Diffusionskriechen: Was ist damit gemeint?

Kriechen, das fortschreitet, indem sich die Körner durch Diffusion von Atomen strecken; die Kriechrate ist proportional zur Spannung. Man unterscheidet Nabarro-Herring-Kriechen durch Volumendiffusion und Coble-Kriechen durch Korngrenzendiffusion.

Japanische Bezeichnung: 拡散クリープ

„Diffusionskriechen“ kommt in 4 Übungsfragen aus 1 Thema vor, darunter Hochtemperaturwerkstoffe und Kriechen.

Fachgebiet: Hochtemperaturwerkstoffe und Kriechen

Selbst ausprobieren: Fragen zu Diffusionskriechen

Die stationäre Kriechgeschwindigkeit einer warmfesten Legierung folgt dem Potenzgesetz ε̇ = Aσⁿexp(−Q/RT) mit dem Spannungsexponenten n = 5. Um etwa welchen Faktor steigt die stationäre Kriechgeschwindigkeit, wenn die Spannung bei gleicher Temperatur um 20 % erhöht wird?

  1. Aca. 2,5-fach
  2. Bca. 6,0-fach
  3. Cca. 1,2-fach
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Lösung: A. ca. 2,5-fach

Bei gleicher Temperatur ändern sich A und exp(−Q/RT) nicht; das Verhältnis der Geschwindigkeiten ist daher das Spannungsverhältnis hoch n: (1,2)⁵ ≈ 2,49, also ca. das 2,5-Fache. Dass schon 20 % mehr Spannung die Geschwindigkeit mehr als verdoppelt, ist kennzeichnend für das Versetzungskriechen (Potenzgesetz-Kriechen), bei dem n mit etwa 3 bis 8 groß ist; kleine Fehler bei der Abschätzung der Auslegungsspannung wirken sich daher stark auf die Lebensdauer aus. Ca. 6,0-fach entsteht, wenn man das Spannungsverhältnis mit dem Exponenten n multipliziert, ca. 1,2-fach, wenn man annimmt, die Geschwindigkeit sei proportional zur Spannung (n = 1); das entspricht dem Diffusionskriechen, das bei niedrigen Spannungen wirkt. Trägt man die Geschwindigkeit doppeltlogarithmisch über der Spannung auf, ist die Steigung gleich n.

Ein feinkörniges polykristallines Metall wurde bei etwa dem 0,5-Fachen seiner Schmelztemperatur (als absolute Temperatur) unter niedriger Spannung im Kriechversuch geprüft. Die stationäre Kriechgeschwindigkeit war nahezu proportional zur Spannung (Spannungsexponent n ≈ 1) und nahezu umgekehrt proportional zur dritten Potenz der Korngröße. Welcher Kriechmechanismus wirkt hier am wahrscheinlichsten?

  1. APotenzgesetz-Kriechen, gesteuert durch Klettern von Versetzungen im Korninneren
  2. BCoble-Kriechen durch Diffusion von Atomen entlang der Korngrenzen
  3. CNabarro-Herring-Kriechen durch Volumendiffusion durch das Korninnere
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Lösung: B. Coble-Kriechen durch Diffusion von Atomen entlang der Korngrenzen

Beim Diffusionskriechen diffundieren Atome von Korngrenzen unter Zug zu Korngrenzen unter Druck, die Körner längen sich, und die Geschwindigkeit ist proportional zur Spannung (n = 1). Verläuft der Diffusionsweg entlang der Korngrenzen, spricht man von Coble-Kriechen; die Geschwindigkeit ist dann umgekehrt proportional zur dritten Potenz der Korngröße. Bei Volumendiffusion durch das Korninnere spricht man von Nabarro-Herring-Kriechen, dessen Geschwindigkeit umgekehrt proportional zum Quadrat der Korngröße ist. Da die Korngrenzendiffusion eine kleinere Aktivierungsenergie als die Volumendiffusion hat, überwiegt bei vergleichsweise niedrigen Temperaturen und feinem Korn das Coble-Kriechen, während bei hohen Temperaturen nahe dem Schmelzpunkt der Beitrag des Nabarro-Herring-Kriechens zunimmt. Das Potenzgesetz-Kriechen durch Versetzungen hat ein großes n von 3 bis 8 und hängt kaum von der Korngröße ab.

„Diffusionskriechen“ in den Erläuterungen

Fragen, in denen „Diffusionskriechen“ vorkommt (4)

  1. Die stationäre Kriechgeschwindigkeit einer warmfesten Legierung folgt dem Potenzgesetz ε̇ = Aσⁿexp(−Q/RT) mit dem Spannungsexponenten n = 5. Um etwa welchen Faktor steigt die stationäre Kriechgeschwindigkeit, wenn die Spannung bei gleicher Temperatur um 20 % erhöht wird?
  2. Ein feinkörniges polykristallines Metall wurde bei etwa dem 0,5-Fachen seiner Schmelztemperatur (als absolute Temperatur) unter niedriger Spannung im Kriechversuch geprüft. Die stationäre Kriechgeschwindigkeit war nahezu proportional zur Spannung (Spannungsexponent n ≈ 1) und nahezu umgekehrt proportional zur dritten Potenz der Korngröße. Welcher Kriechmechanismus wirkt hier am wahrscheinlichsten?
  3. Welche Aussage über die Verformungsmechanismuskarte nach Ashby und Mitarbeitern (senkrechte Achse: auf den Schubmodul normierte Spannung σ/G, waagerechte Achse: homologe Temperatur T/Tm) trifft zu? Tm ist die Schmelztemperatur als absolute Temperatur.
  4. Bei Raumtemperatur erhöht eine Kornfeinung die Festigkeit (Hall-Petch-Beziehung), doch für Bauteile, die lange bei hoher Temperatur belastet werden, verwendet man häufig grobes Korn oder Einkristalle. Welche Begründung ist richtig?

Verwandte Begriffe

Potenzgesetz-Kriechen Versetzung Verformungsmechanismuskarte Hall-Petch-Beziehung Stängelkristalle Elastizitätsmodul (E-Modul) Larson-Miller-Parameter Nickelbasis-Superlegierung Parabolisches Zeitgesetz Pilling-Bedworth-Verhältnis

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