Mischungsregel: Was ist damit gemeint?

Beziehungen, mit denen die Eigenschaften eines Verbundwerkstoffs aus den Eigenschaften und Volumenanteilen seiner Bestandteile abgeschätzt werden. In Faserrichtung gilt bei gleicher Dehnung E = VfEf + VmEm, senkrecht dazu verwendet man näherungsweise die Beziehung für gleiche Spannung.

Japanische Bezeichnung: 複合則

„Mischungsregel“ kommt in 4 Übungsfragen aus 2 Themen vor, darunter Verbundwerkstoffe, Polymere und Verbundwerkstoffe.

Fachgebiet: Polymere und Verbundwerkstoffe

Selbst ausprobieren: Fragen zu Mischungsregel

Ein Verbundwerkstoff enthält Kohlenstofffasern (Elastizitätsmodul 230 GPa) mit einem Volumenanteil von 60 %, unidirektional ausgerichtet in Epoxidharz (Elastizitätsmodul 3,5 GPa). Welcher Wert kommt dem mit der Mischungsregel abgeschätzten Elastizitätsmodul in Faserrichtung am nächsten?

  1. AEtwa 8,6 GPa
  2. BEtwa 94 GPa
  3. CEtwa 139 GPa
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Lösung: C. Etwa 139 GPa

Bei Belastung in Faserrichtung erfahren Fasern und Harz dieselbe Dehnung (gleiche Dehnung), sodass der Elastizitätsmodul der mit den Volumenanteilen gewichtete Mittelwert ist: E = VfEf + VmEm = 0,6 × 230 + 0,4 × 3,5 = 138 + 1,4 ≈ 139 GPa. Etwa 94 GPa entsteht, wenn die Volumenanteile von Faser und Harz vertauscht werden. Etwa 8,6 GPa ist der Wert aus der Gleichung für gleiche Spannung, 1/E = Vf/Ef + Vm/Em, und entspricht ungefähr dem Elastizitätsmodul senkrecht zur Faser. Da sich die Steifigkeit eines unidirektionalen Werkstoffs je nach Richtung um mehr als das Zehnfache unterscheidet, werden in realen Bauteilen Lagen mit unterschiedlicher Faserrichtung übereinander geschichtet.

Welche Aussage beschreibt für einen Verbundwerkstoff mit unidirektional ausgerichteten Endlosfasern zutreffend, wann die Mischungsregel für gleiche Dehnung und wann die für gleiche Spannung verwendet wird?

  1. AZug parallel zu den Fasern wird mit der Form für gleiche Dehnung, Zug senkrecht dazu mit der Form für gleiche Spannung angenähert
  2. BZug parallel zu den Fasern wird mit der Form für gleiche Spannung, Zug senkrecht dazu mit der Form für gleiche Dehnung angenähert
  3. CIn beiden Richtungen gilt die Form für gleiche Dehnung, und der E-Modul hängt nicht von der Faserrichtung ab
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Lösung: A. Zug parallel zu den Fasern wird mit der Form für gleiche Dehnung, Zug senkrecht dazu mit der Form für gleiche Spannung angenähert

Bei Zug parallel zu den Fasern dehnen sich Faser und Matrix wie parallel geschaltete Federn gleich stark, sodass die Gleichung für gleiche Dehnung E₁ = VfEf + VmEm gilt. Bei Zug senkrecht zu den Fasern erfahren Faser und Matrix wie in Reihe geschaltete Federn dieselbe Spannung, und es wird mit der Gleichung für gleiche Spannung 1/E₂ = Vf/Ef + Vm/Em angenähert. Bei gleichem Volumenanteil liefert die Gleichung für gleiche Dehnung die obere und die für gleiche Spannung die untere Schranke des Elastizitätsmoduls (Voigt- und Reuss-Schranke). Die Aussage, die parallel gleiche Spannung und senkrecht gleiche Dehnung ansetzt, vertauscht parallel und senkrecht. Der Elastizitätsmodul eines unidirektionalen Werkstoffs unterscheidet sich in Faserrichtung und quer dazu stark; auch die Aussage, er sei richtungsunabhängig, ist falsch. Der reale Quermodul ist meist etwas größer als nach der Gleichung für gleiche Spannung und wird z. B. mit den Halpin-Tsai-Gleichungen korrigiert.

„Mischungsregel“ in den Erläuterungen

Fragen, in denen „Mischungsregel“ vorkommt (4)

  1. Ein Verbundwerkstoff enthält Kohlenstofffasern (Elastizitätsmodul 230 GPa) mit einem Volumenanteil von 60 %, unidirektional ausgerichtet in Epoxidharz (Elastizitätsmodul 3,5 GPa). Welcher Wert kommt dem mit der Mischungsregel abgeschätzten Elastizitätsmodul in Faserrichtung am nächsten?
  2. Welche Aussage beschreibt für einen Verbundwerkstoff mit unidirektional ausgerichteten Endlosfasern zutreffend, wann die Mischungsregel für gleiche Dehnung und wann die für gleiche Spannung verwendet wird?
  3. Ein Verbundwerkstoff enthält unidirektional eingebettete Glasfasern (Elastizitätsmodul 72 GPa) mit einem Volumenanteil von 50 % in einem Harz (Elastizitätsmodul 3,0 GPa). Welcher Wert kommt dem Elastizitätsmodul senkrecht zu den Fasern am nächsten, wenn er mit der Mischungsregel für gleiche Spannung abgeschätzt wird?
  4. In einem Verbundwerkstoff aus Kohlenstofffasern und Epoxidharz beträgt der Massenanteil der Kohlenstofffasern 70 %. Welcher Wert kommt dem Faservolumenanteil am nächsten, wenn die Dichte der Kohlenstofffasern 1,80 g/cm³ und die des Epoxidharzes 1,20 g/cm³ beträgt und keine Poren (Lufteinschlüsse) vorhanden sind?

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Verwandte Begriffe

Elastizitätsmodul (E-Modul) Duroplast Glasübergangstemperatur Kristallinität Viskoelastizität

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