3 mm Länge und σm′ = 50 MPa: σcd* = 0,30 × 3500 × (1 − 0,306/6) + 0,70 × 50 = 1031 MPa. Bei 0,2 mm Länge (l < lc): 0,30 × 40 × 0,2/0,007 + 35 = 378 MPa.
α₁ = (Ef αf Vf + Em αm Vm)/(Ef Vf + Em Vm)Faserrichtung[K⁻¹]
α₂ = (1 + νf)αf Vf + (1 + νm)αm Vm − α₁ν₁₂quer zur Faser[K⁻¹]
ν₁₂ = Vf νf + Vm νmgroße Querkontraktionszahl[1]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
α₁, α₂
Längenausdehnungskoeffizienten des unidirektionalen Verbunds (in Faserrichtung, quer dazu)
K⁻¹
αf, αm
Längenausdehnungskoeffizienten von Faser und Matrix
K⁻¹
Ef, Em
E-Moduln von Faser und Matrix
Pa
νf, νm, ν₁₂
Querkontraktionszahlen
1
Vf, Vm
Volumenanteile
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Isotrope Fasern und Matrix (Glas, Basalt). Kohlenstoff- und Aramidfasern haben in radialer und axialer Richtung unterschiedliche α; dann ersetzt man in α₂ den Ausdruck (1 + νf)αf durch αf2 + νf αf1 (so rechnet der Verbundwerkstoff-Designer). α₁ wird von den steifen Fasern bestimmt und liegt weit unter dem einfachen volumengewichteten Mittel.
Typische Fehler
α₁ als einfaches volumengewichtetes Mittel berechnen. Vergessen, dass α der Kohlenstofffaser in Achsrichtung negativ ist.
E-Moduln der Einzelschicht in Faserrichtung und quer dazu
Pa
G₁₂
Schubmodul in der Ebene
Pa
ν₁₂
große Querkontraktionszahl
1
θ
Winkel zwischen Last und Faser
rad
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Eine orthotrope unidirektionale Einzelschicht im ebenen Spannungszustand, einachsig unter dem Winkel θ zur Faser gezogen. Die Steifigkeit von Laminaten erhält man mit der klassischen Laminattheorie (A-Matrix). Wegen des G₁₂-Terms liegt der Wert bei Werkstoffen mit G₁₂ unter etwa E₂/2 zwischen 45° und 90° unter E₂ (beim Werkstoff im Beispiel bei keinem Winkel unter E₂).
Typische Fehler
E mit cos²θ drehen (nötig sind vierte Potenzen und der Schubterm). Vergessen, den Kehrwert von 1/Ex zu bilden. Grad und Bogenmaß verwechseln.
Beispiel
Einzelschicht T300/5208 (E₁ = 181 GPa; E₂ = 10,3 GPa; G₁₂ = 7,17 GPa; ν₁₂ = 0,28; Werte aus dem Verbundwerkstoff-Designer): Ex = 28,8 GPa bei θ = 30° und 16,7 GPa bei 45°. Schon 30° Abweichung senken die Steifigkeit auf 1/6,3 des Werts in Faserrichtung.
R = 1/√ITHReservefaktor (proportionale Belastung; ITH ist der Wert der linken Seite)[1]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
σ₁, σ₂, τ₁₂
Spannungen im Achsensystem der Schicht
Pa
X, Y
Festigkeiten in Faserrichtung und quer dazu (Zug oder Druck je nach Vorzeichen der Spannung)
Pa
S
Schubfestigkeit in der Ebene
Pa
ITH
Wert der linken Seite (Anstrengung)
1
R
Reservefaktor (Faktor, um den die Last bis zum Bruch gesteigert werden kann)
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Spannungen in der Ebene (ebener Spannungszustand) einer unidirektionalen Schicht. Bei Werkstoffen mit unterschiedlicher Zug- und Druckfestigkeit wählt man X und Y nach dem Vorzeichen der Spannung. Wird die Last bei gleichbleibendem Spannungsverhältnis gesteigert, ist der Reservefaktor R der Kehrwert der Quadratwurzel der linken Seite.
Typische Fehler
Spannungen im globalen Koordinatensystem (σx) unverändert einsetzen (in das Achsensystem der Schicht drehen). Den Reservefaktor als Kehrwert der linken Seite ansetzen (die Quadratwurzel ist nötig).
Beispiel
T300/5208 (X = 1500; Y = 40; S = 68 MPa) unter 30° zur Faser mit 100 MPa auf Zug belastet: σ₁ = 75,0; σ₂ = 25,0; τ₁₂ = −43,3 MPa. Die linke Seite ist 0,798 < 1, es tritt also kein Bruch ein. Reservefaktor R = 1/√0,798 = 1,12 (Festigkeit unter 30°: 112 MPa).
Temperaturkoeffizient des spezifischen Widerstands (Bezug 20 °C)
K⁻¹
T, T₂₀
Temperatur, Bezugstemperatur 20 °C
K
σ
elektrische Leitfähigkeit
S/m
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Metalle in der Nähe der Raumtemperatur (etwa −50 bis 150 °C), wo sich der spezifische Widerstand linear mit der Temperatur ändert. αR hängt von der Bezugstemperatur ab (Bezug 0 °C oder 20 °C).
Typische Fehler
Den Durchmesser als Radius verwenden (πd²). Die Temperaturkorrektur vergessen. Spezifischen Widerstand und Widerstand verwechseln.
Beispiel
Weichgeglühtes Kupfer (IEC 60028: ρ₂₀ = 1,7241 × 10⁻⁸ Ω·m; αR = 0,00393 K⁻¹), Draht mit 1 mm Durchmesser und 100 m Länge bei 75 °C: ρ = 1,7241 × 10⁻⁸ × (1 + 0,00393 × 55) = 2,097 × 10⁻⁸ Ω·m; A = π(0,001)²/4 = 7,854 × 10⁻⁷ m²; R = 2,67 Ω (bei 20 °C 2,20 Ω).
ρi = A ci(1 − ci)Anteil gelöster Atome (Nordheim)[kg·m³·s⁻³·A⁻²]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
ρ
gesamter spezifischer Widerstand
Ω·m
ρt, ρi, ρd
Anteile durch Gitterschwingungen, Fremdatome und Gitterfehler (Verformung)
Ω·m
A
Konstante für das Paar aus gelöstem Element und Grundmetall
Ω·m
ci
Atomanteil des gelösten Elements
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Metalle, bei denen die Streumechanismen als unabhängig gelten können. Nur ρt hängt von der Temperatur ab; ρi und ρd sind temperaturunabhängig (Restwiderstand bei tiefen Temperaturen). Die Nordheim-Beziehung gilt für Legierungen mit lückenloser Mischkristallbildung bei niedrigen bis mittleren Konzentrationen.
Typische Fehler
Leitfähigkeiten (σ) statt spezifischer Widerstände addieren. Die Konzentration in at% statt als Anteil einsetzen.
Beispiel
Cu mit 3 at% Ni im Mischkristall (ρt von Cu bei Raumtemperatur 1,72 × 10⁻⁸ Ω·m; A für Cu–Ni nach dem Diagramm bei Callister etwa 1,2 × 10⁻⁶ Ω·m): ρi = 1,2 × 10⁻⁶ × 0,03 × 0,97 = 3,49 × 10⁻⁸ Ω·m; ρ ≈ 5,21 × 10⁻⁸ Ω·m (das 3,03-Fache von reinem Kupfer).
σ ≈ ND e μen-leitend (alle Donatoren ionisiert)[kg⁻¹·m⁻³·s³·A²]
ρ = 1/σspezifischer Widerstand[kg·m³·s⁻³·A⁻²]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
σ
elektrische Leitfähigkeit
S/m
n, p
Elektronen- und Löcherkonzentration
m⁻³
ND
Donatorkonzentration
m⁻³
e
Elementarladung
C
μe, μh
Beweglichkeit der Elektronen und Löcher
m²/(V·s)
ρ
spezifischer Widerstand
Ω·m
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
In der Nähe der Raumtemperatur, wenn alle Donatoren und Akzeptoren ionisiert sind (Störstellenerschöpfung). Die Beweglichkeit nimmt mit der Dotierung ab; man verwendet daher den Wert für die jeweilige Konzentration (empirische Formeln unterscheiden sich um einige Prozent: Der Rechentrainer dieser Website verwendet die Form nach Caughey-Thomas, der Simulator für Diffusion und Oberflächenbehandlung die Formel nach Arora; für Elektronen in n-Si bei 10¹⁷–10¹⁸ cm⁻³ weichen sie um bis zu etwa 8 % voneinander ab).
Typische Fehler
cm⁻³ und cm²/(V·s) nicht in SI-Einheiten umrechnen (oder nur eines von beiden). Leitfähigkeit und spezifischen Widerstand verwechseln.
ni ∝ T3/2 exp(−Eg/(2kT))Temperaturabhängigkeit[m⁻³]
np = ni²Massenwirkungsgesetz[m⁻⁶]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
ni
intrinsische Ladungsträgerdichte
m⁻³
Nc, Nv
effektive Zustandsdichten von Leitungs- und Valenzband
m⁻³
Eg
Bandlücke (in eV mit k in eV/K)
J
k
Boltzmann-Konstante
J/K
T
Temperatur
K
n, p
Elektronen- und Löcherkonzentration
m⁻³
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: Eg/2kT
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Nichtentartete Halbleiter (Fermi-Niveau mehrere kT von den Bandkanten entfernt). Nc und Nv sind proportional zu T3/2. Auch Eg ändert sich etwas mit der Temperatur (Si bei 300 K: 1,12 eV).
Typische Fehler
Den Faktor 2 im Exponenten vergessen (Eg/kT). eV und J verwechseln.
Beispiel
Si (Eg = 1,12 eV; Temperaturabhängigkeit von Eg vernachlässigt) von 300 K auf 350 K: ni(350)/ni(300) = (350/300)^(1,5) × exp[−1,12/(2 × 8,617 × 10⁻⁵) × (1/350 − 1/300)] = 27,8-fach. ni bei 300 K beträgt etwa 10¹⁰ cm⁻³ (Sze).
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Dünne Schichten, in denen der Strom parallel zur Oberfläche fließt. Der Wert der Vierspitzenmessung Rs = 4,53 V/I gilt, wenn die Probe viel breiter als der Spitzenabstand und dünn ist. Bei einer Schicht vom entgegengesetzten Leitungstyp wie das Substrat ist N die Nettokonzentration (N − NB).
Typische Fehler
Unabhängig von der Dotierung eine einzige Beweglichkeit verwenden (bei hoher Konzentration ist sie kleiner). xj in µm einsetzen.
Beispiel
n-Schicht, bis 0,5 µm Tiefe gleichmäßig mit 10¹⁹ cm⁻³ (= 10²⁵ m⁻³) Donatoren dotiert (Elektronenbeweglichkeit nach Arora 114 cm²/(V·s), wie im Simulator für Diffusion und Oberflächenbehandlung): Rs = 1/(qμNxj) = 1/(1,602 × 10⁻¹⁹ × 0,0114 × 10²⁵ × 0,5 × 10⁻⁶) = 109 Ω/□.
v = iM/(nFρ)Abtragsgeschwindigkeit der Oberfläche[m·s⁻¹]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
m
Masse des gelösten Metalls
kg
I
Stromstärke
A
t
Zeit
s
M
molare Masse (Atommasse)
kg/mol
n
Wertigkeit der Ionen (Zahl der Elektronen je Atom)
1
F
Faraday-Konstante
C/mol
v
Korrosionsgeschwindigkeit (Dickenabtrag)
m/s
i
Korrosionsstromdichte
A/m²
ρ
Dichte des Metalls
kg/m³
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Die gesamte Ladung dient der Auflösung des Metalls (Stromausbeute 100 %), und der Angriff ist gleichmäßig. Bei örtlicher Korrosion wie Lochkorrosion entstehen viel tiefere Löcher, als es der mittleren Geschwindigkeit entspricht.
Typische Fehler
Die Wertigkeit n vergessen. µA/cm² und A/m² umrechnen (1 µA/cm² = 10⁻² A/m²). Mit g/cm³ rechnen und dabei cm und µm mischen.
Beispiel
Eisen (M = 55,845 g/mol; ρ = 7,87 g/cm³) löst sich gleichmäßig als Fe²⁺ bei einer Korrosionsstromdichte von 1 µA/cm²: je cm² und Sekunde 10⁻⁶ × 55,845/(2 × 96485) = 2,89 × 10⁻¹⁰ g, geteilt durch die Dichte 3,68 × 10⁻¹¹ cm/s, also 11,6 µm in einem Jahr (365 Tage). Bei 0,5 A über 30 Tage ist m = 0,5 × 2,592 × 10⁶ × 55,845/(2 × 96485) = 375 g.
E = E° − (0,0592/n) log₁₀Q25 °C (V)[kg·m²·s⁻³·A⁻¹]
Symbol
Bedeutung
SI-Einheit
E, E°
Zellspannung, Standardzellspannung
V
R
Gaskonstante
J/(mol·K)
T
Temperatur
K
n
Zahl der übertragenen Elektronen
1
F
Faraday-Konstante
C/mol
Q
Reaktionsquotient (Produkt der Aktivitäten der Produkte / Produkt der Aktivitäten der Edukte)
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Gleichgewichtspotential (kein Nettostrom). In verdünnten Lösungen nähert man die Aktivitäten durch Konzentrationen (mol/L) an. 0,0592 ist (RT/F) ln 10 bei 25 °C.
Typische Fehler
Zähler und Nenner von Q gegenüber der Reaktionsrichtung vertauschen. log₁₀ und ln verwechseln. n vergessen.
Beispiel
Zelle aus einer Ni-Elektrode (Ni²⁺ 10⁻³ M) und einer Cd-Elektrode (Cd²⁺ 0,5 M) bei 25 °C, dieselben Zahlen wie im Beispiel in Kapitel 17 von Callister: Für Ni²⁺ + Cd → Ni + Cd²⁺ ist E° = −0,250 − (−0,403) = 0,153 V. E = 0,153 − (RT/2F) ln(0,5/10⁻³) = 0,153 − 0,01285 × 6,215 = 0,073 V. Der Wert ist positiv, die Reaktion läuft also in derselben Richtung wie im Standardzustand (Cd löst sich auf).
Pilling-Bedworth-Verhältnis (Volumenverhältnis von Oxid zu Metall)
1
Mox, Mm
Formelmasse des Oxids, Atommasse des Metalls
kg/mol
ρox, ρm
Dichten von Oxid und Metall
kg/m³
n
Zahl der Metallatome je Formeleinheit des Oxids
1
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Grober Anhaltspunkt dafür, ob eine Oxidschicht bei der Hochtemperaturoxidation schützt. Unter 1 ist die Schicht porös, zwischen 1 und 2 wirkt sie meist schützend, deutlich über 2 platzt sie durch Druckspannungen leicht ab. Es gibt viele Ausnahmen (Haftung der Schicht, Diffusionsgeschwindigkeit); der Wert ist nur ein Anhaltspunkt.
Typische Fehler
n vergessen (bei Al₂O₃ 2). Formelmasse des Oxids und Atommasse des Metalls vertauschen.
Beispiel
Al₂O₃ (M = 101,96 g/mol; ρ = 3,95 g/cm³) auf Al (26,982; 2,70): PBR = 101,96 × 2,70/(2 × 26,982 × 3,95) = 1,29 (zwischen 1 und 2, schützend). MgO (40,304; 3,58) auf Mg (24,305; 1,74): 0,81 (unter 1, porös und nicht schützend).
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Das parabolische Zeitgesetz gilt für Hochtemperaturoxidation, die durch Ionendiffusion durch eine dichte Schicht fortschreitet. Es passt nicht für die Anfangsphase mit sehr dünnen Schichten oder für Schichten, die reißen oder abplatzen. Schreibt man es mit der Massenzunahme, wird x zu Δm/A, und auch die Einheit von kp ändert sich.
Typische Fehler
Annehmen, die doppelte Zeit ergebe die doppelte Dicke (beim parabolischen Gesetz das √2-Fache). kp für die Dicke und für die Massenzunahme mischen.
Beispiel
Parabolische Oxidation, die in 10 h eine 2,0 µm dicke Schicht ergibt: kp = 2,0²/10 = 0,40 µm²/h. Nach 100 h ist x = √(0,40 × 100) = 6,32 µm (zehnfache Zeit, aber nur √10-fache Dicke).
Larson-Miller-Parameter (abhängig von der Spannung)
K
T
absolute Temperatur
K
C
Werkstoffkonstante (bei vielen Metallen etwa 20)
1
tr
Bruchzeit (die Zahl in Stunden geht in den Logarithmus ein)
h
t₀
1 h (log₁₀tr bedeutet log₁₀(tr/t₀))
h
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten)
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Austausch von Temperatur und Zeit beim Zeitstandbruch unter gleicher Spannung (Abschätzung langer Lebensdauern bei tieferer Temperatur aus kurzen Versuchen bei hoher Temperatur). C bezieht sich auf die Zeit in Stunden; 20 ist ein Richtwert (15–25). Extrapolationen sollten etwa das Zehnfache der Versuchsdauer nicht überschreiten.
Typische Fehler
°C einsetzen. ln statt log₁₀ verwenden. Die Zeit in Sekunden einsetzen (C = 20 gilt für Stunden).
Beispiel
Eine Legierung, die unter einer bestimmten Spannung bei 900 °C nach 50 h gebrochen ist, wird unter derselben Spannung bei 800 °C eingesetzt (C = 20): P = 1173,15 × (20 + log₁₀50) = 25456 K; tr = 10^(25456/1073,15 − 20) = 5260 h. Eine um 100 K tiefere Temperatur verlängert die Lebensdauer etwa auf das 105-Fache.
Dimension beide Seiten stimmen in jeder Zeile überein ([ ] in SI-Basiseinheiten) · dimensionslos: Qc/RT
Gültigkeitsbedingungen und -bereich
Oberhalb von etwa dem 0,4-Fachen der Schmelztemperatur, wenn Versetzungskriechen überwiegt. Bei niedriger Spannung und feinem Korn übernimmt Diffusionskriechen (n ≈ 1), bei hoher Spannung bricht das Potenzgesetz zusammen. Welcher Mechanismus vorliegt, zeigt die Verformungsmechanismuskarte.
Typische Fehler
Annehmen, die doppelte Spannung ergebe die doppelte Geschwindigkeit (das 2ⁿ-Fache). Q in eV und J/mol mischen.
Beispiel
Werkstoff mit n = 5 und Q = 300 kJ/mol: Bei 1,2-facher Spannung steigt die Dehnrate um den Faktor 1,2⁵ = 2,49. Von 900 K auf 950 K steigt sie um den Faktor exp[(300000/8,314)(1/900 − 1/950)] = 8,25.
Geben Sie oben in das Suchfeld den Namen einer Formel, ein Formelzeichen oder einen Begriff ein (etwa „Bragg“, „KIC“ oder „Diffusionslänge“); dann bleiben nur die passenden Formeln stehen. Mit den Schaltflächen der Gebiete können Sie ebenfalls eingrenzen. Über den Link in der Überschrift einer Formel (#f-…) gelangen Sie direkt zu dieser Formel.
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Diffusion: Ändert sich das Konzentrationsprofil nicht mit der Zeit (stationärer Strom durch eine Membran), gilt das 1. Ficksche Gesetz; die Diffusionsstromdichte J ist konstant und die Konzentration verläuft über die Dicke linear. Beim Aufkohlen und bei der Dotierstoffdiffusion ändert sich die Konzentration mit der Zeit, hier gilt das 2. Ficksche Gesetz: bei konstanter Oberflächenkonzentration die erfc-Lösung, bei konstanter eingebrachter Gesamtmenge (Eintreiben nach kurzer Vorbelegung) die Gauß-Lösung. Beide setzen voraus, dass die Diffusionslänge √(Dt) klein gegenüber der Probendicke ist (halbunendlicher Körper).
Spannung und Dehnung: Technische Spannung F/A₀ und technische Dehnung Δl/l₀ aus dem Zugversuch dienen der Auslegung (Streckgrenze, Zugfestigkeit). Für die Verfestigungsgleichung (Hollomon) und große Verformungen braucht man die wahre Spannung σ(1 + ε) und die wahre Dehnung ln(1 + ε). Diese Umrechnung setzt konstantes Volumen und gleichmäßige Verformung voraus und gilt daher nur bis zur Einschnürung (Höchstkraft); danach muss der Querschnitt gemessen werden.
Mischungsregel: Der E-Modul in Faserrichtung folgt näherungsweise der Mischungsregel für gleiche Dehnung (obere Schranke, Voigt), der E-Modul quer zur Faser der inversen Mischungsregel für gleiche Spannung (untere Schranke, Reuss). Der tatsächliche Quermodul liegt etwas über der unteren Schranke; das erfassen die Halpin-Tsai-Gleichungen. Bei teilchengefüllten Werkstoffen liegt der tatsächliche Wert zwischen oberer und unterer Schranke.
Bruch: Die Spannung am Rand von Bohrungen und Kerben erhält man mit der Kerbformzahl Kt; bei einem scharfen Riss wird Kt jedoch unbegrenzt groß und ist nicht mehr brauchbar. Für Risse verwendet man den Spannungsintensitätsfaktor K = Yσ√(πa) und vergleicht ihn mit der Bruchzähigkeit KIC. Das Risswachstum unter wiederholter Belastung beschreibt das Paris-Gesetz; die Ermüdung rissfreier Bauteile behandelt man mit Wöhlerlinie und Miner-Regel.
Wärmespannung: Ein in einer Richtung eingespannter Stab ergibt EαΔT, eine in beiden Richtungen der Ebene behinderte Platte oder dünne Schicht EαΔT/(1 − ν). Bei unvollständiger Behinderung (zwei verbundene Stäbe, Bimetall) löst man aus dem Kräftegleichgewicht und der Verträglichkeit der Längenänderungen.
So wurden die Dimensionen geprüft
Für alle 85 Formeln wurden die SI-Einheiten der Symboltabellen auf Basiseinheiten (kg, m, s, K, mol, A) zurückgeführt, und ein Programm hat geprüft, dass beide Seiten jeder Gleichung dieselbe Dimension haben und dass die Argumente von exp, ln, erf und Winkelfunktionen sowie Exponenten aus Formelzeichen dimensionslos sind. Die [ ] rechts neben jeder Zeile zeigen die Dimension beider Seiten dieser Zeile.
Bei Formeln, in die Zahlen in einer festgelegten Einheit einzusetzen sind, etwa log₁₀tr (Larson-Miller), die ASTM-Korngrößenkennzahl oder die Konstante C des Paris-Gesetzes, ist diese Einheit in der Symboltabelle angegeben. Mit einer anderen Einheit ändern sich die Werte der Konstanten.
Einheitenumrechnung
Umrechnungen, um Werte vor dem Einsetzen in eine Formel in SI-Einheiten umzuwandeln (nach NIST SP 811).
Einheit
in SI
Verwendung
1 MPa
10⁶ Pa = 1 N/mm²
Spannung
1 ksi
6,8948 MPa
Spannung (1000 lbf/in²)
1 ksi√in
1,0988 MPa√m
Bruchzähigkeit
1 Å
0,1 nm = 10⁻¹⁰ m
Länge (Gitterkonstante, Wellenlänge)
1 eV
1,602176634 × 10⁻¹⁹ J
Energie
1 eV/Atom
96,485 kJ/mol
Aktivierungsenergie
1 cal
4,184 J
Wärme (thermochemische Kalorie)
T [K]
t [°C] + 273,15
Temperatur (eine Temperaturdifferenz von 1 K entspricht 1 °C)
1 g/cm³
10³ kg/m³
Dichte
1 cm²/s
10⁻⁴ m²/s
Diffusionskoeffizient
1 cm⁻³
10⁶ m⁻³
Ladungsträger- oder Dotierstoffkonzentration
1 cm²/(V·s)
10⁻⁴ m²/(V·s)
Beweglichkeit
1 Ω·cm
10⁻² Ω·m
spezifischer Widerstand (1 µΩ·cm = 10⁻⁸ Ω·m)
1 µA/cm²
10⁻² A/m²
Stromdichte
1 atm
101325 Pa
Druck (1 bar = 10⁵ Pa; 1 Torr = 133,322 Pa)
1 in
25,4 mm
Länge
1 lbf
4,448222 N
Kraft
1 Jahr (365 d)
3,1536 × 10⁷ s
Zeit (Korrosionsgeschwindigkeit)
Physikalische Konstanten
Empfohlene Werte nach CODATA 2022 (Mohr u. a., Rev. Mod. Phys. 97, 025002 (2025); physics.nist.gov/cuu). „Exakt“ kennzeichnet Konstanten, deren Wert im SI von 2019 festgelegt ist, und daraus berechnete Konstanten; sie haben keine Unsicherheit. Die Zahlen in Klammern sind die Standardunsicherheit in den letzten Stellen. Die Beispiele rechnen mit diesen Werten (der Rechentrainer verwendet gerundete Werte wie R = 8,314).
Symbol
Konstante
Wert
Einheit
Exakt
NA
Avogadro-Konstante
6,022 140 76 × 10²³
mol⁻¹
✓
k
Boltzmann-Konstante
1,380 649 × 10⁻²³
J/K
✓
k
Boltzmann-Konstante (eV)
8,617 333 262… × 10⁻⁵
eV/K
✓
R
molare Gaskonstante NA k
8,314 462 618…
J/(mol·K)
✓
e
Elementarladung
1,602 176 634 × 10⁻¹⁹
C
✓
F
Faraday-Konstante NA e
96 485,332 12…
C/mol
✓
h
Planck-Konstante
6,626 070 15 × 10⁻³⁴
J·s
✓
c
Lichtgeschwindigkeit im Vakuum
299 792 458
m/s
✓
σSB
Stefan-Boltzmann-Konstante
5,670 374 419… × 10⁻⁸
W/(m²·K⁴)
✓
ε₀
elektrische Feldkonstante
8,854 187 8188(14) × 10⁻¹²
F/m
μ₀
magnetische Feldkonstante
1,256 637 061 27(20) × 10⁻⁶
N/A²
me
Elektronenmasse
9,109 383 7139(28) × 10⁻³¹
kg
mu
atomare Massenkonstante (1 u)
1,660 539 068 92(52) × 10⁻²⁷
kg
Wichtige Quellen
Callister (10. Aufl.): W. D. Callister, Jr., D. G. Rethwisch, Materials Science and Engineering: An Introduction, 10th ed., Wiley (2018)
Cullity (3. Aufl.): B. D. Cullity, S. R. Stock, Elements of X-Ray Diffraction, 3rd ed., Prentice Hall (2001)
Askeland (7. Aufl.): D. R. Askeland, W. J. Wright, The Science and Engineering of Materials, 7th ed., Cengage (2016)
Williamson & Hall 1953: G. K. Williamson, W. H. Hall, X-ray line broadening from filed aluminium and wolfram, Acta Metall. 1 (1953) 22
Porter (3. Aufl.): D. A. Porter, K. E. Easterling, M. Y. Sherif, Phase Transformations in Metals and Alloys, 3rd ed., CRC Press (2009)
Scheil 1942: E. Scheil, Bemerkungen zur Schichtkristallbildung, Z. Metallkd. 34 (1942) 70
Shewmon (2. Aufl.): P. G. Shewmon, Diffusion in Solids, 2nd ed., TMS (1989)
Crank (2. Aufl.): J. Crank, The Mathematics of Diffusion, 2nd ed., Oxford University Press (1975)
Sze (3. Aufl.): S. M. Sze, K. K. Ng, Physics of Semiconductor Devices, 3rd ed., Wiley (2007)
Hull & Bacon (5. Aufl.): D. Hull, D. J. Bacon, Introduction to Dislocations, 5th ed., Butterworth-Heinemann (2011)
ASTM E112: ASTM E112, Standard Test Methods for Determining Average Grain Size
Dowling (4. Aufl.): N. E. Dowling, Mechanical Behavior of Materials, 4th ed., Pearson (2013)
Ashby (5. Aufl.): M. F. Ashby, Materials Selection in Mechanical Design, 5th ed., Butterworth-Heinemann (2017)
Anderson (4. Aufl.): T. L. Anderson, Fracture Mechanics: Fundamentals and Applications, 4th ed., CRC Press (2017)
ASTM E399: ASTM E399, Standard Test Method for Linear-Elastic Plane-Strain Fracture Toughness of Metallic Materials
Paris & Erdogan 1963: P. Paris, F. Erdogan, A critical analysis of crack propagation laws, J. Basic Eng. 85 (1963) 528
Weibull 1951: W. Weibull, A statistical distribution function of wide applicability, J. Appl. Mech. 18 (1951) 293
Timoshenko & Goodier (3. Aufl.): S. P. Timoshenko, J. N. Goodier, Theory of Elasticity, 3rd ed., McGraw-Hill (1970)
Stoney 1909: G. G. Stoney, The tension of metallic films deposited by electrolysis, Proc. R. Soc. Lond. A 82 (1909) 172
Timoshenko 1925: S. Timoshenko, Analysis of bi-metal thermostats, J. Opt. Soc. Am. 11 (1925) 233
Kingery (2. Aufl.): W. D. Kingery, H. K. Bowen, D. R. Uhlmann, Introduction to Ceramics, 2nd ed., Wiley (1976)
Manson 1966: S. S. Manson, Thermal Stress and Low-Cycle Fatigue, McGraw-Hill (1966)
Kittel (8. Aufl.): C. Kittel, Introduction to Solid State Physics, 8th ed., Wiley (2005)
Hull & Clyne (2. Aufl.): D. Hull, T. W. Clyne, An Introduction to Composite Materials, 2nd ed., Cambridge University Press (1996)
Halpin & Kardos 1976: J. C. Halpin, J. L. Kardos, The Halpin–Tsai equations: a review, Polym. Eng. Sci. 16 (1976) 344
Jones (2. Aufl.): R. M. Jones, Mechanics of Composite Materials, 2nd ed., Taylor & Francis (1999)
Kelly & Tyson 1965: A. Kelly, W. R. Tyson, Tensile properties of fibre-reinforced metals, J. Mech. Phys. Solids 13 (1965) 329
Schapery 1968: R. A. Schapery, Thermal expansion coefficients of composite materials based on energy principles, J. Compos. Mater. 2 (1968) 380
IEC 60028: IEC 60028, International standard of resistance for copper
Pilling & Bedworth 1923: N. B. Pilling, R. E. Bedworth, The oxidation of metals at high temperatures, J. Inst. Met. 29 (1923) 529
Birks u. a. (2. Aufl.): N. Birks, G. H. Meier, F. S. Pettit, Introduction to the High-Temperature Oxidation of Metals, 2nd ed., Cambridge University Press (2006)
Larson & Miller 1952: F. R. Larson, J. Miller, A time-temperature relationship for rupture and creep stresses, Trans. ASME 74 (1952) 765
Häufige Fragen
Was bedeuten die [ ] rechts neben jeder Formel?
Die Dimension beider Seiten der Gleichung in dieser Zeile, ausgedrückt in SI-Basiseinheiten (kg, m, s, K, mol, A). Eine Spannung ist zum Beispiel kg·m⁻¹·s⁻² (= Pa), dimensionslose Größen zeigen 1. So können Sie prüfen, ob die Einheit Ihres Ergebnisses stimmt. Bei allen Formeln hat ein Programm geprüft, dass beide Seiten dieselbe Dimension haben.
Wie viele Seiten ergibt der Druck der ausgewählten Formeln?
Nur mit Formeln und Symboltabellen passen 10–15 Formeln zweispaltig auf etwa ein bis zwei A4-Seiten. Mit „Auch Bedingungen und Beispiele drucken“ wird es länger. Kopfzeile, Anzeigen und Suchfeld werden nicht gedruckt, und die Seite bleibt auch lesbar, wenn in den Druckeinstellungen des Browsers die Hintergrundgrafiken ausgeschaltet sind.
Die Zahlen in den Beispielen weichen manchmal leicht vom Rechentrainer oder von den Rechnern ab.
Das liegt an unterschiedlich gerundeten Konstanten. Die Beispiele dieser Formelsammlung verwenden die Werte nach CODATA 2022 (R = 8,314462618 J/(mol·K) usw.), die Aufgaben des Rechentrainers nennen gerundete Werte wie R = 8,314. Der Unterschied liegt in der vierten Stelle oder dahinter. Die Stoffwerte sind dieselben wie in den Daten der Rechner.
Kann ich das als Formelblatt für eine Prüfung verwenden?
Ja. Wählen Sie die benötigten Formeln aus und drucken Sie sie mit „Nur Ausgewählte drucken“. Was Sie mitbringen dürfen (etwa ob Beispiele und Erklärungen erlaubt sind), hängt von der Prüfung ab; prüfen Sie daher die Regeln.
Fehlen Formeln?
Diese Sammlung enthält die Formeln der Aufgabentypen des Rechentrainers und der Rechner sowie häufig verwendete Lehrbuchformeln. Für Kristallsymmetrie, die Elastizitätstheorie der Versetzungen oder ausführliche Formeln zur Kinetik von Phasenumwandlungen ziehen Sie ein Lehrbuch heran.