Kritischer Keimradius: Was ist damit gemeint?

Keimradius bei der Keimbildung, oberhalb dessen das Wachstum des Keims der stabilere Weg ist. Für einen kugelförmigen Keim gilt r* = −2γ/ΔGv; er wird mit zunehmender Unterkühlung kleiner.

Japanische Bezeichnung: 臨界核半径

„Kritischer Keimradius“ kommt in 2 Übungsfragen aus 1 Thema vor, darunter Dünne Schichten, Oberflächen und Nanomaterialien.

Fachgebiet: Dünne Schichten, Oberflächen und Nanomaterialien

Selbst ausprobieren: Fragen zu Kritischer Keimradius

Bei der homogenen Keimbildung sei die Änderung der freien Energie bei der Bildung eines kugelförmigen Keims mit dem Radius r durch ΔG = (4/3)πr³ΔGv + 4πr²γ gegeben. Welcher Wert kommt bei einer Grenzflächenenergie γ = 0,10 J/m² und einer Änderung der freien Energie je Volumeneinheit ΔGv = −2,0×10⁸ J/m³ dem kritischen Keimradius r* am nächsten?

  1. AEtwa 0,5 nm
  2. BEtwa 2,0 nm
  3. CEtwa 1,0 nm
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Lösung: C. Etwa 1,0 nm

Als kritischer Keimradius ergibt sich durch Ableiten von ΔG nach r und Nullsetzen r* = −2γ/ΔGv; hier ist r* = 2 × 0,10/(2,0×10⁸) = 1,0×10⁻⁹ m = 1,0 nm. Etwa 0,5 nm ist der Wert −γ/ΔGv ohne den Faktor 2, etwa 2,0 nm entsteht, wenn der Durchmesser des kritischen Keims (2r*) mit dem Radius verwechselt wird. Keimvorstufen (Embryonen), die kleiner als r* sind, senken ihre Energie durch Schrumpfen und verschwinden leicht; nur Keime, die r* überschreiten, wachsen weiter. Je größer die Unterkühlung, desto größer ist |ΔGv| und desto kleiner r*; auch die Keimbildungsbarriere ΔG* = 16πγ³/(3ΔGv²) sinkt stark, und die Keimbildung wird erleichtert.

Wie verhält sich bei gleicher Unterkühlung der Krümmungsradius des kritischen Keims bei heterogener Keimbildung im Vergleich zum kritischen Keimradius bei homogener Keimbildung?

  1. AEr ist kleiner
  2. BEr ist größer
  3. CEr ist gleich
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Lösung: C. Er ist gleich

Ein Keim bei heterogener Keimbildung hat die Form einer Kugelkalotte (eines Kugelabschnitts), die mit dem Kontaktwinkel θ auf dem Substrat sitzt. Der Krümmungsradius im kritischen Zustand wird nur durch die Grenzflächenenergie und die Änderung der freien Energie je Volumeneinheit bestimmt und ist mit r* = −2γ/ΔGv derselbe wie bei homogener Keimbildung. Der Unterschied besteht darin, dass das Volumen der Kugelkalotte bei gleichem Krümmungsradius kleiner ist als das der Kugel, sodass die Zahl der für den Keim nötigen Atome und die Energiebarriere um den Faktor f(θ) kleiner werden. Die Absenkung der Barriere wird leicht mit einer Verkleinerung des Radius verwechselt. Ebenso wenig wird der kritische Radius durch das Substrat größer.

„Kritischer Keimradius“ in den Erläuterungen

Fragen, in denen „Kritischer Keimradius“ vorkommt (2)

  1. Bei der homogenen Keimbildung sei die Änderung der freien Energie bei der Bildung eines kugelförmigen Keims mit dem Radius r durch ΔG = (4/3)πr³ΔGv + 4πr²γ gegeben. Welcher Wert kommt bei einer Grenzflächenenergie γ = 0,10 J/m² und einer Änderung der freien Energie je Volumeneinheit ΔGv = −2,0×10⁸ J/m³ dem kritischen Keimradius r* am nächsten?
  2. Wie verhält sich bei gleicher Unterkühlung der Krümmungsradius des kritischen Keims bei heterogener Keimbildung im Vergleich zum kritischen Keimradius bei homogener Keimbildung?

Verwandte Begriffe

Ostwald-Reifung Quantengrößeneffekt Stranski-Krastanov-Wachstum Wärmespannung

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