Passivität: Was ist damit gemeint?

Zustand, in dem sich auf einer Metalloberfläche eine dichte, nur wenige Nanometer dicke Oxidschicht bildet und die Auflösung eines Metalls, das sich thermodynamisch auflösen müsste, nahezu zum Stillstand kommt.

Japanische Bezeichnung: 不動態

„Passivität“ kommt in 7 Übungsfragen aus 3 Themen vor, darunter Biomaterialien, Korrosion und Oberflächenbehandlung, Werkstoffverarbeitung und Fügen.

Fachgebiet: Korrosion und Oberflächenbehandlung

Selbst ausprobieren: Fragen zu Passivität

Was ist der Hauptgrund dafür, dass nichtrostender Stahl an Luft und in Wasser kaum rostet?

  1. ADurch Zugabe von Ni wird das Standardelektrodenpotential der Legierung so edel wie das von Gold oder Platin, sodass sie sich kaum löst
  2. BAuf der Oberfläche wächst eine mehrere mm dicke, dichte Oxidzunderschicht, die Wasser und Sauerstoff vollständig abschirmt
  3. CEr enthält etwa 11 % Cr oder mehr, wodurch sich eine wenige nm dicke Passivschicht bildet, die sich von selbst erneuert
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Lösung: C. Er enthält etwa 11 % Cr oder mehr, wodurch sich eine wenige nm dicke Passivschicht bildet, die sich von selbst erneuert

Nichtrostender Stahl enthält etwa 11 % Cr (nach der Normdefinition 10,5 %) oder mehr; dadurch bildet sich auf der Oberfläche eine nur wenige nm dicke Passivschicht, die hauptsächlich aus Cr-Oxid besteht und die weitere Auflösung des Metalls verhindert. Wichtig ist, dass sich die Schicht in sauerstoffhaltiger Umgebung auch nach einer Verletzung von selbst erneuert. Die Passivität bleibt daher in oxidierenden Umgebungen wie Salpetersäure gut erhalten, bricht aber in sauerstoffarmen Umgebungen, bei hohem Chloridgehalt und in reduzierenden Säuren (z. B. Salzsäure) leicht zusammen. Das Potential der gesamten Legierung wird nicht so edel wie das von Gold oder Platin; die Hauptaufgabe von Ni ist die Stabilisierung des austenitischen Gefüges. Mehrere mm dicke Oxidzunderschichten entstehen bei der Hochtemperaturoxidation, neigen zu Rissen und Abplatzen und sind etwas völlig anderes als die Passivschicht.

SUS304 (japanische Norm JIS) wird in chloridreichem Meerwasser eingesetzt. Welche Kombination aus der dabei wahrscheinlichen örtlichen Korrosion und einer Gegenmaßnahme trifft zu?

  1. AFlächenkorrosion; die Wanddicke wird als Korrosionszuschlag erhöht
  2. BLochkorrosion; Wechsel zu einer Mo-haltigen Sorte wie SUS316
  3. CLochkorrosion; Wechsel zu einem nichtrostenden Stahl mit höherem Kohlenstoffgehalt
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Lösung: B. Lochkorrosion; Wechsel zu einer Mo-haltigen Sorte wie SUS316

Chloridionen durchbrechen die Passivschicht örtlich an Schwachstellen und verursachen Lochkorrosion, bei der kleine Löcher in die Tiefe vorangetrieben werden. Im Loch wird die Lösung durch Hydrolyse der gelösten Metallionen sauer, und zur Wahrung der Elektroneutralität wandern Chloridionen hinein, sodass sich die Korrosion selbst beschleunigt. Da die große passive Oberfläche ringsum als Kathode und der Lochgrund als kleine Anode wirken, kann die Korrosion rasch bis zum Durchbruch fortschreiten. Abhilfe ist der Wechsel zu Sorten mit mehr Mo, Cr und N, die die Schicht stärken (z. B. SUS316 mit etwa 2–3 % Mo); die aus diesen Gehalten berechnete Wirksumme (PREN) dient als Auswahlkriterium. Da es sich nicht um eine gleichmäßige Flächenkorrosion handelt, ist eine größere Wanddicke keine wirksame Maßnahme. Mehr Kohlenstoff fördert die Bildung von Cr-Carbiden an den Korngrenzen (Sensibilisierung) und senkt die Korrosionsbeständigkeit sogar.

„Passivität“ in den Erläuterungen

Fragen, in denen „Passivität“ vorkommt (7)

  1. Was ist der Hauptgrund dafür, dass nichtrostender Stahl an Luft und in Wasser kaum rostet?
  2. SUS304 (japanische Norm JIS) wird in chloridreichem Meerwasser eingesetzt. Welche Kombination aus der dabei wahrscheinlichen örtlichen Korrosion und einer Gegenmaßnahme trifft zu?
  3. Beim Schweißen austenitischer nichtrostender Stähle wie SUS304 kann in der Wärmeeinflusszone etwas abseits der Schweißnaht interkristalline Korrosion auftreten (Kornzerfall, engl. weld decay). Welche Kombination aus Ursache und Gegenmaßnahme ist richtig?
  4. Welche Erklärung der Osseointegration, wie man sie etwa bei Zahnimplantaten aus Reintitan kennt, trifft zu?
  5. Wird für den Schaft eines künstlichen Hüftgelenks ein Metall mit einem weit höheren Elastizitätsmodul als dem des Knochens verwendet, tritt Stress Shielding auf. Welche Aussage beschreibt dieses Problem zutreffend?
  6. Was ist der Hauptgrund dafür, dass β-Titanlegierungen wie das System Ti-Nb-Ta-Zr für Implantate zur Knochenfixierung entwickelt wurden?
  7. Welche Aussage über die Tieftemperaturdegradation, die bei Hüftköpfen künstlicher Hüftgelenke aus yttriumoxid-teilstabilisiertem Zirkonoxid (Y-TZP) zum Problem wurde, trifft zu?

Verwandte Begriffe

Nichtrostender Stahl Lochkorrosion Sensibilisierung Elastizitätsmodul (E-Modul) Stress Shielding Wärmeeinflusszone Osseointegration Hydroxylapatit Knochenzement β-Titanlegierung

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