Hall-Petch-Beziehung: Was ist damit gemeint?

Beziehung σy = σ₀ + k/√d, nach der die Streckgrenze umgekehrt proportional zur Quadratwurzel der Korngröße d zunimmt. Korngrenzen behindern die Versetzungsbewegung, daher ist ein feinkörniges Gefüge fester.

Japanische Bezeichnung: ホール・ペッチの関係

„Hall-Petch-Beziehung“ kommt in 3 Übungsfragen aus 2 Themen vor, darunter Wärmebehandlung und metallische Werkstoffe, Hochtemperaturwerkstoffe und Kriechen.

Fachgebiet: Wärmebehandlung und metallische Werkstoffe

Selbst ausprobieren: Fragen zu Hall-Petch-Beziehung

Die Streckgrenze eines Stahls folgt der Hall-Petch-Beziehung σy = σ₀ + k/√d mit σ₀ = 70 MPa und k = 0,74 MPa·√m. Welcher Wert kommt der Streckgrenze bei einer mittleren Korngröße d = 25 µm am nächsten?

  1. Aca. 75 MPa
  2. Bca. 148 MPa
  3. Cca. 218 MPa
Lösung und Erläuterung anzeigen

Lösung: C. ca. 218 MPa

In m umgerechnet ist d = 25×10⁻⁶ m und √d = 5,0×10⁻³ √m, also k/√d = 0,74/(5,0×10⁻³) = 148 MPa. Damit ist σy = 70 + 148 = 218 MPa. Ca. 75 MPa entsteht, wenn man die Korngröße in mm belässt und mit d = 0,025 rechnet; dann passen die Einheiten von k (MPa·√m) und der Korngröße nicht zusammen. Ca. 148 MPa ist nur der Beitrag der Korngrenzenverfestigung; σ₀ wurde nicht addiert. Die Kornfeinung ist eines der wenigen Verfestigungsverfahren, die Festigkeit und Zähigkeit zugleich erhöhen, und wird etwa beim thermomechanischen Walzen von Stahl genutzt. Wird die Korngröße bis in den Nanometerbereich verkleinert, kann die Beziehung ihre Gültigkeit verlieren.

Die Streckgrenze eines Metalls betrug bei einer mittleren Korngröße von 100 µm 150 MPa und bei 25 µm 250 MPa. Welcher Wert kommt der Streckgrenze bei einer Korngröße von 4 µm am nächsten, wenn die Hall-Petch-Beziehung σy = σ₀ + k/√d gilt?

  1. Aca. 278 MPa
  2. Bca. 550 MPa
  3. Cca. 950 MPa
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Lösung: B. ca. 550 MPa

Rechnet man die Korngrößen in m um und bildet 1/√d, erhält man für d = 100 µm 100, für 25 µm 200 und für 4 µm 500 (jeweils in 1/√m). Aus den beiden Messpunkten folgen k = (250 − 150)/(200 − 100) = 1,0 MPa·√m und σ₀ = 150 − 1,0 × 100 = 50 MPa; bei 4 µm ist somit σy = 50 + 1,0 × 500 = 550 MPa. Ca. 950 MPa entsteht, wenn man annimmt, die Streckgrenze hänge linear von 1/d ab, und eine Gerade durch die beiden Punkte legt; ca. 278 MPa ist eine Extrapolation, als ändere sich die Streckgrenze linear mit der Korngröße d. Die Verfestigung ist umgekehrt proportional zur Wurzel der Korngröße; jede Verkleinerung der Korngröße auf 1/4 verdoppelt daher den Beitrag der Korngrenzen.

Fragen, in denen „Hall-Petch-Beziehung“ vorkommt (3)

  1. Die Streckgrenze eines Stahls folgt der Hall-Petch-Beziehung σy = σ₀ + k/√d mit σ₀ = 70 MPa und k = 0,74 MPa·√m. Welcher Wert kommt der Streckgrenze bei einer mittleren Korngröße d = 25 µm am nächsten?
  2. Die Streckgrenze eines Metalls betrug bei einer mittleren Korngröße von 100 µm 150 MPa und bei 25 µm 250 MPa. Welcher Wert kommt der Streckgrenze bei einer Korngröße von 4 µm am nächsten, wenn die Hall-Petch-Beziehung σy = σ₀ + k/√d gilt?
  3. Bei Raumtemperatur erhöht eine Kornfeinung die Festigkeit (Hall-Petch-Beziehung), doch für Bauteile, die lange bei hoher Temperatur belastet werden, verwendet man häufig grobes Korn oder Einkristalle. Welche Begründung ist richtig?

Verwandte Begriffe

Diffusionskriechen Stängelkristalle Elastizitätsmodul (E-Modul) Anlassen Ausscheidungshärtung Einhärtbarkeit Martensit

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