Aufkohlen: Was ist damit gemeint?

Behandlung, bei der ein kohlenstoffarmer Stahl im Austenitgebiet in einer kohlenstoffabgebenden Atmosphäre gehalten wird, um den Kohlenstoffgehalt der Randschicht zu erhöhen. Durch anschließendes Härten wird die Randschicht zu hartem Martensit.

Japanische Bezeichnung: 浸炭

„Aufkohlen“ kommt in 6 Übungsfragen aus 3 Themen vor, darunter Kristallbaufehler und Diffusion, Oberflächentechnik und Tribologie, Bruchmechanik und Ermüdung.

Fachgebiet: Oberflächentechnik und Tribologie

Selbst ausprobieren: Fragen zu Aufkohlen

Ein Stahl mit 0,20 Massen-% Kohlenstoff wird aufgekohlt, wobei die Kohlenstoffkonzentration an der Oberfläche auf 1,00 Massen-% gehalten wird. Welcher Wert kommt der Zeit am nächsten, bis die Kohlenstoffkonzentration in 0,50 mm Tiefe 0,60 Massen-% erreicht? Der Diffusionskoeffizient sei 1,6×10⁻¹¹ m²/s, (C − C₀)/(Cₛ − C₀) = 1 − erf(x/2√(Dt)), erf(0,371) = 0,40 und erf(0,477) = 0,50.

  1. Aca. 7,9 Stunden
  2. Bca. 19 Stunden
  3. Cca. 4,8 Stunden
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Lösung: C. ca. 4,8 Stunden

Aus (0,60 − 0,20)/(1,00 − 0,20) = 0,50 folgt 1 − erf(z) = 0,50, also erf(z) = 0,50 und z = x/2√(Dt) = 0,477. Damit ist √(Dt) = 0,50×10⁻³/(2 × 0,477) ≈ 5,24×10⁻⁴ m, Dt ≈ 2,75×10⁻⁷ m² und t = 2,75×10⁻⁷/(1,6×10⁻¹¹) ≈ 1,72×10⁴ s, also etwa 4,8 Stunden. Ca. 19 Stunden lässt die 2 im Nenner weg und setzt x/√(Dt) = 0,477; die Zeit wird dadurch viermal so groß. Ca. 7,9 Stunden vernachlässigt die Ausgangskonzentration C₀ und erhält aus 0,60/1,00 erf(z) = 0,40 und z = 0,371. Da die Zeit mit dem Quadrat der Tiefe wächst, wirkt sich der Umgang mit den Faktoren stark aus.

Ein Zahnrad aus kohlenstoffarmem Stahl (etwa 0,2 % C) wird einsatzgehärtet (aufgekohlt und gehärtet). Welche Aussage über diese Behandlung trifft zu?

  1. AIm Austenitgebiet (etwa 900 bis 950 °C) lässt man Kohlenstoff in die Randschicht eindiffundieren und härtet anschließend, sodass die Randschicht aus hartem Martensit und der Kern aus einem zähen Gefüge besteht
  2. BAufgekohlt wird im Ferritgebiet (etwa 550 °C), in dem viel Kohlenstoff gelöst werden kann, sodass die Randschicht ohne Härten hart wird und der Verzug gering ist
  3. CDie kohlenstoffreiche Randschicht wandelt sich vor dem Kern in Martensit um, sodass nach dem Härten Zugeigenspannungen in der Randschicht bleiben und die Schwingfestigkeit des Zahnrads sinkt
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Lösung: A. Im Austenitgebiet (etwa 900 bis 950 °C) lässt man Kohlenstoff in die Randschicht eindiffundieren und härtet anschließend, sodass die Randschicht aus hartem Martensit und der Kern aus einem zähen Gefüge besteht

Das Aufkohlen erfolgt im Austenitgebiet (etwa 900 bis 950 °C), in dem viel Kohlenstoff gelöst werden kann (bei Temperaturen zwischen 900 und 1000 °C etwa 1,2 bis 1,4 %) und die Diffusion schnell ist. Wird nach dem Anheben des Kohlenstoffgehalts der Randschicht auf etwa 0,8 % gehärtet, besteht die Randschicht aus hartem Martensit und der Kern aus kohlenstoffarmem, zähem Gefüge, sodass Verschleißfestigkeit und Schlagzähigkeit zugleich erreicht werden. Die kohlenstoffreiche Randschicht hat eine niedrigere Martensitstarttemperatur und wandelt sich später um als der Kern; ihre Volumenzunahme wird vom Kern behindert, sodass Druckeigenspannungen in der Randschicht bleiben und auch die Schwingfestigkeit steigt. Die Löslichkeit von Kohlenstoff im Ferrit beträgt höchstens etwa 0,02 %; eine Härtung ohne Abschrecken im Ferritgebiet bei niedriger Temperatur kennzeichnet das Nitrieren. Beim Einsatzhärten sind Maßnahmen gegen den Härteverzug nötig.

„Aufkohlen“ in den Erläuterungen

Fragen, in denen „Aufkohlen“ vorkommt (6)

  1. Ein Stahl mit 0,20 Massen-% Kohlenstoff wird aufgekohlt, wobei die Kohlenstoffkonzentration an der Oberfläche auf 1,00 Massen-% gehalten wird. Welcher Wert kommt der Zeit am nächsten, bis die Kohlenstoffkonzentration in 0,50 mm Tiefe 0,60 Massen-% erreicht? Der Diffusionskoeffizient sei 1,6×10⁻¹¹ m²/s, (C − C₀)/(Cₛ − C₀) = 1 − erf(x/2√(Dt)), erf(0,371) = 0,40 und erf(0,477) = 0,50.
  2. Ein Zahnrad aus kohlenstoffarmem Stahl (etwa 0,2 % C) wird einsatzgehärtet (aufgekohlt und gehärtet). Welche Aussage über diese Behandlung trifft zu?
  3. Der Diffusionskoeffizient von Kohlenstoff in γ-Eisen folgt dem Arrhenius-Ansatz D = D₀exp(−Q/RT) mit D₀ = 2,3×10⁻⁵ m²/s und der Aktivierungsenergie Q = 148 kJ/mol. Welcher Wert kommt dem Diffusionskoeffizienten bei 927 °C am nächsten? Die Gaskonstante sei R = 8,314 J/(mol·K).
  4. Um welchen Faktor muss bei einer Diffusionsbehandlung bei gleicher Temperatur die Behandlungszeit verlängert werden, damit sich die Tiefe verdoppelt, in der eine bestimmte Konzentration erreicht wird?
  5. Von welcher Oberflächenbehandlung kann man eine höhere Ermüdungsfestigkeit eines Stahlbauteils erwarten?
  6. Welche Aussage über das Nitrieren, etwa das Gasnitrieren, von Nitrierstählen mit Al, Cr und Mo trifft zu?

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Verwandte Begriffe

Nitrieren Diffusionskoeffizient Martensit Abrasiver Verschleiß Adhäsiver Verschleiß Archard-Gleichung Außenstromlose Vernickelung Stribeck-Kurve Wahre Kontaktfläche

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